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Schweizer Nationalteam in Montenegro unter Druck © getty images

In Montenegro ist vor allem die punktelose Schweizer Equipe unter Druck. Eine Niederlage wäre für die Mannschaft von Ottmar

In Montenegro ist vor allem die punktelose Schweizer Equipe unter Druck. Eine Niederlage wäre für die Mannschaft von Ottmar Hitzfeld weniger gut zu verkraften als für die Gastgeber.

Beidseits war die Zuversicht gross vor dem ersten Schlüsselspiel in der Gruppe G. Das halb renovierte Buducnost-Stadion ist ein gutes Abbild der nationalen Fussball-Szene. Klein, aber irgendwie doch fein, nicht ganz fertig und mit einem gewissen Charme.

Heute Abend ist keines der 12'000 Tickets mehr verfügbar. Der montenegrinische Traumstart zur EM-Ausscheidung mit zwei Siegen hat die Gastgeber endgültig aus ihrer Fussball-Lethargie gehoben. In Podgorica steht den Schweizern ein womöglich ungemütlicher und hektischer Abend bevor.

Eine zu lange Anpassungszeit kann sich Ottmar Hitzfelds Team nicht leisten. Darum ist der Moment bestimmt nicht falsch, auf eine so genannte Blockbildung zu setzen. Auch wenn der Selektionär nur von einer Option sprach, ist der Einsatz des Basler Quartetts Shaqiri, Stocker, Frei und Streller nicht abwägig. Zumindest im Training setzte er auf die Automatismen der vier Champions-League-Teilnehmer.

Hitzfeld hat die verschiedenen Szenarien im Kopf. Er hat den womöglich wilden und ungestümen Gegner bis ins Detail studiert. "Es ist klar, dass Montenegro mit sechs Punkten im Rücken mit einer gewissen Euphorie spielt. Und dass ihr Spiel von Kampfkraft geprägt sein wird, ist ja auch kein Geheimnis." Hitzfeld bereitete sein Team auf einen Kontrahenten vor, der nicht abwartet, sondern "aggressiv nach vorne drängen wird".

Allzu sehr mag der Schweizer Nationalcoach den Heimvorteil der verlustpunktlosen Montenegriner aber nicht in den Vordergrund rücken: "Wir dürfen auch nicht übertreiben, was uns hier erwartet." Im Unterschied zum Herausforderer steckt in der SFV-Auswahl die Erfahrung von mehreren EM- und WM-Endrunden. In schwierigen Situationen war die Schweiz in den letzten Jahren fast ausnahmslos zur Steigerung in der Lage.

Wünschenswert wäre der Sieg und die sofortige Korrektur der Heimniederlage gegen England (1:3). Unter Umständen ist auch ein Remis kein schlechtes Ergebnis - zumal auf dem Platz eines möglichen Direktkonkurrenten um einen Platz in der EM-Barrage. Kehren die Schweizer indessen ohne Punkte zurück, verschärft sich ihre Situation erheblich. Ein derartiger Fehlstart wäre in der nur fünf Teams umfassenden Gruppe 5 kaum mehr zu korrigieren.

In der Qualifikation für die WM in Südafrika war der Auftakt mit nur einem Zähler aus zwei Partien (gegen Israel und Luxemburg) missraten, ehe die grosse Trendwende folgte. Gesamthaft betrachtet fällt die Bilanz der letzten Ausscheidungs-Kampagnen ohnehin überaus freundlich aus. Nur die WM 2002 verpassten die Schweizer - danach bestritten sie vier Turniere in Serie.

Um eine positive Beurteilung der Lage muss sich in Montenegro niemand kümmern. Im Gegenteil: Trainer Zlatko Kranjcar muss eher auf die Euphoriebremse treten. Die zwei Siege gegen Wales und Bulgarien haben eine Welle der Begeisterung ausgelöst. Die junge Nation ist in einer Weltsportart plötzlich auf Augenhöhe mit früheren EM- oder WM-Teilnehmern.

Ganz überrascht von der Entwicklung ist der ehemalige kroatische WM-Coach Kranjcar nicht: "Wir haben ein gutes Team. Viele unserer Spieler sind in starken europäischen Ligen beschäftigt." Seine Prognose fällt entsprechend aus: "Ich erwarte ein offenes Spiel."

Montenegro - Schweiz. - Buducnost-Stadion, Podgorica. - SR Gonzales (Sp). - Spielbeginn: 20.30 Uhr (live/SF zwei).

Voraussichtliche Aufstellungen. Montenegro: Bozovic (Videoton/Un); Pavicevic (Maccabi Tel Aviv), Dzudovic (Spartak Naltschin/Russ), Basa (Lokomotive Moskau), Jovanovic (Spartak Naltschin/Russ); Vukcevic (Sporting Lissabon), Zverotic (Luzern), Novakovic (Amkar Perm/Russ), Boskovic (Washington DC United); Vucinic (AS Roma), Dalovic (Rijeka/Kro).

Schweiz: Wölfli; Sutter, Von Bergen, Grichting, Ziegler; Shaqiri, Inler, Schwegler, Stocker; Frei, Streller. - Abwesend: Benaglio, Senderos, Bunjaku (alle verletzt), Lichtsteiner (gesperrt).

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