Heute bestreitet das Eishockey-Nationalteam in Olten (19.45 Uhr) das erste Länderspiel nach der 13-jährigen Ära Ralph Krueger.

Sean Simpson, der neue Headcoach, trichterte am Tag vor dem Spiel der Mannschaft die neue Organisation ein.

Daraus resultierte der happigste Trainingstag der Nati seit den Zeiten von Ruedi Killias (in den 70-er-Jahren) und Lasse Lilja (1982). Frühmorgens betätigten sich die Internationalen vorerst im Kraftraum; ab 11.30 Uhr folgte ein fast zweieinhalb-stündiges Eistraining, das nur von einer kurzen Eisreinigung unterbrochen wurde. "Ja, das war ein ungewöhnlich langes Training. Aber wir brauchen das", kommentierte der neue Chef, "wir müssen die Organisation finden für die Spiele. Denn in den Partien gegen Tschechien wollen wir gute Leistungen und eine gute Mannschaft präsentieren."

Mit dem Ergebnis der ersten zwei Arbeitstage als Schweizer Nationalcoach gab sich Sean Simpson zufrieden. Der erste Tag, der Ostermontag, sei noch etwas hektisch gewesen, weil nicht nur er, sondern auch viele Spieler (9) erstmals ins Nationalteam einrückten. "Aber am zweiten Tag lief schon fast alles optimal."

Auch Mathias Seger, der unter Ralph Krueger auf 233 Länderspiele kam (und in den nächsten Wochen voraussichtlich Ivo Rüthemann als Rekord-Internationaler ablösen wird), spürt die frische Brise um die Mannschaft. Seger kennt Simpson nach zwei Jahren als Klubtrainer in- und auswendig, "aber jetzt in der Nationalmannschaft wirkt er noch aufgestellter und noch motivierter als sonst schon."

Für Sean Simpson und das "neue" Schweizer Team liegt die Latte extrem hoch. Die Hoffnung, dass sich nach dem Abgang von Krueger ein personell noch stärkeres Team bilden lässt, zerschlug sich bereits vor dem ersten Zusammenzug. Es flatterten aus unterschiedlichen Gründen (meist Verletzungen) schon zehn Absagen ins Haus: Reto von Arx, Julien Sprunger, Sandy Jeannin, Hnat Domenichelli, Thierry Paterlini, Patrik Bärtschi, Adrian Wichser, Raffaele Sannitz, Beat Forster, Andrej Bykow. Alle waren in den letzten Jahren Fixstarter -- oder wären für die WM in Deutschland ein Thema gewesen. Aus dem Kreis der Playoff-Halbfinalisten (Bern, Genf-Servette, Zug, Kloten) und der Nordamerika-Söldner ist mit weiteren Absagen für die WM zu rechnen. Der einzige, der unter Krueger den Rücktritt erklärte und nun wieder zur Verfügung steht, ist Luganos Verteidiger Julien Vauclair.

Aber: zahlreiche Absagen für eine Weltmeisterschaft nach Olympischen Spielen stellt aus Schweizer Optik überhaupt nichts Neues dar. Ralph Krueger verpasste sowohl an der WM 2002 in Schweden (nach Olympia Salt Lake City) als auch an der WM 2006 in Riga (nach Olympia Turin) mit unerfahrenen Teams die WM-Viertelfinals. Und: "Diese Absagen schaffen Freiraum für neue Leute, die sich jetzt zeigen und präsentieren können" (Simpson).

In den Länderspielen gegen Tschechien in Olten (am Mittwoch) und Ambri-Piotta (Freitag) geben neun Debütanten ihren Einstand: Patrick Geering (ZSC), Robin Grossmann (Davos), Philippe Schelling (ZSC), Alain Berger (Oshawa/Ka), Adrian Brunner (Ambri), Corsin Casutt (Fribourg), Benny Plüss (Fribourg), Gregory Sciaroni (Davos) und Tristan Vauclair (Lugano). Insgesamt lud Simpson für diese Woche 17 Spieler ein, die in dieser Saison von Krueger kein Aufgebot erhalten hatten.

Auch Testgegner Tschechien testet diese Woche in der Schweiz neue Kräfte. Im Aufgebot von Josef Jandac stehen sechs Debütanten. Die routiniertesten Tschechen sind Petr Caslava (von Timra/Sd), Jan Marek (Metallurg Magnitogorsk/Russ) und Jaroslav Bednar (Nowgorod/Russ), die aber alle über weniger Länderspiel-Routine verfügen als im Schweizer Team Mathias Seger (233 Länderspiele), Julien Vauclair (146), Romano Lemm (119) oder Thibaut Monnet (91).

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