Spanien und Portugal, die Nachbarn auf der iberischen Halbinsel, ermitteln heute Dienstagabend ab 20.30 Uhr in Kapstadt den letzten Achtelfinalisten der Endrunde in Südafrika.

Erstaunlich: an einer WM gab es dieses Duell noch nie. 32 Länderspiele haben die beiden Nationen bisher gegeneinander bestritten, 26 davon auf freundschaftlicher Basis. Selbst in der WM-Qualifikation gab es die Paarung erst vier Mal, letztmals vor 60 Jahren. Spanier und Portugiesen gingen sich bisher fast immer aus dem Weg, doch heute wird das nicht mehr möglich sein. Europameister Spanien trifft dabei auf einen Widersacher, der als einzige Mannschaft der WM noch kein Gegentor kassiert hat. Die Portugiesen erreichten in der Vorrunde gegen Brasilien und die Elfenbeinküste ein 0:0, Nordkorea fertigten sie 7:0 ab.

Portugals Keeper Eduardo hielt 270 Minuten lang seinen Kasten rein, insgesamt kommt er auf 701 Minuten, was Landesrekord darstellt. Anfang September kassierte Eduardo seinen letzten Gegentreffer, seit 19 Spielen hat er mit seiner Equipe nicht mehr verloren. Jetzt folgt gegen die vielleicht offensivstärkste Equipe die ganz grosse Probe. Nun muss sich der Torhüter von Braga gegen den bisher dreifachen Torschützen David Villa bewähren.

In Portugal ruhen die Hoffnungen natürlich immer auf Cristiano Ronaldo, ihrem Star schlechthin, der jedoch im Nationaltrikot noch nicht annähernd so auftrumpfen konnte wie in seinen Vereinen. Der schnelle Ballkünstler hat an dieser WM erst einen Treffer erzielt. Viele werfen ihm in seiner Heimat mangelnden Einsatz vor, wenn er für Portugal spielt.

In der Vorrunde konnte dieser Vorwurf nur bedingt gelten. Cristiano Ronaldo ging dahin, wo es wehtut. Er wurde schon zehn Mal gefoult, mehr als jeder andere Spieler an dieser WM. Nun trifft er ausgerechnet auf Spanier, die völlig unbelastet zu Werke gehen können. Als einziges Team kassierten die Spanier bisher noch keine einzige Verwarnung.

Bei den Portugiesen dagegen droht gleich sieben Akteuren (inklusive Ronaldo) bei einer weiteren Gelben Karte eine Sperre. Gerard Piqué soll sich der Aufgabe annehmen, Cristiano Ronaldo zu stoppen. Im Verein tat er dies bisher immer mit Erfolg. Wenn Piqué mit seinem FC Barcelona gegen Ronaldo antrat, gelang dem Portugiesen nie ein Tor, egal ob im Final der Champions League mit Manchester United oder in der Meisterschaft mit Real Madrid.

Verzichten müssen die Spanier möglicherweise auf Xabi Alonso, dem eine Verletzung am Knöchel zu schaffen macht. Im Lager der Portugiesen ist noch unklar, ob der zuletzt angeschlagene Deco wieder für Tiago ins Team rückt. Carlos Queiroz, der vor sieben Jahren bei Real Madrid als unmittelbarer Nachfolger von Spaniens aktuellem Nationalcoach Vicente Del Bosque den Trainerposten übernahm, steht diesbezüglich vor einem "schwierigen Entscheid". Das Wichtigste sei aber "die Qualifikation für die Viertelfinals". Dort stand Portugal erst zweimal: 1966 in England, wo man letztlich Platz 3 belegte, und vor vier Jahren in Deutschland, als der 4. Schlussrang resultierte.

Für Spanien, das mit der sensationellen 0:1-Niederlage gegen die Schweiz zur WM gestartet war, wäre ein Ausscheiden besonders bitter. Mit der besten Mannschaft aller Zeiten soll endlich der erste WM-Titel her. Wann, wenn nicht jetzt, sagt man sich in Spanien. Noch immer ist der 4. Platz, errungen vor inzwischen 60 Jahren, Spaniens beste Klassierung an einer WM.

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