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Didi Thurau war früher als Radprofi unterwegs, jetzt unterstützt er seinen Sohn im Tennis © getty

34 Jahre nach seinem Vater Dietrich Thurau will der 15-jährige Urs jetzt auch in den Profisport. Ihn zieht es zum Tennis.

Marbella - Auf einem Tennisplatz an der spanischen Costa del Sol stehen ein drahtiger Mittfünfziger und ein schmächtiger Teenie. Der Ältere spielt dem Jungen Bälle zu und gibt Kommandos.

Sie üben Vorhand, Rückhand, Aufschlag, Volley, Schmetterball, Vorhand, Rückhand ... So geht das tagein, tagaus - stundenlang.

An der andalusischen Küste, unweit von Marbella, strahlt die Sonne über der auf einem 450 m hohen Hügel gelegenen Tennis-Akademie des früheren deutschen Bundestrainers Klaus Hofsäss, zu Steffi Grafs aktiver Zeit deren vertrauter Ratgeber.

Die beiden eingangs erwähnten Tennisspieler haben kein Auge für den schönen Ausblick über das Tal bis runter zum Mittelmeer.

Vom Radsport zum Tennis

Der drahtige Mittfünfziger war in Deutschland einst ein populärer Sportler, ein Radsport-Idol. Im Sommer 1977 trug Dietrich "Didi" Thurau, der blonde Engel, 15 Tage lang das berühmteste gelbe Trikot der Welt über Frankreichs Landstraßen.

Der zarte Jüngling ist sein 15-jähriger Sohn Urs. Der hat sich in den Kopf gesetzt, Tennisprofi zu werden.

Und der Vater unterstützt ihn dabei nach Kräften. (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1)

Training bei Klaus Hofsäss

Einen ganzen Monat verbringen die beiden zur Saisonvorbereitung beim renommierten Tennislehrer Klaus Hofsäss.

Der lässt den ehrgeizigen Sohn des legendären Radsportlers öfter mal am Matchtraining seiner Internatsschüler teilnehmen.

Meistens ackert Urs jedoch alleine mit seinem Vater, was unter anderem finanzielle Gründe hat. "Ihn komplett in die Obhut von Klaus Hofsäss zu geben, kann ich mir nicht leisten", sagt Dietrich Thurau.

Thuraus leben in der Schweiz

Immerhin, das ungleiche Duo hat es dank des gemeinsamen Trainings schon weit gebracht. Urs ist in seiner Altersklasse die Nummer fünf im Roger-Federer-Land Schweiz.

In Deutschland steht er weiter hinten, weil er dort nur vereinzelt an Ranglisten-Turnieren teilnimmt. Die Schweiz liegt ihm ohnehin näher, weil er mit seinem Vater seit vielen Jahren dort lebt.

Nachdem Didi Thurau in seiner hessischen Heimat mit einer großen Immobilienfirma Schiffbruch erlitten hatte, ist er in die Alpenrepublik gezogen.

Dort makelt er nur noch in kleinem Stil - "so, dass ich davon gut leben kann".

Tour-Erfolg von 1977

Als Radsportler schrieb Didi Thurau Geschichte. Er gewann 1977, bei seiner ersten Tour de France, den Prolog und trug anschließend zwei Wochen lang das Gelbe Trikot.

Er gewann am Ende das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers und wurde Fünfter der Gesamtwertung. Vier weitere Etappensiege gingen auf sein Konto.

Frankreichs späterer Staatspräsident Jacques Chirac, damals noch Bürgermeister von Paris, stellte ihm einst ein bemerkenswertes Zeugnis aus: "Seit Konrad Adenauer hat keiner soviel für die deutsch-französische Freundschaft getan wie Dietrich Thurau."

"Ohne Doping keine Chance"

Aber der gebürtige Frankfurter, dem Experten vorwarfen, sein Riesentalent zu verschleudern, war auch umstritten.

1985 beschwor er bei der Frankreich-Rundfahrt einen Skandal herauf, als er gegen einen Rennsportkommissär handgreiflich wurde, und man ihn disqualifizierte.

Er gab auch zu, leistungssteigernde Mittel eingenommen zu haben. Seine Begründung, die er noch heute vertritt: "Ohne Doping hast du gar keine Chance, vorne mitzufahren."

Älterer Sohn auf den Spuren des Vaters

Als Thurau vor zwei Jahren öffentlich behauptete, im heutigen Profirennsport seien 70 Prozent der Fahrer gedopt, zog er sich ätzende Kritik aus dem Radsportlager zu - auch von seinem eigenen Sohn Björn (23), der den Sport selbst professionell betreibt.

"Ich weiß nicht", sagte der Junior, "wie mein Vater sich eine solche Aussage erlauben kann, wo er doch seit 20 Jahren aus dem Radsport raus ist und nicht im Geringsten Einblicke in die heutige Szene hat. Ich stimme ihm absolut nicht zu."

In drei Jahren wird entschieden

Wie auch immer - Didi Thurau hat seinem einstigen Sport längst abgeschworen. Nur selten fährt er noch mit einem Mountainbike durch die Landschaft:

"Mein Rennrad habe ich verkauft." Vordringliches Anliegen ist die Tenniskarriere seines Sohnes. "Wenn Urs 18 ist", sagt er, "ziehen wir Bilanz und entscheiden, ob es einen Sinn macht, die Sache weiter zu verfolgen."

Zur Person: Dietrich Thurau, geboren am 9. November 1954 in Frankfurt/Main, Amateur-Weltmeister im Bahn-Vierer (1974 im "Kilian-Vierer"), 1977 Gewinner des Prologs bei der Tour de France, 15 Tage lang Träger des Gelben Trikots und Fünfter der Gesamtwertung.

Insgesamt fünf Etappensiege bei der Tour de France, 1979 Gesamt-Zehnter. Zweiter bei der Straßen-WM in Venezuela (1977) und Valkenburg/NL (1979), Gewinner der Klassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich (1978) und Meisterschaft von Zürich (1979), Deutschlands Sportler des Jahres 1977

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