Während die Schweiz gegen Honduras in Bloemfontein um den Achtelfinal-Einzug kämpft, bestreiten zur selben Zeit Chile und Spanien in Pretoria den "Final" in der Gruppe H.

Gewinnt die "Seleccion" nicht, droht ihr das erste Vorrunden-Out an einer WM seit zwölf Jahren. Der Druck, der auf dem Team von Vicente Del Bosque lastet, ist immens. Das Gerüst der Europameister-Mannschaft von 2008 steht im Zenit ihres Schaffens. Die Stars Xavi, Iniesta, Villa und Torres, die vor zwei Jahren Europa mit ihrem atemberaubenden "Tiqui-Taca" verzaubert hatten, sind im besten Fussball-Alter. Für sie gilt: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Zu Beginn der WM waren die Spanier bei den Wettbüros zusammen mit Brasilien als Titelkandidat Nummer 1 gehandelt worden. Die Iberer schienen "Invictus", hatten sie doch seit November 2006 von 48 Spielen nur noch eine Partie verloren. Das Verlierer-Image, das den Iberern lange Zeit angehaftet hat, sollte endlich auch an einer globalen Endrunde abgestreift werden.

14 tapfere Schweizer zeigten aber gleich zu Beginn des Turniers die Schwäche der "Seleccion" schonungslos auf: die mangelnde Effizienz. Auch gegen Honduras vergaben die Iberer Grosschancen en masse. "Wenn wir scheitern, scheitern wir mit unserem Stil", sagte Fernando Torres bereits vor dem 2:0 gegen die Zentralamerikaner. Spielmacher Xavi bezeichnete sich in einem Interview mit der FIFA als "Fussballromantiker". "Ich spiele immer nach vorne, das ist meine Philosophie", so der 30-jährige Katalane.

Genau diese Romantik könnte den Spaniern nun zum Verhängnis werden. Selten entpuppte sich in der jüngeren Vergangenheit der attraktivste Fussball an einer Weltmeisterschaft auch als der erfolgreichste. Leistet sich die "Seleccion" einen zweiten Ausrutscher, scheidet sie bei ihrer 13. WM-Teilnahme zum vierten Mal bereits in der Vorrunde aus.

Zumindest personell kann Vicente Del Bosque gegen Chile aus dem Vollen schöpfen. David Villa, Doppeltorschütze gegen Honduras, wurde für seine nicht geahndete Tätlichkeit gegen Emilio Izaguirre von der FIFA nachträglich nicht bestraft. Andres Iniesta ist wieder genesen und kehrt in die Startformation zurück.

Auch die Statistik gibt den Spaniern Anlass zur Hoffnung. Seit 1986 haben sie alle ihre letzten Vorrundenspiele an einer WM gewonnen. In bisher sieben Partien gegen Chile gingen die Iberer nie als Verlierer vom Platz. Das letzte Aufeinandertreffen 2008 gewann Spanien diskussionslos 3:0. Das bisher einzige Duell an einer WM-Endrunde entschied die "Furia Roja" 1950 mit 2:0 ebenfalls für sich.

Den Chilenen, die auf die gesperrten Carlos Carmona und Matias Fernandez verzichten müssen, reicht gegen Spanien bereits ein Unentschieden, um erstmals in der Geschichte eine WM-Vorrunde als Gruppenerster abzuschliessen, bei einer Niederlage droht ihnen jedoch möglicherweise auch das Ausscheiden. Bei ihren zwei Siegen gegen Honduras und die Schweiz knüpften die Südamerikaner nahtlos an die starken Leistungen der WM-Qualifikation an. "Wir trainieren nicht, um unentschieden zu spielen", sagte Captain Claudio Bravo. Chile werde auch gegen Spanien offensiv agieren. Allerdings wird das Team des cleveren Marcelo Bielsa den Spaniern kaum ins offene Messer laufen.

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