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Roger Federer (l.) beglückwünscht Rafael Nadal © getty

Das Wimbledon-Finale hat den Sieger Nadal Substanz gekostet. Hat er die Ära Federer dennoch beendet? Die Sport1-Redaktion ist gespalten.

London/München - Das geschichtsträchtige Wimbledon-Endspiel der beiden Ausnahmespieler hat die Tenniswelt aufgewühlt.Nachdem Rafael Nadal erstmals auch auf Rasen Roger Federer bezwungen hat, sehen viele eine neue Epoche eingeläutet.

Hat Kronprinz Nadal, nominell noch die Nummer zwei der Welt, die Regentschaft von König Federer schon beendet? Der Schweizer war nach seiner dramatischen Niederlage am Boden. Steht er wieder auf oder hat seine schwerste Stunde Federer nachhaltig getroffen?

Diese und die Frage, wem in Zukunft die Tenniskrone der Herren gehört sind auch in der Sport1-Redaktion heiß diskutiert worden.

Sport1-Redakteur Benjamin Bauer sieht die Wachablösung Federers noch lange nicht vollzogen und sagt Contra:

"Federer von Nadal entthront" war die Schlagzeile nach dem Wimbledon-Finale. Doch von Entthronung kann noch keine Rede sein.

Der Schweizer hat ein hochklassiges Finale, das an Spannung und Ausgeglichenheit nicht zu überbieten war, verloren. Nach 65 Siegen in Folge auf Rasen hat die Nummer eins ein Spiel verloren.

Zugegeben, es ist eine Niederlage, die Federer ungemein schmerzt. Er verpasst einen historischen Rekord und hat gegen seinen ärgsten Widersacher eine Niederlage in seiner Bastion erlitten.

Nadal auf Augenhöhe

Nachdem Nadal auf Sand den "Fed-Express" überholt hat, ist er auf Rasen mittlerweile auf Augenhöhe. Aber Nadals Finalsieg hatte weniger mit der Stärke des Spaniers als vielmehr mit einer entscheidenden Schwäche des Schweizer zu tun.

52 Unforced Errors zeigen, dass der Schweizer nicht seinen allerbesten Tag erwischt hat. Das beweist zwar, dass auch das Tennis-Genie nur ein Mensch ist.

Doch Federer wird aus dieser Niederlage Motivation ziehen und weiter an sich arbeiten. Die Anzahl der unerzwungenen Fehler wird sich mit Training wieder in ein federertypisches Maß einpegeln.

Neues Gefühl

Das Gefühl einer Niederlage in "seinem" Wimbledon, ja sogar einen Angstgegner zu besitzen, ist neu für Federer. Mit 26 Jahren bleibt aber noch genügend Zeit, sich mit der neuen Situation abzufinden und auch zukünftig für Nadal-Attacken mental gewappnet zu sein.

Der virtuose Federer hat gegen den nimmermüden Tennisarbeiter Nadal verloren. Ein Stehaufmännchen, der jeden Zentimeter des Platzes beackert und gegen den jeder Punkt zwei Mal gemacht werden muss.

Doch dieses Art Tennis zu spielen ist Raubbau am Körper. Auch am muskelbepackten des Mallorquiners. Es stellt sich die Frage, wann er seiner Spielweise Tribut zollen muss und der Körper streikt.

"Ich bin kaputt"

Die physische Stärke eines Nadals ist am Maximum angelangt und sein Körper meldet sich zu Wort. Schon jetzt, wie die verletzungsbedingte Absage für das Turnier am Stuttgarter Weissenhof belegt. "Ich bin kaputt", stöhnte der Spanier.

Das wird ihn auf dem Weg zur Nummer eins bremsen, womöglich sogar stoppen.

Federer hat es da leichter. Sein Körper zeigt keine Tennisverschleißerscheinungen und sein eventuell psychisches Problem mit dem Dauerrivalen Nadal wird er in den Griff bekommen.

Beide werden die Tenniswelt weiter mit ihren Duelle auf höchstem Niveau begeistern, sei es auf Sand, Rasen oder Hartplatz. Doch Tennis auf diesem hohen Niveau wird häufig im Kopf entschieden - also Vorteil Federer.

Benjamin Bauer

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