In der Gruppe G sind die Positionen schon vor dem letzten Spieltag bezogen.

Portugal und Brasilien machen ab 16.00 Uhr in Durban den Gruppensieger aus, derweil in Nelspruit die Elfenbeinküste gegen Nordkorea (wohl vergeblich) auf deutlich mehr als eine Handvoll Tore hofft.

Nach der Gruppenauslosung im Dezember war man sich sicher: Die Poule mit Brasilien, Portugal und der Elfenbeinküste ist der Hammer schlechthin. Doch nun verkommt die dritte Runde der Gruppe G bereits zum Schaulaufen. Bei Portugal - Brasilien geht es zwar noch um den Gruppensieg, doch was der an Wert hat, wissen die beiden Teams erst viereinhalb Stunden später. Erst dann ist klar, ob Spanien, Chile oder die Schweiz Gegner in den Achtelfinals ist.

Brasiliens Abwehr-Haudegen Lucio sieht es pragmatisch: "An einer WM kann man sich seine Gegner nicht aussuchen. Wenn wir auf den Platz gehen, wollen wir gewinnen." Der Verteidiger gelangt gegen Portugal bereits zu seinem 15. WM-Spiel, womit er den grossen Pele übertreffen wird. Die brasilianische Rekordmarke von Cafu, die bei 20 WM-Einsätzen steht, kann der 32-Jährige allerdings auch dann nicht erreichen, sollte Brasilien in den Final vorstossen.

Eine Partie gegen Portugal ist für die Seleção immer von Bedeutung, wie Trainer Dunga unterstreicht: "Das ist wie Brasilien A gegen Brasilien B." Viele Brasilianer wählen auf dem Weg zu ihrem Traum vom Profi-Fussball in Europa Portugal als erste Anlaufstelle, zumal dort die Sprachbarriere wegfällt. So taten dies auch die drei Braslianer, die heute in Porugals WM-Kader stehen. Deco hatte als 19-Jähriger zum Erstligisten Alverca gewechselt, Pepe kam mit 18 zu Maritimo Funchal, Liedson sogar erst mit 25 zu Sporting Lissabon. Sie alle wurden eingebürgert.

Auch aus fussballhistorischer Sicht wird die Partie etwas Besonderes sein. 1966 in England flog der damalige Titelverteiger Brasilien wegen einer 1:3-Niederlage gegen das Team um Eusebio aus dem Turnier. Es war bis heute die einzige WM-Begegnung der beiden Teams. Im November 2008 standen sich Brasilien und Portugal in einem Testspiel gegenüber. Brasilien gewann 6:2, was einem Wendepunkt für Trainer Dunga gleichkam. Seither hat seine Equipe von 22 Spielen nur noch eines verloren.

Zum Duell der beiden Stars von Real Madrid kommt es dagegen nicht. Brasiliens Kaka muss nach seiner (ungerechtfertigten) Gelb-Roten-Karte aus dem Spiel gegen die Elfenbeinküste zuschauen, wenn Portugals Cristiano Ronaldo, dem beim 7:0 gegen Nordkorea sein erster Länderspieltreffer seit 16 Monaten gelang, auf Torjagd geht. Pausieren wird bei Brasilien zudem der an Schienbein und Wade lädierte zweifache WM-Torschütze Elano. Bei Portugal fehlt möglicherweise Spielmacher Deco, der wegen seiner Oberschenkelverletzung schon gegen Nordkorea nicht hat mitmachen können.

In Nelspruit kann es sowohl für die Elfenbeinküste als auch für Nordkorea nur noch darum gehen, die WM zu einem versöhnlichen Ende zu bringen. Die Afrikaner, die schon an der WM 2006 in eine schwere Gruppe eingeteilt waren und damals an Argentinien und Holland scheiterten, können wohl nicht einmal mehr aus der Theorie Hoffnung schöpfen. Sie könnten zwar nach Punkten noch mit Portugal gleichziehen, aber die Tordifferenz lässt sich nur noch mit einem Wunder aufholen. Portugal steht bei 7:0, die Elfenbeinküste bei 1:3.

Zudem ist damit zu rechnen, dass die Nordkoreaner mit einer ähnlich defensiven Mannschaft zu Werke gehen wie beim ehrenvollen 1:2 gegen Brasilien. Und in physischer Hinsicht werden sie wohl anders auftreten als beim 0:7 gegen Portugal. In jenem Spiel beging Nordkorea nur drei Fouls -- bisheriger Fairness-Rekord in Südafrika. Im Land des "geliebten Führers" Kim Jon-Il goutierte man dies nicht. Der Fernseh-Reporter stellte nach dem 0:4 seine Arbeit ein und schwieg fortan, die Nachrichtenagentur verzichtete auf jegliche Berichterstattung.

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