Heute Dienstag folgt für Roger Federer beim Saisonfinale der ATP-Tour in London der nächste Test. Der Baselbieter trifft auf den Schotten Andy Murray.

Federer zeigte am Sonntag, zum Auftakt des ATP-World-Tour-Finals in der britischen Hauptstadt, gegen den vermeintlich schwächsten Gruppengegner, den Spanier David Ferrer, einen guten ersten Match. Das Wichtigste war, siegreich in das Turnier zu starten (was ihm mit dem 6:1, 6:4 ziemlich problemlos gelang) und sich an die Bedingungen in der O2-Arena zu gewöhnen - in erster Linie an den langsamen Belag, aber auch an die anderen speziellen Umstände wie das immer wieder aufkommende Blitzlichtgewitter der Fotokameras oder die laute Umgebung.

Angesichts der nächsten Aufgabe war die Partie gegen Ferrer nur ein Aufgalopp. Es war ein wichtiger Test, der ihm Sicherheit gibt, doch am allgemeinen Interesse in London gemessen nur Vorgeplänkel mit Blick auf das Duell gegen den Einheimischen Andy Murray. Heute um 15 Uhr stehen sich die beiden Rivalen zum vierten Mal in diesem Jahr gegenüber. Während der Schweizer im Januar im Final des Australian Open triumphierte, gewann der Schotte die letzten beiden Begegnungen im zweiten Halbjahr in Toronto und Schanghai und besitzt auch die bessere Gesamtbilanz (8:5 Siege).

Nach seinem überzeugenden Zwei-Satz-Sieg gegen Robin Söderling wollte sich Murray nicht in die Favoritenrolle drängen lassen. "Es ist gut, die letzten beiden Matches gegen ihn gewonnen zu haben, aber jede Partie ist anders", relativierte der Weltranglisten-Fünfte seine positive Bilanz gegen den 16-fachen Grand-Slam-Sieger. Im letzten Jahr standen sich Murray und Federer an gleicher Stätte ebenfalls gegenüber - und verliess der Schweizer den Platz genauso als Sieger wie nach den beiden bisherigen Duellen in Grand-Slam-Finals.

Einen "Murray-Komplex" hat Federer also nicht. "Vieles hängt von der Tagesform ab. In diesem Jahr waren Murray und ich oft gleichzeitig in guter Form, in Melbourne, Toronto oder Schanghai." Die Niederlagen in Toronto und Schanghai führte der Baselbieter nicht zuletzt auf äussere Umstände zurück. "In Schanghai war der Platz extrem langsam, und in Toronto hatte der immer wiederkehrende Regen grossen Einfluss. Beide Male geriet ich zudem rasch in Rückstand."

Gegen den defensiv extrem starken Murray ist die richtige Taktik noch bedeutender als gegen andere Gegner. Sie gleicht einem Balanceakt, weil Federer gleichermassen aggressiv und geduldig agieren muss. Vor allem in Schanghai, im Final des Masters-1000-Turniers, stürzte er sich mit überhasteten Netzangriffen ins Verderben und bezog mit 3:6, 2:6 eine schmerzhaft deutliche Niederlage. "Ich muss verhindern, dass ich wie zuletzt rasch in Rückstand gerate", setzte sich Federer als Vorgabe. Mit Vorsprung oder Gleichstand lässt sich leichter Ruhe bewahren.

Der Druck liegt heute - positive Bilanz hin oder her - eher auf Murray. Seine britischen Landsleute warten weiterhin auf den ganz grossen Titel ihres Idols. Seine beiden bisherigen Grand-Slam-Finals verlor er (jeweils gegen Federer) und beim Saisonfinale im letzten Jahr in London scheiterte er bereits in der Gruppenphase wegen des schlechteren Game-Verhältnisses.

"Damals war ich von der langen Saison ausgelaugt. Ich konnte mich kaum motivieren. In diesem Jahr bin ich viel entspannter und gehe mit den Erwartungen der Fans besser um, weil ich mir während der Saison einige Ruhepausen gegönnt habe. Ich habe ein wenig Federers Saisonplanung als Beispiel genommen", verriet Murray sein "Schweizer" Erfolgsrezept.

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