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Hat das Kader von Südafrika genug Qualität? © getty images

Für Südafrika kommt am Freitag der Tag X. Die Regenbogennation eröffnet die erste Fussball-WM auf ihrem Kontinent. Der

Für Südafrika kommt am Freitag der Tag X. Die Regenbogennation eröffnet die erste Fussball-WM auf ihrem Kontinent. Der Gastgeber trifft ab 16 Uhr im Startspiel auf Mexiko.

Südafrika wird nicht viel zugetraut. Obwohl Gründe zur Zuversicht vorhanden sind. Gumbi Sibongiseni ist Journalist bei der Zulu-Zeitung "Isolezwe". Er kennt die Fussball-Verhältnisse in Südafrika. An der WM bleibt er für die Leser am Ball. Sibongiseni glaubt: "Unsere Mannschaft ist bereit. Ich sehe Willen und Teamspirit. Allen Spielern ist bewusst, was von ihnen erwartet wird. Jetzt ist es an der Zeit, zu zeigen, was wir können."

Von einigen wird Südafrika bereits im Vorfeld der Endrunde als der aussichtsloseste Gastgeber der WM-Geschichte angesehen. "Bafana Bafana" belegt in der FIFA-Weltrangliste lediglich den 83. Rang. Von den anderen WM-Teilnehmern ist nur Nordkorea schlechter klassiert. Seit der Qualifikation für die WM 2002 in Japan und Südkorea wartet man am Kap der guten Hoffnung vergeblich auf den nächsten Exploit. Südafrika war es nicht einmal gelungen, einen Startplatz beim Anfang dieses Jahres ausgetragenen Afrika-Cup in Angola zu ergattern. Steven Pienaar vom FC Everton ist der einzige, der sich auf höchstem Niveau etabliert hat.

Zudem entstand Unruhe, weil Benni McCarthy -- Rekord-Torschütze des Landes und "Enfant terrible" in Personalunion -- nicht aufgeboten wurde. Der Stürmer von West Ham United soll sich bezüglich Fitness in einem lamentablen Zustand befinden, heisst es offiziell. Er ist einer, der nach dem Lust-und-Laune-Prinzip funktioniert und sich nicht immer an die Regeln hält. Dies könnte ihm nun zum Verhängnis geworden sein.

Ähnlich umstritten ist ausgerechnet der Captain. Kein Südafrikaner hat mehr Länderspiele absolviert als Aaron Mokoena, der kürzlich die 100er-Marke knackte, und doch gilt der 29-Jährige vom aus der englischen Premier League abgestiegenen FC Portsmouth bei etlichen Fans als Störfaktor. "Es soll Leute gegeben haben, die beteten, dass sich Mokoena eine Verletzung zuzieht, damit er an der WM nicht dabei sein kann", weiss Gumbi Sibongiseni zu berichten.

Mokoena liefere in der Landesauswahl selten gute Leistungen ab. Im Nati-Trikot soll er den Part des Abwehrchefs übernehmen, nachdem er im Klub oft als defensiver Mittelfeldspieler eingesetzt wurde. Die Kritiker legen Mokoena unter anderem zur Last, dass er taktisch zu wenig diszipliniert sei und dass er zu viele Freistösse in gefährlichen Positionen verursache. Der temporäre Innenverteidiger, der wegen seinen gefürchteten Tacklings den Spitznamen "die Axt" trägt, ist aktuell beim türkischen Überraschungs-Meister Bursaspor im Gespräch.

Mokoena bildet möglicherweise mit Matthew Booth das Abwehrzentrum. Der Routinier ist der einzige Weisse im Kader, was aber seiner Popularität bei den vorwiegend schwarzen Anhängern keinen Abbruch tut. Der 1,98 m grosse Glatzkopf wird jeweils mit "Booooooooooth"-Rufen geehrt, wenn er den Ball berührt. Dies wurde fälschlicherweise von Laien auch schon als Ausbuhen interpretiert.

Dabei ist Booth, der ein schwarzes Model geheiratet hat, bei allen Schichten äusserst beliebt. Er ist in der Heimat beim in Pretoria ansässigen Rekordmeister Mamelodi Sundowns engagiert. Die weisse Minderheit beschäftigt sich sonst eher mit Rugby oder Cricket. Ob es Booth gegen Mexiko für die Stammformation reicht, ist jedoch ungewiss. Für die selben Aufgaben hat sich auch Bongani Khumalo empfohlen.

Journalist Gumbi Sibongiseni sagt unmissverständlich: "Wenn man die Negativpunkte und die Konkurrenz anschaut, muss man realistischerweise feststellen, dass wir in unserer Situation Glück benötigen." Doch es gibt sie, die Strohhalme, an die sich in Südafrika auch mässig euphorische Schreiberlinge klammern. Seit Star-Trainer Carlos Alberto Parreira im Oktober das Szepter wieder in die Hand genommen hat, also seit elf offiziellen Testpartien, ist "Bafana Bafana" ungeschlagen.

Allerdings hiessen die Gegner nicht etwa Brasilien, Spanien oder England, sondern beispielsweise Guatemala, Thailand, Jamaika und Simbabwe. Das jüngste Resultat war das wertvollste. Am vergangenen Samstag wurde Dänemark 1:0 bezwungen. Das entscheidende Tor erzielte Katlego Mphela, genannt "der Killer". Er soll im Angriff McCarthy vergessen machen.

Der Sieg gegen Dänemark stärkte das Selbstvertrauen. Das Volk glaubt mehr denn je an das Team. Der Heimvorteil ist nicht zu unterschätzen. Und der brasilianische Coach wird aufgrund seiner Vita bewundert. Er soll zum Trumpf werden. Parreira hatte genug Möglichkeiten, um mit seinen Mannen eine ausgedehnte WM-Vorbereitung zu gestalten. Das wegen der Apartheid lange isolierte Südafrika will erstmals an einer WM die Vorrunde überstehen. Gumbi Sibongiseni wird mitfiebern. Er tippt im Vergleich mit Mexiko auf ein 1:0 oder 2:1. "Wenn wir das erste Tor schiessen, bin ich optimistisch für das Turnier."

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