Genau einen Monat nach dem WM-Final in Johannesburg zwischen Spanien und Holland steht der erste Länderspieltermin der neuen Saison an.

Unterschiedlicher hätte das Turnier am Kap der Guten Hoffnung für die "Grossen" des Weltfussballs nicht verlaufen können. Während Spanien, Holland und Deutschland die WM-Kampagne als Erfolg verbuchen konnten, sind in Argentinien, Brasilien, England, Frankreich und Italien noch nicht alle Wunden des in Südafrika erlittenen Debakels verheilt.

Vor allem bei den WM-Verlierern blieb kaum ein Stein auf dem andern. Einzig Englands Coach Fabio Capello durfte seinen Job behalten. "Wenn du verloren hast, willst du es sofort wieder gutmachen", so der Italiener, der trotz des Scheiterns im WM-Achtelfinal gegen Deutschland (1:4) Angebote von drei europäischen Top-Klubs erhalten haben soll.

Die erste Chance zur Wiedergutmachung bietet sich dem ersten Schweizer Gegner in der EM-Qualifikation (am 7. September in Basel) heute im Wembley. Für die Partie gegen Ungarn berief Capello nur zehn WM-Teilnehmer in sein Kader. Er nominierte erstmals die beiden Arsenal-Spieler Jack Wilshere (18) und Kieran Gibbs (20), und auch Bobby Zamora, der 29-jährige Stürmer des Europa-League-Finalisten Fulham, kommt zu seinem Debüt im Dress der "Three Lions". Erstmals von Beginn an im Tor stehen wird Joe Hart. "Das Tragen des englischen Trikots verändert einiges. Der Druck ist sehr gross. Ich will wissen, wie die Spieler darauf reagieren", sagte Capello.

Beim Neuaufbau der Mannschaft im Hinblick auf die EM 2012 in Polen und der Ukraine musste Capello allerdings bereits den ersten Rückschlag hinnehmen. Sowohl Torhüter Paul Robinson als auch Verteidiger Wes Brown leisteten dem Aufgebot keine Folge und gaben ihren Rücktritt aus der Nationalmannschaft bekannt.

Während sich in England die Wogen nach dem frühen Aus zumindest teilweise geglättet haben, steht Frankreich mitten in der Aufarbeitung des "Waterloos" von Südafrika. Als Folge des debakulösen Endes der Ära Domenech bot dessen Nachfolger Laurent Blanc für das erste Spiel unter seiner Ägide in Oslo gegen Norwegen keinen der 23 WM-Teilnehmer auf und strafte die Spieler damit für ihren respektlosen und peinlichen Auftritt in Südafrika ab.

Blanc, der 13 mögliche Debütanten nominierte, blickte bei seinem ersten Zusammenzug nach vorne: "Mich interessiert einzig und allein das Spiel in Norwegen und danach die ersten Qualifikationsspiele gegen Weissrussland und Bosnien." Er freue sich wie ein Kind vor Weihnachten, bekannte der 44-Jährige, der in Clairefontaine von den Medien und den Fans wohlwollend empfangen wurde.

In Deutschland interessiert weniger das heutige Länderspiel in Kopenhagen gegen Dänemark, sondern mehr die Frage nach dem zukünftigen Captain. Der während der WM verletzte Michael Ballack stellte nach seinem Wechsel von Chelsea zu Leverkusen unmissverständlich klar, dass noch immer er der "Capitano" sei. "Das ist kein Wunschkonzert, es gibt Hierarchien", so der 33-Jährige, der das Amt nach der EM in Portugal 2004 von Oliver Kahn geerbt hatte. Ersatz-Captain Philipp Lahm tönte vor dem verlorenen WM-Halbfinal gegen Spanien an, dass er die Position nicht freiwillig abtreten werde.

Nun hat sich vor dem Spiel in Kopenhagen auch Joachim Löw zu dem Thema geäussert. "Wichtig ist erst einmal, mit den Beteiligten ernsthafte und seriöse Gespräche zu führen", so der Bundestrainer. Er werde "in aller Ruhe" die Situation analysieren und bis Anfang September entscheiden. Im Parken-Stadion verzichtet Löw auf den Grossteil der WM-Stars, die in Südafrika mit teilweise begeisterndem Fussball bis auf Platz 3 gestürmt waren. Mit Torhüter Manuel Neuer, der Tim Wiese den Vortritt lassen muss, und Verteidiger Jérome Boateng sind nur zwei Stammspieler der WM in Dänemark dabei. Die Rolle des Captains übernimmt Rückkehrer Thomas Hitzlsperger.

Wie Deutschland wird auch WM-Finalist Holland auswärts in Donezk gegen die Ukraine mit einem B-Team antreten. Als einziger WM-Teilnehmer figuriert Ersatztorhüter Michel Vorm im Kader von Coach Bert van Marwijk, der seinen Stars eine Pause gewährt. Den ersten Ernstkampf bestreiten die Holländer am 3. September gegen San Marino.

Eine andere Strategie fährt Weltmeister Spanien. Vicente Del Bosque bot für das Gastspiel in Mexiko mit Ausnahme von Final-Torschütze Anders Iniesta alle seine Stars, die teilweise direkt aus dem Urlaub nach Mexiko City reisten, auf und sorgte damit für Ärger bei den heimischen Klub-Verantwortlichen. "Ein Weltmeister ist zu solchen Partien verpflichtet. Die Spieler sollten das als Ehre verstehen", begründete Del Bosque seinen Entscheid.

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