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Philipp Kohlschreiber scheiterte in Wimbledon und Paris in Runde eins © dpa Picture Alliance

Philipp Kohlschreiber sieht sich nach seinem Coup gegen Roddick in Cincinnati verbessert, Florian Mayer ist chancenlos.

Cincinnati - Sabine Lisicki hatte es geahnt.

"Andy zertrümmert seinen Schläger und drischt einen Ball ins Publikum. Davon wird er sich nicht mehr erholen", twitterte die Berlinerin live vom Center Court in Cincinnati. (DATENCENTER: Die Ergebnisse aus Cincinnati)

Dort standen sich Philipp Kohlschreiber und Andy Roddick gegenüber, und der ohnehin nicht unbedingt für sanftmütiges Verhalten bekannte "A-Rod" hatte nach einer fragwürdigen Schiedsrichter-Entscheidung im zweiten Spiel des letzten Satzes gerade komplett die Fassung verloren (Die Zusammenfassung im Video).

Roddick schenkt ab

Wenig später dann auch das Match: Kohlschreiber gewann 6:7, 7:5, 6:1 und sieht nach den endlosen Enttäuschungen der letzten Wochen und Monate endlich wieder Licht.

Kohlschreiber ist in Cincinnati der einzige verbleibende Deutsche in der Einzelkonkurrenz. Florian Mayer verlor sein Auftaktmatch einen Tag später gegen Ivo Karlovic sang- und klanglos mit 1:6 und 3:6.

"Ich habe ein komplett anderes Gefühl als heute morgen beim Aufstehen", sagte Deutschlands zuletzt so oft geschlagener Davis-Cup-Recke Kohlschreiber nach seinem Erfolg gegen den US-Amerikaner. (Bericht)

Nach dem Eklat hatte "Kohli" zunächst befürchtet, dass Roddick nun erst recht zu großer Form auflaufen werde, aber der prominente Gegner, der für seinen Ausraster einen Strafpunkt und damit das Break zum 0:2 kassierte, schenkte das Match danach regelrecht ab.

Ernüchterndes Jahr

Für Kohlschreiber, der in diesem für ihn bislang so ernüchternden Jahr bereits gegen Spieler wie Sergej Stachowsky, Albert Montanes und Denis Istomin verlor und in der deutschen Rangfolge dem Kollegen Mayer als Nummer eins den Vortritt lassen musste, war es im sechsten Spiel gegen Roddick der zweite Sieg.

Den ersten hatte er in jener grandiosen dritten Runde der Australian Open 2008 gefeiert, im vielleicht besten Match seiner Karriere. An die Leistung von damals würde der "Kohli" nun gerne wieder anknüpfen, der nächste Prüfstein ist am Mittwoch in Cincinnati der spanische Linkshänder Feliciano Lopez.

Erbitterte Gegenwehr

Bei den Damen begleitete Andrea Petkovic Kohlschreiber in die zweite Runde, sie musste allerdings beim 5:7, 7:6 (7:5), 6:2 gegen die Australierin Jarmila Gajdosova in 2:52 Stunden erst die erbitterte Gegenwehr der Weltranglisten-30. durchbrechen.

"Schön spielen ist anders, aber solche Matches bringen oft mehr als ein leichter Sieg für die Galerie", sagte die an Nummer neun gesetzte Darmstädterin.

Im nächsten Match gegen Lucky Loser Sofia Arvidsson aus Schweden wird Coach Petar Popovic wieder so richtig gefordert sein. "Ich habe manchmal auf dem Platz das Gefühl, überhaupt keine Energie mehr zu haben", erzählte Petkovic: "Dann muss Petar mich immer ein bisschen treten."

Deutsche Niederlagen

Ansonsten gab es für die Deutschen in Cincinnati nur Niederlagen.

Die deutsche Nummer eins Mayer hatte gegen den Kroaten Karlovic nicht den Hauch einer Chance. Nach nur 57 Minuten war das Match gegen den Aufschlagspezialisten verloren.

Tommy Haas, einst die Nummer zwei und mittlerweile nur noch die Nummer 504 der Welt, unterlag dem Argentinier Juan Monaco mit 7:6, 4:6, 3:6.

Damen-Trio früh gesprengt

Auch das deutsche Damen-Trio wurde früh gesprengt, Julia Görges und Sabine Lisicki hatten einfach nicht ihren besten Tag erwischt. "Die beiden Ollen haben es leider nicht geschafft", sagte Petkovic.

Görges versprach nach dem 2:6, 6:1, 4:6 gegen die chinesische Qualifikantin Zheng Jie weiterhin "große Motivation und harte Arbeit. Immerhin spiele ich im Moment wirklich gut, da heißt es dranbleiben."

Lisicki hatte sich nach einem 0:5 im zweiten Satz gegen Shahar Peer (Israel) noch in den Tiebreak gekämpft, verlor aber am Ende mit 4:6, 6:7. "Ich hatte einen schlechten Tag und habe armselig gespielt", gab sie selbstkritisch zu, ehe sie Kohlschreiber bei seinem Coup gegen Roddick unterstützte: "Aber trotz allem habe ich noch nie einen Schläger zertrümmert." Das bringt ja auch nichts.

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