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Florian MAyer ist derzeit die Nummer 36 der ATP-Weltrangliste © imago

Florian Mayer war Nr. 450 und dachte ans Aufhören: Mit dem Coup gegen Dawidenko schreibt er seine Comeback-Story weiter.

Von Björn Seitner

Melbourne/München - Florian Mayer schien schon am Boden.

Seit dem Erreichen des Viertelfinals von Wimbledon 2004 war der Bayreuther viele Jahre einer der konstantesten deutschen Tennisprofis. Von der "Times" wurde er damals gar als "German Wunderkind" bezeichnet.

Doch 2008 kam der Einbruch - sowohl physisch, als auch mental. Mayer rutschte bis auf Rang 450 der ATP-Weltrangliste ab.

Nach mehrmonatiger Pause kämpfte sich der 27-Jährige zurück und steht kurz davor, Philipp Kohlschreiber als besten DTB-Profi abzulösen.

Die Nummer 37 der Welt ist Mayer schon. Auf dem Weg nach oben schaltete er in der ersten Runde der Australien Open nun sensationell die ehemalige Nummer drei, Nikolaj Dawidenko, aus.

Krisenjahr 2008

Vor drei Jahren scheiterte Mayer noch an selber Stelle gegen Florent Serra.

In den folgenden Monaten lief es für ihn überhaupt nicht. Selten kam Mayer über das Auftaktmatch eines Turniers hinaus.

Acht Erstrundenpleiten waren zuviel: Mayer sagte seine Teilnahme bei den French Open ab und war, auch aufgrund einer Sehnenverletzung im Zeigefinger lange von der Bildfläche verschwunden. (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News)

Das Gerücht, er wolle bereits mit 25 seine Karriere beenden, hielt sich hartnäckig.

Mayer "ziemlich ausgelaugt"

Und auch Mayer bestätigte: "Ich hätte nie gedacht, dass es mal so weit kommen würde. Aber ich stand sogar vor einem Rücktritt."

Er gibt außerdem zu, "einfach mal eine längere Pause" benötigt zu haben. Nach sechs Jahren sei er "einfach ziemlich ausgelaugt" gewesen, wie er dem Internetblog "Zacks Tennis" sagte.

"Das Theater drumherum, diese Ansprüche an ihn - das hat ihn einfach überfordert", erklärte sein damaliger Trainer Ulf Fischer.

Die über sechsmonatige Auszeit tat Meyer gut. In kurzer Zeit kämpfte er sich vor allem über kleinere Turniere zurück in die Top 100.

Fünfmal erreichte er 2009 auf der Challenger Tour das Finale. In Bangkok und Karlsruhe ging er als Sieger vom Platz.

Finale in Stockholm

Und auch die Lust an der Arbeit kehrte zurück: "Tennis macht mir mehr Spaß als jemals zuvor."

Im Oktober des vergangenen Jahres meldete sich Mayer dann engültig wieder in der Weltspitze zurück.

Bei den Stockholm Open erreichte er nach vier Jahren zum ersten Mal wieder ein ATP-Finale (4:6, 3:6 gegen Roger Federer). (DATENCENTER: Die ATP-Turniere 2011)

Erst vergangene Woche erreichte er das Halbfinale von Sydney (4:6, 6:7 (4:7) gegen Viktor Troicki).

Ausraster in Melbourne

Gegen den an 23 gesetzten Dawidenko spielte Mayer von Beginn an stark.

Dass er den unbedingten Willen zum Sieg hat, zeigte sich im dritten Satz gegen den Russen. Mayer erzürnte sich lauthals über einige Entscheidungen des Schiedsrichter.

"Solche Ausraster müssen auch mal sein", befand er nach seinem 6:3, 4:6, 7:6 (4) und 6:4-Triumph.

"Es war eine wahnsinnige Genugtuung"

Mayer zeigte sich mehr als zufrieden: "Das ist einer meiner besten Siege, in den Top Fünf meiner persönlichen Hitliste. Dawidenko auf Hartplatz bei einem Grand Slam zu besiegen - das ist schon nicht so schlecht."

Auch mit Rückblick auf die vergangenen Jahre sagte er: "Das war eine ganz tiefe Freude, eine wahnsinnige Genugtuung."

Der 27-Jährige steht in der Weltrangliste nur noch einen Platz hinter Kohlschreiber (35.) - der sich in Melbourne nur mit Mühe in fünf Sätzen gegen den aufstrebenden Tobias Kamke durchsetzte.

Top 20 als Ziel

Doch er blickt noch weiter nach oben: "Wenn ich solide und konstant weiterspiele, sollte ein Vorstoß in die Top 20 möglich sein."

Es wäre sozusagen der "zweite Aufschlag", der zweite Versuch, für den Bayreuther, sich unter den besten festzubeißen.

Das Selbstvertrauen scheint nach den Rückschlägen jedenfalls wieder da zu sein: "An guten Tagen brauche ich vor niemandem außerhalb der Top 4 Angst zu haben."

Frühestens im Viertelfinale der Australian Open könnte er auf einen Top-4-Spieler treffen: Novak Djokovic.

Dann hätte er auch sein bestes Grand-Slam-Ergebnis aus dem Jahr 2004 eingestellt.

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