Wie kann sich Greg Norman mit 55 Jahren gegen die aufstrebenden jungen Golfprofis behaupten? Diese und andere Fragen werden ab heute in Crans-Montana beantwortet.

Am European Masters auf dem Walliser Hochplateau wird das Rad der Zeit in dieser Woche zurückgedreht. 1995: Die grossartige Karriere von Greg Norman stand in der Blüte; der Australier war Leader in der Weltrangliste, die er vor der Ära von Tiger Woods während insgesamt 331 Wochen anführte. Alle warteten (vergeblich, wie wir heute wissen) darauf, dass der "Weisse Hai" noch mehr Majorturniere gewinnen würde als "nur" zweimal das British Open (1986, 1993). In jenem Jahr 1995 siegte er dreimal auf der US PGA Tour. Norman trat mit höchsten Erwartungen im Wallis an, spielte aber ungewohnt schwach und schied nach zwei Runden aus. Er versprach, sobald als möglich zurückzukehren und die Scharte auszuwetzen. Mit reichlich Verspätung löst er jetzt sein Versprechen ein.

In dieser Woche trifft Norman am European Masters auf den aktuellen British-Open-Champion Louis Oosthuizen. Der 27-jährige Südafrikaner, ein Zögling des Superstars und Förderers Ernie Els, verblüffte Mitte Juli die Fachwelt mit seinem totalen Triumph (sieben und mehr Schläge Vorsprung!) am ältesten Turnier der Welt. Nebst Norman und Oosthuizen sind noch zwei weitere British-Open-Sieger am Start: der Amerikaner Todd Hamilton (2004) und der Schotte Paul Lawrie, der 1999 vom unvergesslichen Debakel des Franzosen Jean van de Velde am letzten Loch (Triple-Bogey) profitierte. Ein weiterer Majorturnier-Gewinner in Crans ist Michael Campbell (US Open 2005). Der hochbegabte Neuseeländer ist jedoch seit Jahren weit von seiner einstigen Spielstärke entfernt und verpasst sehr oft den Cut für die Finalrunden.

Im 156-köpfigen Feld des European Masters in Crans-Montana starten vier Schweizer Golfprofis. Die grössten Hoffnungen trägt Julien Clément (29). Der Genfer glänzte 2008 mit dem sensationellen 3. Platz, der besten Leistung eines Schweizers in der Geschichte des Traditionsturniers. Vor einem Jahr legte er mit dem 14. Platz nach.

Nach einer schwachen ersten Saisonhälfte fand Clément Mitte Juli den Tritt, als er an der Credit Suisse Challenge in Hildisrieden LU Vierter wurde. Dank diesem Ergebnis hat er noch gute Aussichten, über die Challenge Tour, die zweite Stufe im europäischen Golfsport, den Aufstieg in die grosse Europa-PGA-Tour zu realisieren.

Das European Masters seinerseits bietet eine einmalige Chance: Der Sieger erhält für die nächsten zwei Jahre das automatische Startrecht auf der Europa-Tour. Sollte er diesmal den grossen Coup landen, würde Clément nach sechs Jahren in den höchsten Circuit zurückkehren. Diese Chance haben auch die weiteren Schweizer André Bossert, Fredrik Svanberg und Jann Schmid. Der bereits 46-jährige Zürcher Bossert wurde am Wochenende am Challenge-Tour-Event in Cardiff (Wales) guter Siebter.

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