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Steffi Graf gewann in ihrer Karriere 22 Grand-Slam-Turniere © getty

Bei einem Showmatch in Halle erteilt die Tennis-Königin den Shootingstars den Ritterschlag. Sie fordert ein Frauen-Rasenturnier.

Halle - Damit hatte selbst Steffi Graf nicht gerechnet.

Nachdem die erfolgreichste Spielerin der Tennis-Geschichte die Fragen nach ihrer tollen Figur, den beiden Kindern und Ehemann Andre Agassi beantwortet hatte, stand Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner auf und bat um einen Rat für ihre Schützlinge Andrea Petkovic und Julia Görges. (BERICHT: Graf fit wie eh und je)

"Wenn du Andi und Jule einen Tipp geben solltest. Welcher wäre das?" Schüchtern und erwartungsfroh blickte Görges auf, nachdem sie zuvor auf dem Rasen im westfälischen Halle einen Showkampf mit dem Idol ihrer Kindheit absolviert hatte.

Görges aufmerksam

"In den letzten Wochen ist viel auf euch zugekommen", sagte Graf und wandte sich an die Weltranglisten-18. aus Bad Oldesloe: "Teilt euch das Jahr gut ein und achtet auf den Turnierkalender."

Begierig sog Görges jedes Wort der 22-maligen Grand-Slam-Siegerin auf, nickte stumm und schien in Ehrfurcht geradezu erstarrt. Ein Lächeln huschte erst übers Gesicht der Stuttgart-Siegerin, als sie das große Lob aus berufenem Mund vernahm. "Ich bin von euch beiden sehr beeindruckt und habe den Eindruck, ihr seid diszipliniert, habt Selbstvertrauen und einen starken Charakter", sagte Graf.

[kaltura id="0_p3mj6bvm" class="full_size" title="Showmatch Graf siegt mit Leconte"]

Spekulationen über Grafs Spielvermögen

Es war der Ritterschlag der Tennis-Königin für die junge Generation, die in den vergangenen Monaten so positiv auf sich aufmerksam gemacht hat. Der Beweis, dass der Aufschwung im deutschen Damentennis auch der großen Steffi Graf in ihrer Residenz im fernen Las Vegas nicht verborgen bleibt.

Nur noch selten kommt sie über den großen Teich in ihre Heimat. Das Familienglück stellt die zweifache Mutter über die öffentlichen Auftritte. Über das Spielvermögen der 41-Jährigen gab es aber immer wieder Spekulationen.

Petkovic begeistert

Andrea Petkovic, die zuletzt im Viertelfinale der French Open stand, schwärmte nach einem gemeinsamen Training mit Graf: "Ihre Vorhand hat noch die gleiche Power, der Slice ist noch immer eklig, und sie bewegt sich immer noch wie ein Schmetterling über den Platz."

Davon durften sich im Vorfeld der Gerry Weber Open in Halle nun auch endlich wieder die deutschen Fans überzeugen.

An der Seite von Frankreichs Tennisclown Henri Leconte begeisterte Graf vor 12.000 Zuschauern gegen die 22-jährige Görges und den dreimaligen Halle-Champion Jewgeni Kafelnikow (Russland). Beim Spaß-Doppel spielte der 3:6, 6:2, 11:9-Sieg der Tennis-Legende keine Rolle, doch blitzten immer wieder Grafs geniale Grundschläge auf. "Dabei gibt es Monate, in denen ich keinen Schläger in die Hand nehme", erklärte sie anschließend.

"Etwas ganz Besonderes"

"Ein wenig mulmig" war ihr schon, gab Graf angesichts der großen Kulisse zu, richtig nervös war allerdings die sonst so selbstbewusste Aufsteigerin Görges: "Ich war skeptisch, wie ich das meistern würde. Mit Steffi zu spielen, ist etwas ganz Besonderes." Die 22-Jährige weiß genau, wie groß die Fußstapfen sind, die ihr Vorbild hinterlassen hat: "Wir hoffen alle, ihr ein wenig nacheifern zu können. Aber wir können natürlich nicht erreichen, was sie erreicht hat in ihrer Karriere."

Lernen können Görges und Co. allerdings eine Menge von Graf. "Daher habe ich sie auch spontan nach einem Tipp gefragt. Es ist doch interessant, was jemand mit den meisten Erfahrungen in Drucksituationen rät", sagte Fed-Cup-Chefin Rittner, die in Halle für das erste deutsche Rasenturnier für Frauen kämpft.

Grafs Wunsch: Ein Rasenturnier

"Ich habe viele Gespräche geführt und bin auf offene Ohren gestoßen. Hier würde alles passen", erzählte Rittner, nachdem sie ihre ehemalige Weggefährtin Graf in die Pläne eingeweiht hatte.

Nach ihrem ersten Spiel auf deutschem Gras mahnte die siebenmalige Wimbledonsiegerin mit strengem Blick: "Ich verfolge mit Bedenken, dass es immer weniger deutsche Damenturniere gibt."

Mit einem Augenzwinkern wandte sich Graf an Turnierdirektor Ralf Weber: "Ich habe gehört, dass die Zeit für ein Frauen-Rasenturnier reif wäre." Weber nickte stumm. Das Wort der Tennis-Königin zählt mehr als alle Gespräche.

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