Die Young Boys wollen im zweiten Auftritt in der Gruppe H der Europa League einen weiteren wilden Ritt verhindern.

Gegen Getafe ist ein Sieg gefordert, um das europäische Ziel (Gruppenrang 2) nicht vorzeitig aus den Augen zu verlieren. "Wenn wir in der Europa League noch ein Wörtchen mitreden wollen, müssen wir unsere Heimspiele gewinnen", sagte Moreno Costanzo bestimmt. Gegen Getafe, das erstmals auf einen Schweizer Klub treffen wird, ist für die Young Boys Wiedergutmachung angesagt. Für den bislang einzigen schlechten Auftritt der Saison auf internationalem Niveau haben die Young Boys vor zwei Wochen in Stuttgart (0:3) "teuer bezahlt", wie es Trainer Vladimir Petkovic umschrieb. Der ängstliche und letztlich gründlich misslungene Auftakt ist mittlerweile aufgearbeitet.

Noch keine Lösung haben die Young Boys aber gefunden, um die Achterbahnfahrt zu stoppen, auf der sie seit Saisonstart heftig durchgeschüttelt werden. Ilja Kaenzig hielt sich seit seiner Berufung zum faktischen YB-Chef vor 60 Tagen mit bissigen Kommentaren bislang vornehm zurück. Die unkonstanten Leistungen der Young Boys, die zu viel Kraft und Substanz kosten würden, führten nun aber dazu, dass der CEO in einem Gespräch mit der "Berner Zeitung" einen schärferen Ton anschlug. "Wir sind in einer Art Krise", sagte Kaenzig. "Zuschauer und Sponsoren sind unzufrieden, ich verstehe sie. Es macht derzeit keine Freude, YB-Fan zu sein."

Nach zehn Runden hinken die Young Boys den eigenen Ansprüchen ungefähr gleich weit hinterher wie den Werten und Leistungen des Vorjahres. Ende September 2009 führten sie das Ranking der Axpo Super League mit 25 Punkten, 23:11 Toren und sieben Längen Vorsprung auf Xamax an, die Supporter waren begeistert ob der gelb-schwarzen Auftritte. Heuer steht nach etwas mehr als einem Viertel der Meisterschaft knapp die Hälfte der letztjährigen Punktezahl (13) und Tore (12:13) auf dem Konto der Berner, tollen Europacup-Partien folgten immer wieder unerklärlich schwache Darbietungen auf nationaler Ebene.

Kaenzigs Hoffnung, mit dem Europacup-Spiel gegen Getafe im "Charaktertest" den Turnaround zu schaffen, beruhen auf Beobachtungen. "Wenn wir in den letzten Wochen unter Druck standen, haben wir auch gewonnen." Der CEO sprach die Siege bei den Grasshoppers, gegen den FCZ und St. Gallen an. Ohne diese "Befreiungsschläge" wäre die Diskussion um den Job von Petkovic wohl längst entfacht. "Derzeit rufen wir 75 Prozent unserer Möglichkeiten ab", musste der Trainer zugestehen. "Es ist schwierig, in jedem Spiel die Leistung der Partien gegen Fenerbahçe oder Tottenham abzurufen."

YB-Gegner Getafe mit seinen "technischen Arbeitern" (Petkovic) kennt derartige Probleme aktuell nicht. Nach der besten Klassierung der Vereinsgeschichte (6./mit dem mittlerweile in die Schweiz zurückgekehrten Fabio Celestini), der zweiten Europacup-Qualifikation und einem einigermassen gelungenen Saisonstart geht es im Madrider Vorstadtklub alles andere als hektisch zu und her. Rang 10 nach fünf Runden ist für Getafe, das zuletzt in Santander 1:0 gewonnen hat, ungefähr jene Klassierung, die auch am Saisonende realistisch sein wird.

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