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Italien droht erstes Vorrunden-Aus seit 1974 © getty images

Italien steht heute Donnerstag ab 16.00 Uhr wieder einmal vor einem richtungsweisenden Spiel. Verlieren die Italiener im Ellis

Italien steht heute Donnerstag ab 16.00 Uhr wieder einmal vor einem richtungsweisenden Spiel. Verlieren die Italiener im Ellis Park von Johannesburg gegen die Slowakei, müssen sie die Heimreise antreten. Von Gruppenleader Paraguay wird in Polokwane ein Sieg gegen Neuseeland erwartet.

Vor der WM waren sich die Experten einig: In der Gruppe F, der mutmasslich leichtesten überhaupt, kann Italien nicht scheitern. Aber einem glanzlosen Unentschieden gegen Paraguay liess die Squadra azzurra ein schon fast desatröses Remis gegen Neuseeland folgen. Nun ist verlieren gegen die Slowakei verboten. Sonst wäre der Abgang nach der Vorrunde, der erste seit der WM 1974, perfekt. Mittelfeldspieler Daniele De Rossi sagt es aber wohl richtig: "Wir sind Italien. Wenn wir nicht fähig sind, eines unserer drei Vorrrundenspiele zu gewinnen, haben wir es nicht verdient, in Südafrika zu bleiben."

Mit ihren bisherigen Leistungen haben sich aber die Italiener bereits etwas eingebrockt, das sich auch bei einem Sieg über die Slowakei kaum mehr korrigieren lässt. Der Gruppensieg ist nicht mehr möglich, wenn Paraguay im gleichzeitig angesetzten Match gegen Aussenseiter den erwarteten Erfolg gegen Neuseeland einfährt. Und als Gruppen-Zweiter werden die Italiener aller Wahrscheinlichkeit nach bereits in den Achtelfinals auf Holland treffen.

Doch vorerst gilt die Aufmerksamkeit dem nächsten Gegner, gegen den wohl auch ein weiteres Unentschieden zum Weiterkommen reichen würde. Mit drei Remis haben die Italiener schon einmal die Vorrunde überstanden: 1982 an der WM in Spanien. Und wer stemmte letztlich den WM-Pokal in die Höhe? Richtig: Italien. Der aktuellen Mannschaft wird ein solcher Höhenflug aber nicht zugetraut.

Der Lack bröckelt selbst an Legenden. Captain Fabio Cannavaro, der vor vier Jahren beim Titelgewinn in Deutschland seine Abwehr in überragender Manier zusammenhielt, wurde in einer Umfrage der Sportzeitung 'Gazzetto dello Sport' hart abgestraft. 69,2 Prozent antworteten auf die Frage, ob Cannavaro auf die Ersatzbank gehört, mit Ja.

Cannavaro wird gegen die Slowakei trotzdem spielen, zu wenig erfahren sind die Ersatzleute auf der Bank. Der Ausfall von Goalie Gianluigi Buffon (Diskushernie) beschert Trainer Marcello Lippi zusätzliche Sorgen, aber immerhin besteht ja die Hoffnung, dass Spielmacher Andrea Pirlo nach seiner Wadenverletzung wieder eingesetzt werden kann. "Er kann in einem Spiel den Unterschied ausmachen", sagt Lippi über seinen kreativsten Spieler. Im Angriff könnte er auf Giampaolo Pazzini und Antonio Di Natale, den Torschützenkönig der Serie A, setzen, zumal Alberto Gilardino den Tritt noch überhaupt nicht gefunden hat.

In der Slowakei prasselte nicht minder Häme auf die Mannschaft als in Italien. Dem enttäuschenden 1:1 gegen Neuseeland folgte das 0:2 gegen Paraguay. In diesem Spiel brachte die Slowakei einen einzigen Schuss aufs gegnerische Gehäuse zustande. Trainer Vladimir Weiss reagierte auf die folgende Kritik mit einem Rundumschlag. Er beschimpfte Journalisten als "verdammte Schwuchteln" und drohte einem Reporter gar Prügel an.

Ganz anders präsentiert sich die Situation bei den Gruppengegern von Italien und der Slowakei. Vor dem Duell in Polokwane herrscht sowohl in Paraguay als auch in Neuseeland Hochstimmung. Schon mit einem Punktgewinn würden die Paraguayer zum vierten Mal nach 1986, 1998 und 2002 in die Achtelfinals einziehen, doch die Südamerkaner wollen mehr. Mit einem Sieg holen sie sich den Gruppensieg, womit die Aussichten für den weiteren Turnierverlauf natürlich noch deutlich besser würden. "In den Viertelfinals standen wir noch nie", blickt Roque Santa Cruz voraus. Paraguay wird mit einer Ausnahme in Bestbesetzung spielen können. Fraglich ist wegen einer Knöchelverletzung einzig Verteidiger Antolin Alcaraz, der beim 1:1 gegen Italien Paraguay in Führung gebracht hatte.

In Neuseeland, das 1982 bei der ersten WM-Teilnahme ohne Punkt ausgeschieden war, träumen sie vom nächsten Höhepunkt. Die WM-Qualifikation bezeichneten die Kiwis als Traum, das 1:1 gegen die Slowakei als historisch und das 1:1 gegen Italien als Wunder. Ob da noch Platz für eine Steigerung vorhanden ist? Mit einem Sieg im letzten Vorrundenspiel wären die Achtelfinals erreicht... Auch bei den Neuseeländern fehlt vermutlich ein wichtiger Abwehrspieler. Winston Reid, Torschütze gegen die Slowakei, leidet an einem Nasenbeinbruch.

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