Als die alpinen Ski-Damen 2006 nach neunjähriger Pause wieder für Weltcuprennen nach Bad Kleinkirchheim zurückkehrten, gab es viele Sieganwärterinnen auf der neuen Strecke "Kärnten - Franz Klammer". Heuer sieht die Lage anders aus, zumindest in der Abfahrt. Lindsey Vonn kann sich derzeit nur selbst schlagen, davon ist auch Österreichs sportlicher Leiter Herbert Mandl überzeugt.

"Nein, nicht wirklich. Leider nicht", beantwortete Mandl die Frage, ob sein Team in Kärnten die sieglose Abfahrtszeit beenden wird können. Am 28. Februar 2009 setzte Andrea Fischbacher in Bansko einen Schlusspunkt hinter eine fast zweijährige Abfahrtsmisere. Seitdem ist eine weitere, sieglose Ewigkeit vergangen - und Vonn noch stärker geworden. "Bei ihr treffen alle Attribute für eine Topabfahrerin zusammen, das hat nicht so schnell eine. Sie hat die Statur, die körperlichen Voraussetzungen. Sie hat die Technik, sie hat das Gefühl. Da ist es schwer ranzukommen, das muss man neidlos anerkennen und respektieren", erläuterte Mandl. Die US-Amerikanerin hat beide Saisonrennen sowie 12 der letzten 19 Weltcup-Abfahrten für sich entschieden.

In Bad Kleinkirchheim spricht vor allem das Gleitstück gegen die ÖSV-Topläuferinnen Elisabeth Görgl, Anna Fenniger und Andrea Fischbacher. Dazu sagte Mandl: "Das Gleitstück in der Mitte ist derartig lang, das bevorzugt unsere Damen nicht unbedingt. Normal sind wir dort gegen eine Lindsey chancenlos. Unsere brauchen es technisch schwieriger und anspruchsvoller. Und vor allem härter und eisiger."

Der obere, steile Teil sei zwar wie geschaffen für "unsere Mädels", aber es seien nur drei Kuven, ehe das "elendslange Gleistück" komme. "Das ist das, was mir auf dieser Abfahrt nicht so gefällt. Das hohe Tempo unten runter wäre schon okay, aber die technischen Schwierigkeiten sind nicht mehr so gravierend." Hinzu komme, dass man Neuland betrete. "Die Strecke ist für fast alle Damen unbekannt. Es geht hier kaum zu trainieren, in diesem Sinne können wir keinen Heimvorteil herausholen."

2006 gewann Anja Pärson (SWE) vor Michaela Dorfmeister (AUT) und Fränzi Aufdenblatten (SUI), in der zweiten Abfahrt klassierte sich Janica Kostelic (CRO) vor Nike Bent (SWE) und Dorfmeister. Kostelic gewann auch den Super-G vor den Ex-aequo-Zweiten Alexandra Meissnitzer und Dorfmeister und krönte sich zur damals erst dritten Rennläuferin, die in allen fünf Disziplinen Siege gefeiert hat.

Vom aktuellen rot-weiß-roten Abfahrtsteam fuhren 2006 beim Weltcup nur Görgl (Schnellste im zweiten Abfahrts-Training; in den Rennen 7. und 12.) sowie Fischbacher (14. und 24.). Lindsey Vonn kam über die Ränge 9 und 18 nicht hinaus.

Dem Sieg viel näher als in der Abfahrt sind Fenninger und Co. im Super-G. Die bisherigen zwei Rennen waren zwar ebenfalls eine Beute Vonns geworden, der Rückstand hielt sich aber in Grenzen. "Da bin ich überzeugt, dass wir mitfighten werden, da sind wir näher dran und da ist auch die Streckenbeschaffenheit nicht so entscheidend. Zu knacken ist Lindsey am ehesten im Super-G. In der Abfahrt hingegen, wenn sie keinen Fehler macht, sehr, sehr schwer", weiß Mandl. Den letzten Weltcup-Super-G für Österreich gewann Görgl am 6. Dezember 2009 in Lake Louise.

Die Piste in Bad Kleinkirchheim ist komplett mit Kunstschnee präpariert worden. Bis zum ersten Training am Donnerstag wurde jedoch Neuschnee erwartet. "Allzu hart war die Piste nicht und eisig wird es sicher nicht werden. Das wäre mir für unsere Mädels fast lieber gewesen. Weil sie dann ein bisschen diesen Nachteil wettmachen könnten." Österreichs Speeddamen waren am Dienstag und Mittwoch in Schladming zum Super-G-Training.

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