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Michael Stich setzt das neue Spielerfeld für Rothenbaum zusammen
Michael Stich löste 2009 Carl-Uwe Steeb als Turnierdirektor am Rothenbaum ab © imago

Präsident von Waldenfels' Mehrheit schwindet. Daher bringt er Stich als Nachfolger ins Spiel. Sinnlos - meint Dirk Hordorff.

Hamburg - Michael Stich - das ist ein Name um Staat zu machen. Wimbledonsieger 1991, einer aus der großen Ära des deutschen Tennis.

Erfolgreicher Unternehmer inzwischen in Hamburg, Gründer und Leiter einer verdienstvollen AIDS-Stiftung, Turnierdirektor am Rothenbaum. Warum nicht auch Präsident des Deutschen Tennis Bundes (DTB)?

Seit einigen Tagen bereits wabert das Gerücht um eine Kandidatur des 43-Jährigen durch die Flure der DTB-Geschäftsstelle. Eine offizielle Kandidatur von Stich aber gibt es nicht. Am 13. November wird in Berlin der neue Präsident gewählt.

"Solche Spielchen ergeben doch keinen Sinn"

"Gegenüber dem hessischen Verband hat Michael Stich bislang seine Kandidatur nicht erklärt", sagte dessen Präsident Dirk Hordorff, "auch anderen Landesverbänden ist das nicht mitgeteilt worden."

Hordorff vermutet hinter dem Namen Stich ein Ablenkungsmanöver des bisherigen Amtsinhabers Georg von Waldenfels: "Solche Spielchen ergeben doch keinen Sinn."

Offizieller Herausforderer des seit 1999 amtierenden Bayern ist der Investmentbanker Karl-Georg Altenburg. In dem Finanzmanager hat die verbandsintere Opposition um Hordorff nach Jahren einen Kandidaten gefunden, der mehrheitsfähig erscheint.

Von Waldenfels würde weichen

In einer Probeabstimmung konnte er bereits die notwendige Stimmenmajorität der Landesverbände auf sich vereinen. Zehn Tage noch bis zur richtigen Wahl - und jetzt kommt plötzlich Stich ins Spiel.

Der stand am Mittwoch für eine offizielle Stellungnahme nicht zur Verfügung. Kein Kommentar.

Eines ist aber völlig klar: Michael Stich wird sich nicht in einer aussichtslosen Abstimmung verbrennen lassen und Altenburg wird nicht von seiner Kandidatur zurücktreten, nur weil es einen anderen Bewerber gibt.

Von Waldenfels dagegen schon: "Wenn Stich zur Wahl antritt, würde ich meine Kandidatur zurückziehen." Die Nachtigall trappst unüberhörbar.

Auch Bayern wohl pro Amtsinhaber

Laut Informationen des Hamburger Abendblatts hat Helmut Schmidtbauer, der Präsident des bayerischen Landesverbandes, bei Stich vorgefühlt.

Von Waldenfels Heimatverband gilt noch als Unterstützer des Amtsinhabers. Stich genießt große Sympathie bei den "Landesfürsten", die ja oft genug auch Tennisfans sind.

Von Waldenfels, der am Mittwoch auf dem Weg nach Moskau zu einer Tagung des Weltverbandes ITF war, erklärte bereits: "Stich ist ein Mann, der den Verband kennt und aus der Liebe zum Sport heraus agiert. Er sieht uns als Sportverband und nicht als Unternehmen."

Hordorff hofft auf Ende des Spuks

Damit hat er den Kernpunkt seiner Kritik an seinem Kontrahenten zusammengefasst. Der ehemalige bayerische Finanzminister befürchtet, dass der DTB unter dem Investmentbanker zu einem Wirtschaftsunternehmen umgewandelt wird.

Altenburg hat genau dies bereits angekündigt. Ein professioneller Geschäftsführer soll das Tagesgeschäft erledigen, weitere Experten mitarbeiten.

Der Präsident soll eine Art Aufsichtsratsvorsitzender werden. Wie das angesichts der Finanznot des immer noch 1,5 Millionen Mitglieder starken Verbandes zu finanzieren ist, sagte Altenburg bislang noch nicht im Detail.

Sein stärkstes Wahlargument ist möglicherweise einfach der ausgeprägte Wunsch nach einem Abschluss der Ära von Waldenfels: "Ich hoffe, dass der Spuk bald ein Ende hat", sagt Hordorff, "dann kann man sich endlich wieder auf das deutsche Tennis konzentrieren."

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