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Andre Agassi verabschiedete sich 2006 bei den US Open von der Tennis-Bühne © getty

Tennis-Star Andre Agassi hat lange zum Aufputschmittel "Crystal Meth" gegriffen und entging einer Sperre nur durch eine Lüge.

Las Vegas - Andre Agassi hat drei Jahre nach dem Ende seiner glamourösen Tennis-Karriere ein überraschendes Drogen-Geständnis abgelegt und dem weißen Sport einen weiteren Schandfleck beschert:

Der Ehemann von Steffi Graf gab zu, während seiner Laufbahn wiederholt zum Aufputschmittel "Crystal Meth" gegriffen zu haben und einer Sperre dabei nur mithilfe einer Lüge entgangen zu sein.

Den Missbrauch gesteht Agassi in seiner am 9. November in den USA erscheinenden Autobiografie "Open". Er sei nicht abhängig gewesen, "aber eine Menge Leute würden sagen, wenn du etwas konsumierst, um vor etwas zu flüchten, dann hast du ein Problem", schreibt der 39-Jährige. Auszüge veröffentlichte das Magazin "People".

Lug und Trug

Die Profivereinigung ATP hatte Agassi 1997 positiv getestet. "Ich dachte, mein Name, meine ganze Karriere, alles steht auf dem Spiel." Der Paradiesvogel aus Las Vegas schrieb daraufhin einen "von Lügen durchzogenen" Brief an die Funktionäre.

"Ich habe behauptet, ich habe einen Drink mit Schuss meines Freundes Slim getrunken und dabei unabsichtlich seine Drogen zu mir genommen. Ich habe mich für diese Lüge geschämt", sagte Agassi nach Angaben der "New York Times".

Die ATP verzichtete damals auf eine für solche Fälle vorgesehene dreimonatige Sperre.

Federer empört

Roger Federer hat mit Empörung auf Agassis Drogen-Geständnis reagiert.

"Es war ein Schock für mich, als ich davon erfahren habe. Ich bin enttäuscht und hoffe, dass es solche Fälle in Zukunft nicht mehr geben wird. Unser Sport muss sauber bleiben", sagte die Nummer eins der Weltrangliste.

Allerdings hob der Schweizer Federer auch die Verdienste Agassis hervor. "Er hat eine Menge für das Tennis getan. Heute sammelt er viele Millionen Dollar für seine Kinderstiftung", sagte Federer.

"Aufputzdroge"

Agassi schildert in seinem Buch - neben der Annäherung an seine Traumfrau Steffi Graf - ausführlich den ersten Kontakt mit "Crystal Meth", einer synthetischen Stimulanz auf Amphetaminbasis, die Müdigkeit, Schmerz und Hungergefühl unterdrückt.

"Nach der Einnahme ist da erst ein Moment des Bedauerns, dem tiefe Traurigkeit folgt. Dann kam diese Euphoriewelle, die jeden negativen Gedanken in meinem Kopf davonschwemmte. Ich hatte mich noch nie so lebendig und so voller Hoffnung und Energie gefühlt", schreibt Agassi:

"Ich bin sofort durch mein Haus gerannt und habe es von oben bis unten geputzt."

Agassi nicht der Einzige

Als Nebenwirkungen des Aufputschmittels können Persönlichkeitsveränderungen und Psychosen auftreten. Durch sein Geständnis erschüttert Agassi die längst nicht mehr heile Tennis-Welt.

Vor einigen Monaten erst hatte es die Kokain-Affäre um den Franzosen Richard Gasquet gegeben. Vor zwei Jahren war der ehemaligen Weltranglistenersten Martina Hingis der Konsum von Koks nachgewiesen worden.

Die Schweizerin bestritt die Einnahme, wurde aber für zwei Jahre gesperrt.

Absturz und Comeback

Agassi war im Jahr des Drogenmissbrauchs, als er auch die US-amerikanische Schauspielerin Brooke Shields heiratete, in der Weltrangliste bis auf Position 141 abgestürzt. Der Weltstar musste damals sogar bei zweitklassigen Challenger-Turnieren antreten.

Im Jahr darauf glückte ihm die Rückkehr in die Top Ten. 1999 gewann Agassi die French Open und die US Open, schloss das Jahr und sein grandioses Comeback als Nummer eins der Welt ab. (DATENCENTER: Alle Turniere).

Insgesamt gewann der Sohn eines iranischen Boxers acht Grand-Slam-Turniere. 2006 war er nach der Drittrunden-Niederlage gegen Benjamin Becker (Orscholz) bei den US Open in New York zurückgetreten.

Seit acht Jahren ist Agassi mit Steffi Graf verheiratet. Das Paar hat Sohn Jaden Gil (8) und Tochter Jaz Elle (6).

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