Die nächste Station auf Lausanne-Sports unerwarteter Europa-Expedition heisst Palermo.

Der aktuelle Zweite der Challenge League gilt wie vor zwei Wochen im Heimspiel gegen ZSKA Moskau als krasser Aussenseiter. Damals verloren die Waadtländer nach tapferer Gegenwehr 0:3. Die Europa-League-Aufgabe in Siziliens Hauptstadt stuft Lausannes Trainer Martin Rueda als noch schwieriger ein: "Ich habe vier Partien von Palermo gesehen. Diese Mannschaft ist dynamischer und spielerisch stärker als ZSKA. Die Offensive ist hochkarätig besetzt. Schon ein Unentschieden wäre sicher ein grosser Erfolg für uns."

Trotz der diffizilen Ausgangslage mag Rueda nicht an eine defensive Taktik denken. Er verlangt von seinen Mannen, dass sie agieren statt abwarten. Eine Réduit-Strategie würde nicht ihrer Mentalität entsprechen, meint Rueda. Man wolle das Geschehen mitbestimmen.

Die Lausanner sind durch die Pleite gegen ZSKA nicht aus der Bahn geworfen worden. Am Samstag gewannen sie das prestigeträchtige Léman-Derby beim Erzrivalen Servette Genf mit 2:1 -- dank einer Doublette von Jocelyn Roux. Rueda schätzt an seiner Equipe, dass sie fähig ist, auf Rückschläge zu reagieren. "Natürlich macht sich mit der Mehrfach-Belastung eine gewisse Müdigkeit bemerkbar", so der Alt-Internationale, "aber wir lassen uns nicht runterziehen. Wir sind gefestigt. Das ist eine Frage der Einstellung und des Willens."

In Palermo muss Rueda auf vier Spieler verzichten. Vullnet Basha, Nelson Borges, Baptiste Buntschu und Youssouf Traoré sind verletzt. Um die personellen Probleme zu lindern, hat Lausanne Bigambo Rochat zurückgeholt. Der dunkelhäutige Schweizer Nachwuchs-Internationale soll das Vakuum auf der rechten Abwehr-Position beheben. Rochat wurde Anfang des Monats vom FC Sion wegen Disziplinlosigkeiten freigestellt. Er hatte einst der Junioren-Abteilung des Ligue-1-Klubs Lille angehört. Nach Turbulenzen möchte er die Karriere bei seinem Ausbildungs-Verein neu lancieren. Diesen Weg haben auch schon Basha und Alexandre Pasche eingeschlagen.

Die Unione Sportiva Città di Palermo hatte zum Auftakt der Europa-League-Gruppenphase ebenfalls eine Niederlage kassiert. Die Süditaliener unterlagen bei Sparta Prag 2:3. Heute im Renzo-Barbera-Stadion (Anpfiff um 21.05 Uhr) stehen also beide Teams unter Zugzwang.

In der Serie A ist Palermo trotz eines erstaunlichen 3:1-Auswärtssieges gegen Juventus Turin mit lediglich fünf Punkten aus ebensovielen Partien nur an 14. Stelle klassiert. Die Abgänge der WM-Teilnehmer Simon Kjaer, Edinson Cavani und Mark Bresciano wiegen schwer. Den dänischen Innenverteidiger zog es nach Wolfsburg. Die anderen beiden wechselten zu Liga-Konkurrenten; der uruguayische Stürmer Cavani zu Napoli, der australische Mittelfeldspieler Bresciano zu Lazio.

Unter den Neuverpflichtungen findet sich der Name Pajtim Kasami. Der Schweizer U17-Weltmeister hat sich bei der US gut integriert - im Gegensatz zum Walliser Michel Morganella, der seine Chance nicht wahrnehmen konnte und momentan an das zweitklassige Novara ausgeliehen ist. Vereinzelt figurierte Kasami gar in der Startformation.

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