Als letzte der 32 WM-Teilnehmer greifen die Schweiz und Spanien heute Mittwochnachmittag in Durban (16 Uhr) ins Turniergeschehen ein. Gegen den Europameister und heissen Titelanwärter gilt es, den Schaden in engen Grenzen zu halten.

Nach 25-tägiger Vorbereitung sowie zwei nur halbwegs geglückten Testpartien gegen Costa Rica (0:1) und Weltmeister Italien (1:1) gilt es für das Team von Nationalcoach Ottmar Hitzfeld in Südafrika endlich Ernst. Und wie schon bei der WM 2006 in Deutschland geht es gleich zum Auftakt gegen das weitaus stärkste Team der Gruppe. Damals traf die Mannschaft von Köbi Kuhn auf den späteren Finalisten Frankreich, der sich schliesslich in Berlin dem neuen Weltmeister Italien erst im Penaltyschiessen beugen musste.

Gleich bei ihrem ersten Auftritt in Südafrika stellt sich der Schweizer Nationalmannschaft die schwierigste aller möglicher Aufgaben. Spanien ist die erfolgreichste Mannschaft der Welt. Seit November 2006 hat die "Furia Roja" nur eine Niederlage kassiert. Am Confederations Cup 2009 endete die spanische Serie von 35 Spielen in Folge ohne Niederlage im Halbfinal in Rustenburg gegen die USA (0:2). Seither reihen die Iberer wieder Sieg an Sieg: In den letzten zwölf Monaten gewannen sie alle ihre zwölf Spiele und schossen dabei 40 Tore.Die Schweiz startete vor vier Jahren in Stuttgart mit einem 0:0 erfolgreich ins Turnier. Mit einem eher enttäuschenden 0:0 gegen Kroatien hatte für die Schweiz auch die EM 2004 in Portugal begonnen. Ein Unentschieden zum Auftakt erreichten Schweizer Teams zudem zuvor auch bei der EM 1996 in England (1:1 gegen den Gastgeber) und bei der WM 1994 in den USA (1:1, ebenfalls gegen den Gastgeber).

Ein Remis heute in Durban gegen das hochfavorisierte Spanien käme jedoch zweifellos einem Traumstart der Schweizer gleich. Erst dreimal in bisher 18 Versuchen ist dies gegen die Iberer gelungen. Bei WM-Endrunden setzte es jedoch -- wie in den 13 übrigen Duellen -- ausschliesslich Niederlagen ab. In Erinnerung bleibt vor allem das letzte Aufeinandertreffen 1994 in Washington, als das Team von Roy Hodgson in den Achtelfinals mit 0:3 aus dem Turnier ausschied.

Vieles deutet darauf hin, dass Hitzfeld auf eine 4-2-3-1-Strategie setzt und nur mit einer Sturmspitze (Blaise Nkufo) agieren wird. Mit einer Dreierkette hinter Nkufo will er versuchen, die Aktionen des genialen spanischen Mittelfeldes mit Xavi, Xabi Alonso, Sergio Busquets oder Andres Iniesta zu unterbinden. Für diese Aufgabe scheinen Gelson Fernandes und Tranquillo Barnetta auf den Aussenbahnen gesetzt, nachdem Valon Behrami nach seiner Muskelzerrung nicht rechtzeitig fit gebracht werden konnte.

Europameister Spanien ist sich seiner Favoritenrolle an diesem Turnier bewusst. "Wir haben vielleicht das talentierteste Team unserer Geschichte, nun wollen wir die Früchte der jahrelangen Arbeit ernten", sagte Captain Iker Casillas 24 Stunden vor dem Spiel gegen die Schweiz. Vor sechs, sieben Jahren habe der Aufbau dieser Mannschaft begonnen. "Wir sind wie eine Familie, die sehr viel Zeit miteinander verbracht hat", so der 29-Jährige.

Nach dem EM-Titel vor zwei Jahren soll nun in Südafrika auch die weltweite Krönung folgen. Casillas ist sich der Schwierigkeit der Aufgabe in den nächsten Wochen allerdings bewusst: "Es ist okay, wenn wir als Favorit gehandelt werden. Wir habe eine gute Qualifikation gespielt und sind Europameister. Aber dies ist ein neues Turnier. Wir haben noch keine Minute gespielt und noch nichts erreicht." Der Real-Hüter, der seit mittlerweile zehn Jahren das Tor der Nationalmannschaft hütet, kennt die spanische Geschichte. Schon oft waren die Iberer als Favorit an ein Turnier gereist, ebenso oft weinten sie am Ende bittere Tränen. Als bestes Ergebnis resultierte 1950 in Brasilien ein 4. Rang, seither endete der spanische Traum vom Titel jeweils spätestens in den Viertelfinals.

Auch Casillas hat bereits zweimal am eigenen Leib erfahren müssen, wie er und sein Team vorzeitig gescheitert sind. Deshalb warnt er vor Arroganz und Überheblichkeit. Der SFV-Auswahl begegnet der Keeper mit Vorsicht. "Die Schweiz wird uns das Leben sehr schwer machen. Sie kann gegen jeden Gegner bestehen." Bei ihren Videoanalysen erkannten die Spanier die Standardsituationen als Schweizer Stärke. "Und sie verfügen über Spieler, die ein Spiel jederzeit entscheiden können", so Casillas.

Besonderen Respekt haben die Spanier auch vor Trainer Ottmar Hitzfeld. Die grossen Erfolge des Deutschen in der Champions League mit Borussia Dortmund und Bayern München haben in Spanien ihre Spuren hinterlassen. Vor allem Vicente Del Bosque kennt Hitzfeld bestens. Zwischen 2000 und 2002 lieferten sich die beiden als Trainer von Bayern München und Real Madrid mehrere hochkarätige Duelle in der Champions League, wobei Hitzfeld sechs der acht Partien mit den Bayern für sich entschied. Seit 2008 ist Del Bosque nun verantwortlich für die "Seleccion", die seit der EM 2000 in Holland und Belgien (0:1 gegen Norwegen) alle ihre Startspiele an grossen Turnieren für sich entschieden hat. Mit David Villa, dem EM-Torschützenkönig von 2008, steht gegen die Schweiz aller Voraussicht nach nur ein Stürmer in der Startaufstellung. Im Fünfer-Mittelfeld sind Xavi Hernandez und Xabi Alonso die Taktgeber im Zentrum, unterstützt werden sie in der Defensive von Sergio Busquets. Auf der Seite werden David Silva und Andres Iniesta, dessen Einsatz aufgrund einer Oberschenkelverletzung fraglich ist, für Unruhe sorgen.

In der Offensive hat der Nachfolger von Luis Aragones die Qual der Wahl. Del Bosque kann sich den Luxus leisten, zumindest zu Beginn der Partie auf Fernando Torres zu verzichten. "El Niño", der vor zwei Jahren in Wien Spanien zum EM-Titel geschossen hat, ist nach seiner Verletzung noch nicht in Topform. Der Liverpool-Stürmer soll erst im Laufe des Turniers in die Startformation der "Seleccion" rücken.

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