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Schweizer müssen Strategie ändern © getty images

Seit 1966 scheiterte keine Schweizer Equipe mehr in der Vorrunde einer

Seit 1966 scheiterte keine Schweizer Equipe mehr in der Vorrunde einer WM.

In Südafrika ist das Out womöglich nur mit einem Erfolg mit zwei Toren Differenz gegen den Aussenseiter Honduras abzuwenden. Es ist mit einer entsprechenden Anpassung der Taktik zu rechnen.

Gut ist zunächst einmal, dass die Schweizer ihr Schicksal selber bestimmen können. Dazu müssen sie aber ihr "Réduit" verlassen und mutiger nach vorne spielen. Denn nur mit einem 2:0-Sieg (oder 3:1, 4:2 etc.) gegen Honduras ist ihnen der Vorstoss in die nächste Runde nicht mehr zu nehmen - unabhängig davon, was in der Partie von Leader Chile gegen die Spanier passiert.

"Wir haben es in den eigenen Händen", betonte Hitzfeld deshalb, "unser grosses Ziel den Achtelfinal zu erreichen. Am Ende der Qualifikation für die Top 16 stünde möglicherweise das Highlight gegen den fünffachen Weltmeister Brasilien bevor.

Erheblich entspannen könnte sich die Lage, wenn der Europameister gegen Chile weitere Punkte einbüssen würde. Optimist Hitzfeld hält diese Variante für möglich: "Ich traue den selbstbewussten Chilenen zu, Spanien zu schlagen. Die Spanier sind unter Druck. Sie haben sehr viel zu verlieren. Wir hingegen können viel gewinnen."

Ganz der taktische Stratege, drängte Hitzfeld lieber die Spanier in die heikle Position. Er will seine Equipe mental so weit wie möglich entlasten. Sie soll den Druck, nach zwei ultradefensiven Auftritten nun die Offensive forcieren zu müssen, nicht schon im Vorfeld zu spüren bekommen. Er weiss selber am besten, wie schwer sich seine Mannschaft in der Regel mit der Spielgestaltung tut.

Zweifel am destruktiven Stil der vergangenen 180 Minuten lässt der Schweizer Chef-Taktiker nicht zu: "Gegen Spanien mussten wir uns so verhalten. Wenn ich Trainer von Brasilien wäre, liesse ich vermutlich auch anders spielen. Gegen Chile war kein so defensiver Auftritt geplant. Mit zehn Mann ging es aber nur noch so. Alles andere wäre Selbstmord gewesen."

Eine fundamentale Änderung der Strategie drängt sich angesichts der neuen Vorzeichen auf. Mit Honduras trifft die Schweiz in der kursweisenden Partie auf ihr (taktisches) Ebenbild. Hitzfeld zog indes einen anderen Vergleich: Für ihn besitzt der Kontrahent ähnliche Anlagen wie Chile, aber "weniger überragende Individualisten" als die Südamerikaner.

Wen der Selektionär für die offensiver ausgerichtete Startformation nominieren wird, liess er offen; erst wenige Stunden vor dem Anpfiff dürften die elf Namen publik werden. Mehr, aber kein undosiertes Risiko wäre wünschenswert. Den Vorwärtsgang müssen die Schweizer mutmasslich frühzeitig einlegen, ansonsten droht im "Endspiel" (Hitzfeld) die lähmende Anspannung.

Der reich dekorierte Coach mag solche hoch riskanten Spiele. Da blüht der Pokerer auf. "Unter Druck ist er am stärksten", pflegt sein früherer Mentor Erich Vogel zu sagen. Hitzfeld selber freut sich auf eine "unglaublich spannende Partie". Der wichtigste Match seiner Amtszeit hat auch für ihn persönlich einen extrem hohen Stellenwert: "Es ist wie vor einem Halbfinal in der Champions League."

Allzu viel Zeit blieb den Schweizern seit der Rückkehr aus Port Elizabeth nicht, die womöglich schwierigste Aufgabe vorzubereiten. Der Dienstag und Mittwoch stand im Zeichen der Regeneration. Am Tag vor der Flugreise hielten die Schweizer ihre wohl vor allem taktische Lektion hinter verschlossenen Türen ab. Hitzfeld verlangte deswegen vor allem "mehr Kopfarbeit".

Die Aufstellung hat der Deutsche im Kopf. Kurzfristige Umstellungen sind allerdings nicht (mehr) ausgeschlossen. Am Abend vor dem Transfer nach Bloemfontein erlitt Eren Derdiyok eine Oberschenkelprellung. In seinem Fall könnte auch die Enschätzung der Mediziner ausschlaggebend sein. Thematisieren dürfte Hitzfeld auch beim Rest die physische Verfassung - nicht jeder Spieler erholt sich von den Strapazen gleich schnell.

Umstellungen sind wegen der Sperre von Valon Behrami zwangsläufig zu erwarten. Die Besetzung der Couloirs und des Sturms ist von grosser Tragweite. Präzise Flanken werden benötigt. Wer womöglich zwei Treffer schiessen muss, ist auf Strafraumszenen angewiesen - und wohl auch auf den Topskorer Alex Frei. Ob in bester Form oder nicht, 40 Länderspieltore sind nach wie vor ein überzeugendes Argument, um zur Anfangsformation zu gehören.

Wenig Skorerpunkte, aber viel Speed und Unberechenbarkeit hat Marco Padalino zu bieten. Der Tessiner gehörte in der WM-Ausscheidung vorübergehend (während fünf Spielen) zum Kern. Er wird auf der rechten Seite wohl Behrami ersetzen. In der Defensive und im Zentrum, wo Huggel und speziell Inler ein beeindruckendes Pensum fast fehlerfrei bewältigten, ist keine Änderung vorgesehen.

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