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"Es ist wichtig, dass der Trainer mit mir auf einer Wellenlänge ist", sagt Philipp Petzschner © getty

Im zweiten Teil des Interviews der Woche mit Sport1.de spricht Philipp Petzschner über seine Ziele für 2009 und den Daviscup.

Von Michael Schulz

München - Philipp Petzschner ist mittlerweile auf Platz 72 der Weltrangliste vorgerückt.

Nun will er unter die besten 50 kommen - und auch für den Daviscup hegt der Bayreuther Ambitionen, wie er im zweiten Teil des Interviews der Woche bei Sport1.de verrät.

Allerdings weiß der 24-Jährige auch: "Ich bin relativ eigen und launisch. Es gibt Tage, da bin ich nicht ertragbar."

Sport1.de: Jetzt sind Sie auf Platz 72 der Weltrangliste. Was sind Ihre weiteren Ziele?

Petzschner: Ich habe das Jahr als 180. der Welt angefangen und wollte mich unter die Top 100 etablieren. Diese erste Etappe habe ich erreicht. Jetzt gilt es, die letzten Turniere noch ordentlich abzuschließen und sich eine gute Ausgangsposition für nächste Saison zu verschaffen. 2009 möchte ich unter die besten 50 kommen. Das ist mein Ansporn.

Sport1.de: Sie gelten als Doppelspezialist und haben dort in der Bundesliga, im Davis Cup und im World Team Cup Ihre größten Erfolge gefeiert. Was liegt Ihnen mehr: Einzel oder Doppel?

Petzschner: Von meinem Naturell liegt mir das Doppel. Ich spiele gerne mit Händchen, viel Taktik und Übersicht. Doch ich wollte immer im Einzel den Durchbruch schaffen, hätte aber nicht gedacht, dass ich meinen ersten Einzel-Titel vor einem im Doppel hole. Das ist unglaublich.

Sport1.de: Haben Sie einen Lieblingspartner im Doppel?

Petzschner: Ich spiele gerne mit Christopher Kas, den ich schon jahrelang aus der Bundesliga und von Challenger-Turnieren kenne. Zuletzt habe ich mich mit Alex Peya zusammengetan, weil wir uns mit Lars Übel denselben Trainer teilen. Mit ihm werde ich auch in Zukunft Doppel spielen.

Sport1.de: Welchen Anteil hat der Coach am Erfolg?

Petzschner: Es funktioniert sehr gut mir ihm. Lars Übel ist ein ehemaliger Spieler, der im Mai damit aufgehört hat. Er hat mich dann nach Wimbledon begleitet, und ich habe erstmals die zweite Runde erreicht. Also haben wir gesagt, dass wir es miteinander probieren, und nun habe ich meinen ersten Einzel-Titel gewonnen.

Sport1.de: Was hat er an Ihrem Spiel geändert?

Petzschner: Ich bin kein sehr einfacher Charakter. Daher ist es wichtig, dass der Trainer mich kennt und mit mir auf einer Wellenlänge ist. Wir gehen ruhig und freundschaftlich miteinander um. Wir haben eine sehr gute Mischung gefunden. Er hat mir den Spaß am Tennis zurückgebracht, tritt mich manchmal auch in den Hintern. Aber er zwingt mich auch nicht, jeden Tag auf die Bälle zu hauen, sondern geht dann mit mir laufen.

Sport1.de: Was macht Sie denn so schwierig?

Petzschner: Ich bin relativ eigen und launisch. Es gibt Tage, da bin ich nicht ertragbar. Früher habe ich manchmal auch nicht alles fürs Tennis getan und hatte keine Lust auf Tennis. Daher hat es bisher nicht für den absoluten Durchbruch gereicht.

Sport1.de: Woran müssen Sie noch arbeiten?

Petzschner: Meine Quote beim ersten Aufschlag schwankt zwischen 50 und 80 Prozent. Außerdem müssen meine Fitness und meine Rückhand noch besser werden.

Sport1.de: Was sind Ihre Stärken?

Petzschner: Wenn mein Aufschlag kommt, ist er eine Waffe. Ich kann schnell, aber auch mit Schnitt servieren. Außerdem ist meine Vorhand und mein Volleyspiel vorne am Netz nicht schlecht.

Sport1.de: Haben Sie ein Vorbild?

Petzschner: Früher waren es Stefan Edberg und Goran Ivanisevic. Momentan ist es Roger Federer: Er ist der beste Spieler aller Zeiten.

Sport1.de: Viele sehen den Schweizer im Gegensatz zum Spanier Rafael Nadal auf dem absteigenden Ast. Teilen Sie diese Ansicht?

Petzschner: Ich würde mir wünschen, dass Federer bald wieder die Nummer eins ist. Ich liebe es, ihm zuzuschauen. Er hat eine gewisse Aura. Ich glaube, dass er 2009 noch einmal angreifen wird und für eine Wachablösung sorgen wird.

Sport1.de: Haben Sie einen Lieblingsbelag?

Petzschner: Ich liebe die nicht zu schnelle Beläge auf den Hartplätzen oder in der Halle.

Sport1.de: Was haben Sie für Ziele im deutschen Davis-Cup-Team?

Petzschner: Ich bin froh, Teil des Teams zu sein, möchte aber auch irgendwann das zweite Einzel spielen und nicht nur als Doppelspieler mitgenommen zu werden. Aber es liegt nicht in meinem Ermessen, etwa beim nächsten Mal gegen Österreich dabei zu sein.

Sport1.de: Aber mit dem Turniersieg sind Ihre Chancen gestiegen?

Petzschner: Ich habe eine sehr gute Visitenkarte abgegeben mit den Erfolgen der letzten Wochen. Wir haben aber sehr viele gute Tennisspieler in Deutschland, und wenn alle fit sind, muss man schauen. Ich wäre nicht böse, wenn ich nicht dabei wäre, aber es ist immer ein Ehre, für Deutschland zu spielen. Das ist nach wie vor das Ziel.

Sport1.de: Sie sind mit Kurhaus Aachen Deutscher Mannschaftsmeister geworden. Ist die Bundesliga weiterhin ein Anreiz?

Petzschner: Ich bin im Teamsport groß geworden und möchte sehr gerne den Titel in der Bundesliga verteidigen. Aber es muss mit meinem Turnierplan zusammen passen und hängt davon ab, welchen Weltranglistenplatz ich belege.

Hier geht's zurück zum ersten Teil des Interviews

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