Pascal Zuberbühler wird den Europa-League-Final zwischen Fulham und Atletico Madrid am Mittwoch in Hamburg (20.45 Uhr) zwar nur von der Ersatzbank aus mitverfolgen.

Dennoch zählt das Spiel zu den Karriere-Highlights des ehemaligen Schweizer Nationalgoalies.

Sein offizieller Anteil an der erstmaligen Finalteilnahme des FC Fulham präsentiert sich in Zahlen ernüchternd. Zuberbühler, der am 8. Januar den 40. Geburtstag feiern kann, kam für das Londoner Überraschungsteam in allen bisherigen Europacup-Partien keine einzige Minute zum Einsatz. "Ich habe in der Tat intensiven Anteil an diesem Finaleinzug", lacht Zuberbühler, der sich über seinen 10. persönlichen Titelgewinn dennoch riesig freuen würde. "Es ist unglaublich, was der kleine Verein in dieser Saison geschafft hat. Die grossen Teams aus der Premier League sind allesamt vorher aus dem Europacup ausgeschieden."

Der Thurgauer geniesst trotz seiner Ersatzrolle allergrössten Respekt im Verein. Der 51-fache Schweizer Nationalspieler hat den meisten Teamkollegen punkto Erfahrung vieles voraus. Dies bringt er insbesondere vor internationalen Einsätzen in die Matchvorbereitung ein. Zudem agiert er seit längerem als rechte Hand von Goalie-Trainer Mike Kelly, mit dem er unter Roy Hodgson bereits in der Schweizer Nationalmannschaft zusammengearbeitet hatte.

Diese Tätigkeit könnte Zuberbühler demnächst zu einer Verlängerung seines Engagements in England verhelfen. "Wir führen schon länger Gespräche über einen neuen Vertrag. Sie möchten mich in den Staff einbinden", erzählt "Zubi", der auch als Einpeitscher fungiert und seinen Goaliekollegen Mark Schwarzer vor Spielbeginn heiss macht. Bei seiner Rückkehr in den St.-Jakob-Park letzten Dezember, als Fulham das letzte Gruppenspiel gegen Basel 3:2 gewann, stand Zuberbühler Minuten vor dem Anpiff noch auf dem Spielfeld und brachte Schwarzer mit Scharfschüssen und Flankenbällen zum Schwitzen.

"Er ist ein fantastischer Kerl", lobt Trainer Roy Hodgson seinen Ersatzgoalie und erhält das Lob postwendend zurück. "Was Roy mit Fulham erreicht hat, ist sensationell. Er wird wie ein König gefeiert hier in England." Ende 2007 hatte der frühere Erfolgscoach der Schweizer Nationalmannschaft den 131-jährigen Klub aus dem Londoner Süden in Abstiegsgefahr übernommen, ihn bald darauf vor der Relegation bewahrt und letzte Saison auf den 7. Platz sowie in die Europa League geführt. Für das Erreichen des Finals ist der bald 63-Jährige diese Woche von den Trainern und Managern der vier höchsten englischen Ligen zu Englands Coach des Jahres gewählt worden. Kein Wunder, wird Hodgson in Liverpool bereits als neuer Trainer gehandelt.

Die Europacup-Teilnahme war zunächst aber eher eine Belastung denn eine Belohnung für Geleistetes. "Für uns stand immer die Premier League im Vordergrund. Erst, als wir uns im gesicherten Mittelfeld festsetzen konnten, kam der Appetit", erzählt Zuberbühler. Dann zündeten die Londoner den Turbo: Titelverteidiger Schachtjor Donezk musste in der K.o.-Phase als erster daran glauben, dann kam Juventus Turin trotz einem 3:1-Heimsieg und einer 1:0-Führung im Craven Cottage noch 1:4 unter die Räder. Im Viertelfinal fand auch der deutsche Meister Wolfsburg keine Mittel gegen die Briten und im Halbfinal musste der Hamburger SV den Traum von der Finalteilnahme im eigenen Stadion nach einer 1:0-Führung in London doch noch begraben.

"Torhüter haben es bei Roy schön, sie erhalten jegliche Unterstützung", sagt "Zubi". Dem Verhindern von Gegentoren wird alles unterordnet. Alle Abläufe im Spielaufbau werden -- wie schon zwischen 1992 und 1995 mit dem Schweizer Nationalteam -- methodisch immer und immer wieder geübt. Einzig gegen den FC Basel, die AS Roma und Juventus Turin kassierte Fulham in den insgesamt 18 Europacupspielen mehr als ein Gegentor. Auch gegen Atletico Madrid wird es für Hodgson heute Abend vorerst darum gehen, lange kein Gegentor zu erhalten. Erst dann wird Hodgson das anstreben, was er 1997 mit Inter Mailand im UEFA-Cupfinal gegen Schalke 04 im Penaltyschiessen noch knapp verpasst hatte: Seinen ersten Triumph als Klubtrainer auf europäischer Bühne.

Gegner Atletico war in Europa schon erfolgreicher, doch das liegt lange zurück. 1962 wurde der bisher einzige Sieg im Europacup der Cupsieger realisiert. 1974 folgte gar der Triumph im Weltcup, nachdem Europacup-Finalgegner Bayern München auf eine Teilnahme verzichtet hatte. Der Klub, der stets im Schatten von Real Madrid leben muss, startete die Europacupsaison in der Champions League, strauchelte in den Gruppenspielen, fand aber dank Trainer Quique Sanchez Flores wieder auf die Beine. Galatasaray Istanbul, Sporting Lissabon, Valencia und im Halbfinal überraschend auch der FC Liverpool mussten in der Europa-League-Finalphase klein beigeben. Die gefährlichste Waffe der Spanier sind die beiden Topstürmer Sergio Agüero (Maradona-Schwiegersohn) und Diego Forlan.

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