Die Diskussion um ein mögliches Comeback von Kevin Kuranyi in der deutschen Nationalmannschaft ist derzeit das Thema in Fussball-Deutschland.

Soll Bundestrainer Joachim Löw dem 28-jährigen Top-Toschützen der Bundesliga verzeihen und ihn für die WM in Südafrika zurückholen? Kein Geringerer als Franz Beckenbauer macht sich öffentlich vehement für eine Begnadigung des Schalke-Stürmers stark und erhöht damit den Druck auf den Bundestrainer. "Wir wollen in Südafrika den vierten Weltmeister-Stern. Und dafür brauchen wir jeden Top-Spieler. Auch Kevin Kuranyi", schrieb Beckenbauer" in seiner Bild-Kolumne.

Nach den Saisontoren Nummer 16 und 17 des Schalkers am vergangenen Samstag beim 2:0 bei Bayer Leverkusen sieht sich Beckenbauer endgültig in seiner Meinung bestätigt, dass Kuranyi begnadigt werden sollte. "Es kann ja nicht sein, dass ich den besten Stürmer - und das ist der beste Stürmer - der das ganze Jahr über trifft, lebenslang sperre", sagte der Beckenbauer gegenüber dem Fernsehsender "Sky" und empfiehlt Löw, die Verbannung nach Kuranyis Flucht in der Pause des WM-Qualifikationsspiels am 18. Oktober 2008 in Dortmund gegen Russland aufzuheben.

Kuranyis bestechende Form und die seit Monaten schwachen Vorstellungen von Miroslav Klose und Lukas Podolski liefern zusätzliche Argumente für Kuranyi. Der Schalker liegt in der Torschützenliste mit 17 Toren weit vor den von Löw favorisierten WM-Stürmern Mario Gomez (10 Tore) und Cacau (8). Mithalten kann da derzeit nur der Leverkusener Stefan Kiessling (16), der jedoch derzeit verletzt ausfällt.

Experten erinnern an den "Fall Stefan Effenberg". Der Mittelfeldspieler war wegen seines "Stinkefingers" bei den WM 1994 in den USA von dem damaligen Bundestrainer Berti Vogts aus dem Nationalteam geworfen, aber vier Jahre später nach einer ausgiebigen Aussprache wieder nominiert worden. Zuvor hatte Vogts auch Lothar Matthäus nach in der Bild-Zeitung veröffentlichten Attacken gegen diverse Nationalspieler zunächst für zwei Jahre verbannt und dann vor der WM 1998 in Frankreich wieder ins Nationalteam zurückgeholt.

Der öffentliche Druck auf Löw wächst. Doch der Bundestrainer wie auch Nationalmannschaft-Manager Oliver Bierhoff hüllen sich weiter in Schweigen.

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