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Andre Agassi war 101 Woche die Nummer eins der Welt © getty

Vom Paradiesvogel zur Nummer eins der Welt , dann der Absturz und das Comeback. Andre Agassis Tenniskarriere ist einzigartig.

Von Philip Seiler

München - Als ich Andre Agassi Ende der 80er Jahre zum ersten Mal im Fernsehen sehe, bin ich sofort ein großer Fan von ihm.

Seine langen Haare, sein Outfit mit abgeschnittenen Shorts aus Jeansstoff, seine bunten T-Shirts, wie er seinen Gegnern die Returns regelrecht um die Ohren knallt - all das verblüfft mich einfach.

1994 ist es dann soweit. Ich fliege nach Paris, um mein Idol bei den French Open zum ersten Mal live zu sehen. Ich werde nicht enttäuscht.

"Muster"-gültige Aufholjagd

Obwohl erst die zweite Runde des Grand-Slam-Turniers ansteht, erlebe ich einen richtigen Kracher. Agassis Gegner heißt Thomas Muster. Auch wenn mein großes Vorbild am Ende mit 3:6, 7:6, 5:7, 6:2 und 5:7 verliert, bin ich an diesem Tag zufrieden.

Denn Agassi zeigt bis zum Schluss einen großen Kampf und legt im fünften Satz eine unglaubliche Aufholjagd hin. Muster führt in diesem bereits mit 5:0. Viele Fans verlassen schon ihre Plätze und wenden sich anderen Partien zu. Doch Agassi gibt trotz des Rückstands nicht auf, nimmt dem Österreicher zweimal den Aufschlag ab und gleicht 5:5 aus. (Alle Tennis-News)

Am Ende hat Muster zwar die besseren Nerven und entscheidet die Partie für sich. Agassi gebührt für diese Energieleistung aber mindestens genauso viel Respekt und wird vom Publikum wie ein Sieger gefeiert.

Vier gewinnt

Der Kampfgeist, den der heute 37-Jährige an diesem Tag zeigte, beschert ihm anschließend noch viele Erfolge. Fünf Jahre später steht er an selber Stelle im Finale Andrei Medwedew gegenüber.

Als der Ukrainer die ersten beiden Sätze mit 6:1 und 6:2 gewinnt, sieht alles nach einer klaren Angelegenheit aus. Doch der US-Amerikaner beisst sich durch seinen eisernen Willen ins Match hinein und ringt Medwedew in den folgenden drei Sätzen mit 6:4, 6:3 und 6:4 nieder.

Als einer der wenigen Spieler hat Agassi damit zugleich alle vier Grand-Slam-Titel in der Tasche. Im Jahr 1992 gewinnt er zuvor völlig überraschend Wimbledon. Als erster ungesetzter Spieler entscheidet er zwei Jahre später die US Open für sich. 120984(Diashow: Wimbledon 2009)

1995 holt er den Titel bei den Australian Open und wird im April erstmals die Nummer eins der Welt.

Dank Diät zurück zum Erfolg

1997 ist der Mann aus Las Vegas aber kurzzeitig von der Bildfläche verschwunden. Aufgrund von Verletzungsproblemen, Übergewicht und privaten Turbulenzen rutscht Agassi plötzlich auf Platz 141 der Weltrangliste ab.

Doch der damals 27-Jährige denkt nicht daran, den Tennissport an den Nagel zu hängen oder sich auf seinen Preisgeldern in Millionenhöhe auszuruhen. Er beginnt stattdessen mit einer strikten Diät und kämpft sich durch hartes Training eindrucksvoll zurück.

Auch für die Teilnahme an Challenger-Turnieren ist er sich nicht zu schade. Nach einem Turniersieg und einer Finalteilnahme darf er 1998 wieder auf der ATP-Tour starten. Prompt holt er dort fünf Einzeltitel und steht am Ende des Jahres auf Platz sechs der Weltrangliste.

Mit dem Sieg bei den French Open in Paris und den US Open in New York erlebt er im folgenden Jahr erst seinen Karrierehöhepunkt.

Abschied unter Tränen

Anschließend gewinnt er die Australian Open von Melbourne in den Jahren 2000, 2001 und 2003 drei weitere Male und zahlreiche weitere Titel auf der ATP-Tour.

Seinen 60. und damit letzten Turniersieg holt er im Juli 2005 in Los Angeles. Obwohl er in den letzten Jahren seiner Karriere immer wieder mit Rückenproblemen zu kämpfen hat und nur mit Hilfe von Kortisonspritzen antreten kann, setzt Agassi seine Karriere bis zu den US Open im September 2006 fort.

Dort zeigt er in den ersten beiden Runden noch mal seinen großen Kampfgeist. Er bezwingt Andrei Pavel zunächst in vier und Marcos Baghdatis anschließend in fünf Sätzen. Gegen Benjamin Becker tritt er trotz starker Schmerzen an, die Kraft reicht aber nicht mehr.

Und so verabschiedet sich Agassi nach 21 Jahren und 1144 Matches mit Tränen in den Augen vom Profigeschäft. Aufgrund seines Kampfgeistes werden die Tennisfans für ihn aber immer einen Platz in ihrem Herzen haben

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