Sechs Runden vor Saisonschluss der Axpo Super League stellt sich im Rennen um den Meistertitel die Frage, bei welchem Team zuerst das Nervenflattern einsetzt. Die Young Boys müssen nach dem "Mini-Rückschlag" beweisen, dass es bei ihnen nicht soweit ist.

Das 1:2 bei den Grasshoppers war für das Team von Vladimir Petkovic der Warnschuss schlechthin. Eine zweite derart schwache Leistung - einige Beobachter sprachen nach dem Auftritt am Dienstag sogar von der schlechtesten der Saison - erträgt es im Kampf wohl kaum mehr. Zumal Verfolger Basel bis auf drei Punkte aufgeschlossen und erstmals seit einer gefühlten Ewigkeit (5. Runde Anfang August 2009) wieder die Chance hat, im Falle eines sonntäglichen Berner Fehltritts in Sitten zum ASL-Leader aufzuschliessen.

Der Fakt, dass Basel nun aus eigener Kraft Meister werden kann, sorgt im YB-Lager für zusätzlichen Druck. Petkovic hat, seit er das Amt im August 2008 von Martin Andermatt übernommen hat, noch nie zwei Spiele in Folge verloren. Ein Ende dieser "Serie" mit einer Niederlage käme also für die Young Boys zum schlechtest möglichen Zeitpunkt. Das Restprogramm spricht eher für Basel.

Selbst den Ausfall der drei absoluten Leistungsträger Alex Frei, Marco Streller und Franco Costanzo scheint Basel locker zu verkraften. "Wir nehmen das Schicksal hin und machen nicht ständig das grosse Verletzungspech geltend", sagte FCB-Captain Beni Huggel vor der Partie vom Sonntag gegen Luzern. "Auch der Trainer tut das und sendet damit ein gutes Signal an die Mannschaft."

Die einzigen beiden Teams, die sich in weniger "heissen" Regionen der Rangliste befinden und aus unterschiedlichen Gründen dem Endspurt gelassen entgegen blicken können, sind die Grasshoppers und Neuchâtel Xamax. GC hat eine Reserve von zehn Punkten auf Rang 5 und könnte mit einem Auswärtssieg den auf den zweiten Platz in der Europa-League-Qualifikation aspirierenden FC St. Gallen weiter distanzieren. Ein Punktgewinn der Zürcher wäre darum umso wertvoller, weil auf die weiteren Europacup-Kandidaten Luzern (4./in Basel) und Sion (6./gegen YB) noch schwierigere Aufgaben warten.

Für die Spieler des FC Aarau war das 1:0 gegen Xamax das Ende einer langen Durststrecke. Sieben Niederlagen in Folge hatten Spuren der Verunsicherung hinterlassen, entsprechend gross war die Erleichterung, entsprechend innig waren die Umarmungen nach Spielende. Besonders geherzt wurde Interimstrainer Ranko Jakovljevic, der auswärts gegen den FC Zürich zum drittletzten Mal auf der Bank Platz nehmen darf. Mit dem Spiel in Luzern am 2. Mai läuft die SFL-Ausnahmebewilligung des Bosniers ab, der nicht über die notwendigen Trainerdiplome verfügt. Bis dahin will ein Nachfolger gefunden sein. Allein bis am letzten Samstag seien 35 Bewerbungen bei Sportkoordinator Urs Bachmann eingegangen, hiess es.

Das Programm der 31. ASL-Runde. Samstag, 17.45 Uhr: Neuchâtel Xamax - Bellinzona, FC Zürich - Aarau. - Sonntag. 15.30 Uhr: Sion - Young Boys. 16 Uhr: Basel - Luzern, St. Gallen - Grasshoppers.

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