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Georg Freiherr von Waldenfels ist seit 1999 Präsident des deutschen Tennis-Bunds © getty

Die ruinöse finanzielle Lage des Deutschen Tennisbunds erzürnt acht Ländesverbände. In der Kritik steht DTB-Präsident Waldenfels.

München - Im Deutschen Tennis Bund (DTB) tobt ein Machtkampf, zudem droht der finanzielle Kollaps.

Acht der insgesamt 18 Landesverbände haben dem DTB-Präsidium mit Georg von Waldenfels an der Spitze das Vertrauen entzogen und die Gründung einer Task Force angeregt, die in aller Kürze retten soll, was fast nicht mehr zu retten scheint.

"Die Lage ist so bedrohlich, dass schnelles Handeln erforderlich ist", sagt Ulrich Bunkowitz, Präsident des Landesverbandes (LV) Niederrhein.

Millionenforderungen der ATP

17 Millionen US-Dollar (ca. 11,5 Mio. Euro) fordert die ATP nach dem Streit um das Hamburger Turnier an Prozess- und Gerichtskosten vom DTB.

Hinzu kommen Anwaltskosten in Höhe von 1,2 Mio. Dollar (ca. 820.000 Euro), von denen 496.000 (ca. 340.000) angeblich noch unbezahlt sind. Als "desolat" und "ohne Hoffnung" bezeichnet Bunkowitz die finanzielle Situation des DTB, Württembergs Präsident Ulrich Lange nennt sie "sehr bedenklich".

Acht Rebellen

Die acht rebellierenden Verbände (Niedersachsen, Niederrhein, Hessen, Baden, Württemberg, Mittelrhein, Westfalen, Nordwest) protestieren zudem gegen die Vorgehensweise des DTB, den Bundesausschuss, in dem die 18 LV-Präsidenten zusammengeschlossen sind, viel zu spät oder gar nicht über Entscheidungen informiert zu haben.

Beispielsweise über die, entgegen der ursprünglichen Beschlusslage einen Schutzschirm von 450.000 Euro für das Turnier in Hamburg 2009 bereitzustellen.

Waldenfels wehrt sich

Das sieht Georg von Waldenfels anders.

In seinem Schreiben an den Bundesausschuss-Vorsitzenden Ulrich Klaus vom 10. September heißt es: "Alle großen Entscheidungen in den letzten Jahren sind offen und transparent mit dem Bundesausschuss diskutiert und in der Regel einstimmig getroffen worden."

In einem Brief an den Bundesausschuss vom 26. August hat von Waldenfels "im Namen des gesamten Präsidiums" jedenfalls klargestellt: "Wir werden nicht zurücktreten. Dafür gibt es nach unserer Auffassung keinen Anlass."

Die "äußeren Rahmenbedingungen" seien bei der Wiederwahl des Präsidiums im November 2008 "mit überwältigender Mehrheit" nicht anders gewesen "als heute, im Gegenteil, die wirtschaftliche Situation hat sich wesentlich gebessert".

Gegen diese Aussage laufen die Landesverbände Sturm.

"Unrealistisch und falsch"

Württembergs LV-Präsident Lange bezeichnet sie in einem Schreiben an den Bundesausschuss-Vorsitzenden Klaus vom 28. August als "unrealistisch und falsch". Eine drohende Insolvenz, so Lange weiter, könne nur vermieden werden, "wenn der Landesverband Niedersachsen das BLZ Hannover dem DTB für 850.000 Euro abkauft".

Das ist mittlerweile geschehen, doch der Wunsch des niedersächsischen LV-Präsidenten Gottfried Schumann, der DTB möge doch das Geld in die Jugendarbeit investieren, verhallte.

"Wenn ein großer Verband wie der DTB ausgerechnet an der Jugendarbeit sparen muss, dann ist das meistens der Anfang vom Ende", sagt Niederrhein-Präsident Bunkowitz.

Verkauf des Rothenbaums

In der Not ging der DTB noch einen Schritt weiter und gab auch das her, was Bunkowitz "das allerletzte Stückchen Tafelsilber" nennt.

Für geschätzte 1,2 Millionen Euro verkaufte der Verband dem Club an der Alster Hamburg das Erbbaurecht für den Rothenbaum. "Das heißt", sagt Bunkowitz, "das Hamburger Turnier findet auf fremdem Grund und Boden statt."

Wenn es denn überhaupt noch einmal stattfindet. "Wer das fordert, muss die Finanzierung 2010 sicherstellen", schreibt Georg von Waldenfels an den Bundesausschuss.

Schleswig-Holsteins LV-Präsident Wolfgang Raudszus nennt den Rothenbaum gar "eine Geldverbrennungsanlage" und weist auf die "hohen Bezüge der in diesem Bereich tätigen Personen" hin. Michael Stich und Detlef Hammer von der veranstaltenden Hamburg Sports Entertainment GmbH (HSE) werden es mit Interesse zur Kenntnis nehmen.

Task Force eingerichtet

Eine Task Force mit vier Arbeitsgruppen in den Bereichen ATP-Prozess, Hamburger Turnier, Finanzen und Strukturreform soll es nun richten. Bunkowitz schlägt vor, Experten von außen einzubinden, die "das Ganze aus einem anderen Blickwinkel sehen und vielleicht mal ganz andere Ideen haben".

Das erste Treffen zur Gründung der Arbeitsgruppen ist am 25. September in Köln geplant, Maßnahmen sollen und müssen möglichst zeitnah folgen.

Georg von Waldenfels will sich zu den aktuellen Ereignissen öffentlich nicht äußern.

"Ich bin bis 2011 gewählt, und es gibt auch keine wirklichen Alternativen zu diesem amtierenden Präsidium", sagte er. Wichtige Aufgaben habe man zu erledigen: "Da helfen solche Störfeuer nicht, die es auch in der Vergangenheit immer mal wieder gegeben hat."

Abgewählt werden kann das Präsidium laut Statuten nicht, allerdings hat der hessische Verband bereits eine außerordentliche Mitgliederversammlung beantragt.

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