Frankreichs neuer Star Christophe Lemaitre gewann in Barcelona als siebenter Sprinter in der Geschichte der Europameisterschaften das Double über 100 und 200 m.

Zwei Tage nach seinem 100-m-Triumph (in 10,11 Sekunden) siegte der 20-Jährige dank einem starkem Finish in 20,37 Sekunden an den 20. kontinentalen Titelkämpfen auch über die halbe Bahnrunde. Am Sonntag könnte er mit Frankreichs 4x100-m-Staffel noch einen dritten Titel gewinnen; seine sechs Vorgänger hatte dies nicht geschafft. Lemaitre bewies, dass die Leichtathletik auch von Duellen lebt und die Dramatik im Sprint nicht bloss vom Kampf gegen den Uhrzeiger abhängt. Der Franzose kam von weit hinten und verdrängte den Briten Christian Malcolm noch um einen Hundertstel auf den Silberrang. Lemaitre tritt die Nachfolge von Francis Obikwelu (Por) an, der in Gotebörg 2006 zum Double gespurtet war.

Die Franzosen erleben in Barcelona goldene Tage und etablieren sich wieder als europäische Leichtathletik-Grossmacht. Lemaitres Landsmann Yohann Diniz hatte am Morgen der Siegesserie der russischen Geher mit einem beeindrucken Soloerfolg über 50 km ein Ende gesetzt.

Ein anderer Franzose sorgte neben der Bahn für Aufsehen. Wutentbrannt und unter Pfiffen des Publikums verliess Hürdensprinter Ladji Doucouré die Bahn nach seinem Halbfinallauf. Der Weltmeister 2005 und sein spanischer Couloir-Nachbar Jackson Quinonez schieden nach einer Berührung beide mit schwachen Zeiten aus und lieferten sich ein wüstes Wortgefecht. Allerdings hätte keiner der beiden eine Stunde später in dem Kampf um die Medaillen eingreifen können. Der Brite Andy Turner gewann in 13,28 Sekunden.

Arturo Casado verwandelte das Olympiastadion auf dem Montjuic erstmals in einen Hexenkessel. Im 1500-m-Lauf bewies er das beste Stehvermögen, siegte souverän und wurde frenetisch gefeiert. Hinter Casados Rücken vermasselte der Deutsche Carsten Schlangen den totalen spanischen Triumph, indem er sich noch vor Manuel Olmedo und Reyes Estevez schob.

Im 400-m-Final der Männer wusste das Publikum bloss, dass einer der Borlée-Brüder gewonnen hatte. Die Zwillinge aus Belgien sehen sich zum verwechseln ähnlich. Die Anzeigetafel blendete Kevin als Sieger ein. Ähnlich wie Lemaitre zündete er auf der Zielgeraden den Turbo und überholte unter anderen seinen Bruder Jonathan.

Die Russinnen demonstrierten am vierten Wettkampftag ihre Übermacht und scheffelten fünfmal Gold. Den Anfang machte Julia Sarudnewa. Sie schnappte im Steelpelauf der spanischen Favoritin Marta Dominguez (9:17,74 Minuten) die ersehnte Goldmedaille weg. Über 400 m kamen die Osteuropäerinnen, angeführt von Tatjana Firowa (49,89), zum zweiten Sweep. Bereits im 20 km Gehen hatten sich die Osteuropäerinnen den kompletten Medaillensatz umhängen lassen. Auf der langen Hürdenstrecke verbesserte Natalja Antjuch ihre Bestzeit um 1,08 Sekunden und lief unter 53 Sekunden ein und im 800-m-Lauf blieb Maria Sawinowa unangetastet.

Die Nachfolge von Glamour-Girl Jelena Isinbajewa trat Swetlana Feofanowa an. Sie nutzte die schöpferische Pause der Stabqueen für ihren ersten grossen Titel seit den WM 2003 in Paris. Mit 4,75 m distanzierte sie das höhengleiche deutsche Duo Silke Spiegelburg und Lisa Ryzih um zehn Zentimeter.

Dank Hammerwerferin Betty Heidler (76,38 m) kam neben Russland, Frankreich und Grossbritannien mit Deutschlandland auch die vierte Grossnation zu Gold. Heidler verhinderte mit dem Triumph über Tatjana Lisenko, dass die Russinnen alle sechs Frauenentscheidung des vierten Abends für sich entschieden.

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