vergrößernverkleinern
Spaniens Verbands-Spordirektor Fernando Hierro erinnert sich © getty images

Der Countdown läuft. Noch eine Woche bis zum WM-Auftakt des Schweizer Nationalteams gegen Spanien. Der Europameister reist mit

Der Countdown läuft. Noch eine Woche bis zum WM-Auftakt des Schweizer Nationalteams gegen Spanien. Der Europameister reist mit grossem Selbstvertrauen nach Südafrika.

Die erste Hürde auf dem Weg zum von den spanischen Medien erwarteten WM-Titel ist die Schweiz.

Mit dabei in Südafrika ist auch Fernando Hierro, der seit 2007 Sportdirektor des spanischen Verbandes (RFEF) ist. Der ehemalige Internationale gilt bei Real Madrid als Verteidiger-Legende. Mit 29 Toren in 89 Länderspielen ist Hierro hinter Raul und David Villa der drittbeste Torschütze des spanischen Nationalteams. Im Interview mit der Sportinformation äusserte sich Hierro zu seinen guten Erinnerungen an die Schweiz, den Charakter des spanischen Teams und das Aha-Erlebnis, das die Spanier 2008 zum EM-Titel führte.

"Ja, natürlich. Wir begegneten schon vor der WM in den USA dieser grossartigen Schweizer Mannschaft. Wir bestritten ein Testspiel gegen Kanada in Montreal, und die Schweizer testeten dort gegen Bolivien. Ich erinnere mich, wie der Schweizer Trainer Roy Hodgson sagte: 'Hoffentlich spielen wir gegen euch, damit wir 3:0 gewinnen können.' Naja, stattdessen haben wir den Achtelfinal 3:0 gewonnen. Ich schoss dabei ein Tor. Die Schweiz hatte damals eine wunderbare Mannschaft. Aber das sind vergangene Zeiten, das zählt heute nicht mehr. Für uns gilt jetzt nur der 16. Juni. Das Startspiel gegen die Schweiz müssen wir gewinnen."

Spanien hat sich in Österreich auf die WM vorbereitet und Testspiele gegen Saudi-Arabien, Südkorea und Polen bestritten. Wurden diese Gegner nach einem speziellen Schema ausgesucht?

"Saudi-Arabien sollte der erste Gegner sein, weil wir es etwas ruhiger angehen lassen wollten, um uns zu akklimatisieren. Beim 3:2 haben wir dann etwas mehr gezittert, als uns lieb war. Mit Südkorea simulierten wir die kleinen, flinken Spieler, die wir bei Chile und Honduras erwarten. Die Polen ähneln in ihrem Spiel den Schweizern."

Sie spielten von 1989 bis 2003 bei Real Madrid, haben dreimal die Champions League gewonnen, waren fünfmal spanischer Meister, bestritten vier Weltmeisterschaften für Ihr Land. Sie sind dem Fussball treu geblieben und sind Sportdirektor beim spanischen Verband. Was genau ist Ihre Funktion?

"Nachdem Teams wie Deutschland, Frankreich, England oder Kroatien den Posten des Sportchefs geschaffen hatten, führte der spanische Verband 2007 dieses Amt ein. Ich bin das Bindeglied zwischen dem Verbandspräsidenten und den verschiedenen Nationalteams. Ich koordiniere nicht nur das A-Nationalteam. Während 70 bis 80 Prozent meiner Arbeitszeit beschäftige ich mich mit den Junioren-Auswahlen. Ausserdem suche ich für den Verband mögliche Trainer-Kandidaten für die verschiedenen Nationalteams. Für mich ist das eine wundervolle Erfahrung."

"Nein. Meine Aufgabe ist nur die Koordination zwischen Teams und Verbandsspitze. Die Liste der 23 WM-Teilnehmer, die Aufstellung für ein Spiel -- das ist allein Sache des Trainers. Natürlich fragen mich die verschiedenen Coaches um Rat, aber letztlich entscheiden sie, was sie machen werden. Eine etwas speziellere Beziehung habe ich sicherlich zu Vicente Del Bosque, der in meiner Karriere bei Madrid insgesamt dreimal mein Trainer war."

Zurück zur WM. Was wissen Sie über Ihren ersten Gruppen-Gegner?

"Die Schweizer verfügen über eine gute Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern. Zudem haben sie mit Ottmar Hitzfeld einen äusserst erfahrenen Trainer. Aus meiner Sicht profitiert die Schweiz immer mehr von der hervorragenden Arbeit, die sie auf Junioren-Stufe leistet. Das haben sie ja zuletzt an der U17-WM gezeigt, wo sie den Titel holten."

"Ich spreche nicht gerne über einzelne Spieler. Im Fussball zählt nicht der Individualist, sondern das Team. Frei, Barnetta, Senderos sind diejenigen, die mir gerade in den Sinn kommen. Aber mit dem Trainer, den die Schweiz derzeit hat, bin ich sicher, dass es für uns ein schwieriges Startspiel werden wird. Hitzfeld hatte schon als Coach von Bayern München eine klare Linie, und seine Spieler werden physisch und psychisch hervorragend vorbereitet sein."

Eigentlich müssten Sie vor diesem WM-Auftakt ja gelassen sein. Die Schweiz hat noch nie gegen Spanien gewinnen können.

"Das ist so eine Sache mit Statistiken im Sport. Jede Serie hat irgendwann einmal ein Ende."

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel