Sein letztes Länderspieltor hatte er sich zum Abschied aus der deutschen Nationalmannschaft reserviert. Gerd Müller bescherte Deutschland 1974 mit dem 2:1-Siegestreffer im Final gegen Holland den zweiten WM-Titel.

43 Minuten waren gespielt im Münchner Olympiastadion, als Müller, von seinem einstigen Klubtrainer "Tschik" Cajkovski liebevoll nur "kleines dickes Müller" genannt, aufs holländische Tor schoss und Deutschland damit gegen den Erzrivalen 2:1 in Führung brachte. Johan Neeskens hatte für die Holländer damals bereits nach zwei Minuten nach einem Foul von Uli Hoeness an Superstar Johan Cruyff mit einem mitten ins Tor gehämmerten Foulpenalty das 1:0 erzielt. Paul Breitner glich nach 23 Minuten ebenfalls mit einem Foulpenalty aus.

Müllers Tor sollte bereits die Entscheidung in diesem aufwühlenden und legendären Duell gewesen sein. Und es war ein Treffer, wie nur er ihn erzielen konnte: Nach einer blitzschnellen Drehung auf engstem Raum drückte er überraschend ab und erzielte so das sicherlich wichtigste seiner fast unzähligen Tore. 68 waren es allein für das deutsche Nationalteam.

Der "Bomber der Nation" bescherte Deutschland 1974 den zweiten WM-Titel nach 1954. Und dies erst noch in seiner Wohnstube, dem Münchner Olympiastadion, wo er ansonsten für Bayern München in den Bundesliga-Heimspielen auf Torjagd ging.

398 Treffer erzielte er insgesamt für den deutschen Rekordmeister, sieben Mal wurde er Torschützenkönig in der Bundesliga, und er ist noch immer der erfolgreichste Stürmer in Deutschland. Müller, der nicht nur für seine Abstaubertore, sondern auch für sein beinahe blindes Zusammenspiel mit seinem Abwehrchef Franz Beckenbauer berühmt war, holte mit Klub und Nationalmannschaft jeden Titel, der zu gewinnen war und dürfte damit weltweit einer der erfolgreichsten Fussballer überhaupt gewesen sein.

Mit dem Finaltor beendete der inzwischen 65-jährige Münchner damals seine internationale Karriere. Es war auch der krönende Abschluss eines Turniers, das durch enorme Regenfälle in die WM-Geschichte eingegangen ist. Und es erlebte mit Holland einen tragischen Finalverlierer. Die Holländer spielten den erfolgreichsten und schönsten Fussball jener Endrunde und schafften es ungeschlagen und mit lediglich einem Gegentor in den ersten Final ihrer Geschichte.

Der herausragende Cruyff sowie seine Mitstreiter wie Jongbloed, Neeskens, Haan, Krol, Van Hanegem, Rep oder Rensenbrink entzauberten auf dem Weg in den Final Argentinien (4:0), das vier Jahre später Weltmeister wurde, und liessen danach auch Titelverteidiger Brasilien (2:0) keine Chance.

Erst Gerd Müller vermochte sich den holländischen Ballzauberern erfolgreich in den Weg zu stellen. In seiner unnachahmlichen Art und so, wie er es später bei seinem einzigen Versuch als Schlagersänger auf einer Schallplatte festhielt: "Und dann macht es bumm!"

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