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Andrea Petkovic (23) ist seit 2006 im Profi-Tennis unterwegs © imago

Der Triumph gegen Wozniacki im Achtelfinale von Miami lässt Andrea Petkovic klettern. Verzicht und Personalmaßnahmen fruchten.

Miami - Auch nach dem größten Sieg ihrer Karriere blieb die heiß geliebte Schokolade im Eisschrank. Für den Traum von den Top 10 übt Andrea Petkovic konsequent Verzicht.

Egal, was kommt. Selbst in der Stunde des Triumphes gegen die Nummer 1 der Tenniswelt im schwülen Florida wurde die 23-Jährige nicht schwach.

Ebenso konsequent wie auf dem Centre Court im Achtelfinale gegen Caroline Wozniacki (7:5, 3:6, 6:3) agiert "Petko" dieser Tage im Ignorieren der vielen kulinarischen Versuchungen im Crandon Park von Miami, wo ein Süßwarenhersteller als Sponsor auftritt.

"Ich weiß nicht, ob mein Erfolg daran liegt, dass ich die Schokolade abgesetzt habe. Aber ich fühle mich viel besser, leichter und flexibler auf dem Platz", sagte Petkovic.

(DATENCENTER: Ergebnisse der Damen aus Miami)

1-Millionen-Dollar-Grenze geknackt

"Irgend einen Vorteil muss es ja bringen, wenn man auf so einen Genuss verzichtet," meinte sie schmunzelnd.

Genuss pur erlebt Deutschlands Nummer eins seit Jahresbeginn auf den Courts dieser Welt: Finale in Brisbane, Viertelfinale bei den Australian Open sowie in Paris.

Dazu der Sprung in der Weltrangliste bis auf Platz 23 - und jüngst endlich die magische 1-Millionen-Dollar-Grenze in punkto Preisgeld geknackt.

Viertelfinale gegen Jankovic

Und der Höhenflug von Petkovic, die seit kurzem vom früheren Steffi-Graf-Coach Heinz Günthardt beraten wird, geht dank des Geniestreichs gegen Branchenführerin Wozniacki (Dänemark) weiter.

Bereits vor dem Viertelfinale beim "Mini-Grand-Slam" im Sonnenstaat Florida am Dienstagabend gegen Jelena Jankovic (Serbien) (ab 19 Uhr LIVESCORES) steht fest, dass Petkovic am kommenden Montag erstmals unter den besten 20 der Weltrangliste stehen wird.

Geht es nach Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner, dann hat die eloquente Darmstädterin mit dem Einser-Abi das Zeug für weitere Quantensprünge.

Petkovic schielt zu den Top Ten

"Wenn man die Nummer eins schlägt und dabei taktisch so gut durchspielt, setzt man sich natürlich höhere Ziele", sagte Rittner: "Petko muss zunächst ihre Position stabilisieren, aber kann dann nach den Top 16 schielen."

Petkovic selbst blickt sogar noch ein Stück weiter.

"Um in die Top 10 zu kommen, muss ich in der Lage sein, dieses Niveau konstant bei jedem Turnier abzurufen. Und das ist harte Arbeit."

Aber sie arbeite dran, erklärte die Hobby-Schlagzeugerin.

Studium an der Fernuni Hagen

Für Rittner ist Petkovics Leistungssteigerung kein Zufall. Die Hessin hat ihr Umfeld weiter professionalisiert.

Mit dem Sportpsychologen Holger Fischer hat sie sich in Gesprächen schon einmal dem Thema "Was stürzt auf mich ein, wenn ich Erfolg habe" gewidmet.

Auf der kurzen US-Hartplatztour saß neben Trainer Petar Popovic auch dessen Cousine in der Box, die Petkovic als Physiotherapeutin betreute.

Nach wie vor geht die Fed-Cup-Spielerin einem Politik-Studium an der Fernuni Hagen nach, ließ aber im März - ganz untypisch - eine Klausur sausen.

"Andrea ist ein Tier"

Zudem zahlt sich die sechswöchige Vorbereitungszeit vor Weihnachten in der Tennis-University der beiden früheren Davis-Cup-Kollegen Alexander Waske und Rainer Schüttler in Offenbach aus.

"Andrea ist von der Fitness her ein Tier", sagte Waske und hält in Zukunft alles für möglich: "Wer gegen die Weltranglistenerste gewinnt, kann alle schlagen."

Zudem lernt sie rasend schnell aus Negativ-Erfahrungen, gewinnt immer mehr an mentaler Stärke.

Schokoladen-Verbot bleibt

Große Herausforderungen aber warten auch abseits des Courts auf Petkovic.

Nachdem sie seit den US Open 2010 die Zuschauer nach gewonnenen Matches mit ihrem "Petko-Dance", den inzwischen auch ihre Doppelpartnerin Ana Ivanovic imitiert, bespaßte, ist die Zeit reif für Veränderung.

Petkovic: "Es war schön, aber nach diesem Turnier werde ich mir etwas Neues einfallen lassen." Das Schokoladen-Verbot allerdings, das bleibt.

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