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YB gegen Tottenham vor den Spielen des Jahres © getty images

Die bisherige Saison der Young Boys gleicht der Fahrt auf einer Achterbahn: Hochs wie dem Auswärtssieg gegen Fenerbahçe in der

Die bisherige Saison der Young Boys gleicht der Fahrt auf einer Achterbahn: Hochs wie dem Auswärtssieg gegen Fenerbahçe in der Champions-League-Qualifikation folgten Rückschläge in der Meisterschaft.

Gegen Tottenham (20.45 Uhr) soll der YB-Schalter wieder auf "Erfolg" liegen.

Keine zwei Wochen ist es her, seit die Young Boys mit dem Coup in Istanbul ihre Fans und wohl nicht zuletzt auch sich selber überrascht haben. Mit dem Weiterkommen gegen Fenerbahçe hatten die wenigsten gerechnet. Dass nun gegen das noch höher kotierte Team Tottenham Hotspur der Einzug in die Gruppenphase der Champions League gelingt, glauben nur die alleroptimistischsten Berner. "Ich habe gelesen, dass wir so wenig Chancen haben, dass wir gar nicht auf den Platz gehen müssten", machte YB-Trainer Vladimir Petkovic auf Ironie.

Tatsächlich geht YB nicht als Favorit in die beiden Duelle mit den Spurs. Gründe dafür gibt es viele. Tottenhams Budget liegt um das Zehn- bis Zwölffache über jenem der Young Boys, im Kader des Teams von Harry Redknapp stehen elf aktuelle Internationale, dazu kam ein überzeugender Auftritt im Startspiel der Premier League gegen Manchester City. Obwohl für Tottenham nur ein 0:0 resultierte, hinterliess es vor allem in der ersten halben Stunde einen bärenstarken Eindruck. Und dem Staff von Redknapp wird die Anfälligkeit der Young Boys auf frühe Gegentreffer im bisherigen Saisonverlauf nicht entgangen sein. In drei der fünf ASL-Partien und im Hinspiel gegen Fenerbahçe lag YB spätestens nach sechs Minuten 0:1 im Rückstand.

Wie schon vor dem Rückspiel in Istanbul muss Vladimir Petkovic sein Team nach einem negativen Erlebnis auf eine europäische Aufgabe vorbereiten. Den Patzer in Bellinzona tut der Kroate rückblickend als "einziges schlechtes Spiel der Saison" ab. Das 0:1 vom letzten Samstag gegen Xamax war eher ein Betriebsunfall. "Sie schossen in 90 Minuten einmal aufs Tor..." Christoph Spycher ist nach der turbulenten Woche mit der sportlichen und politischen Niederlage (der abgesetzte CEO Stefan Niedermaier war in Spieler- wie in Fankreisen sehr beliebt) überzeugt, dass jeder darauf drängt, zu beweisen, dass es anders geht. "Wir haben gegen Fenerbahçe gezeigt, dass wir sehr gut spielen können, obwohl wir im Spiel vorher unser Leistungsniveau überhaupt nicht erreichten."

In England wird von Tottenham nichts anderes als das deutliche Weiterkommen erwartet. Nach der ersten Top-4-Klassierung in der Premier-League-Geschichte spielt der Verein aus dem Norden Londons erstmals um den Einzug in die europäische Königsklasse. Die letzte Teilnahme im damaligen Meistercup geht auf das einzige, dafür mit dem Doublegewinn umso erfolgreichere Meisterjahr 1961 zurück. Im Wissen, vielleicht schon bald an den Honigtöpfen der UEFA naschen zu können, hat sich Tottenham auf dem Transfermarkt, wie viele anderen englischen Klubs (mit Ausnahme von Manchester City), zurückgehalten. Trainer und Manager Redknapp will erst wissen, ob es seine Spurs in die Gruppenphase schaffen, ehe er sie verstärken wird.

Allein die offensive Qualität des Teams drängt den einst jüdischen Klub mit dem Motto "audere est facere" (zu wagen ist, es zu tun) und englischer Spielweise in die klare Rolle des Favoriten. Redknapp hat im Sturm die Wahl zwischen den Internationalen Peter Crouch, Jermain Defoe (beide Eng), Robbie Keane (Irl), Roman Pawljutschenko (Russ) und Mexikos WM-Teilnehmer Giovani Dos Santos. Und der linke Flügel Gareth Bale, ein 21-jähriger Waliser, gilt als eines der grössten britischen Talente seit Jahren.

"Wenn Tottenham top spielt und wir auch, dann liegen alle Vorteile bei ihnen", so Petkovic. "Wir brauchen zwei superperfekte Spiele." Für Goalie Marco Wölfli, der "ehrlichen, englischen Fussball ohne Schauspielerei" mag, bedeutet dies konkret, im Heimspiel kein Gegentor zu kassieren, defensiv stabil zu bleiben und aggressiv aufzutreten. "Und die Chancen, von denen wir nicht allzu viele bekommen werden, besser zu nützen als im Heimspiel gegen Fenerbahçe."

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