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Karl-Georg Altenburg folgte im November auf Georg Freiherr von Waldenfels © imago

Der neue DTB-Präsident setzt große Hoffnungen in die deutschen Damen und will das Tennis in Schulen und Einkaufszentren bringen.

Von Daniel Michel

München - Er will Tennis in Deutschland "cool" machen: Das hat Karl-Georg Altenburg bei seiner Wahl zum Präsidenten des Deutschen Tennis-Bundes (DTB) den Delegierten versprochen. (BERICHT: Aufbruch mit Altenburg: Führungswechsel beim DTB).

So arbeitet der Deutschlandchef der renommierten Investmentbank JPMorgan nun daran, Jugendliche für die einstige Sportart Nummer eins hinter Fußball zu begeistern.

"Wir können auch an anderen Orten Tennis spielen, zum Beispiel in der Schule, oder auch abends, da kann auch eine Party laufen", betont der 48-Jährige im Interview bei SPORT1.

Altenburg, Vater von fünf Kindern, will mit Marketingexperten dem Tennis einen Schub verleihen - und auch Boris Becker will er mehr Gehör beim DTB verschaffen.

"Wenn er uns einen Rat geben will, ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, ihm zuzuhören", sagt Altenburg.

Der promovierte Maschinenbau-Ingenieur und frühere Unternehmensberater spielt selbst bei der TC Oberursel Tennis und setzt große Hoffnungen in die deutschen Damen um Andrea Petkovic und Sabine Lisicki. "Ich traue einigen den Sprung nach ganz oben zu", sagt Altenburg. Andrea Petkovic etwa "kann die Nummer eins der Welt werden". (TV: Das ATP-Finale täglich im LIVESTREAM und LIVE im TV auf SPORT1+)

Bei SPORT1 spricht der neue Präsident auch über das "Haifischbecken" DTB und er verrät, welche US-Legende ihn begeistert hat.

SPORT1: Sie versprechen, das Tennis in Deutschland wieder "cool" zu machen. Was verstehen Sie darunter?

Dr. Karl-Georg Altenburg: Ein Sport muss sich mit dem Zeitgeist präsentieren. Die Jugend spricht heute eine andere Sprache und sieht sich mit anderen Freizeitangeboten konfrontiert, als das etwa in meiner Kindheit der Fall war. Die Ansprache ist wichtig, wenn wir wieder mehr Menschen für das Tennis begeistern wollen. Das ist keine Zauberei. Es geht vor allem um Themen des modernen Marketings. Im Auftritt, in der Ansprache und in der Art, wie wir Tennis anbieten, können wir moderner werden.

SPORT1: Die Jugend läuft dem Tennis davon. Wie leiten Sie die Trendwende noch ein?

Altenburg: Das würde ich so nicht stehen lassen. In den zurückliegenden Jahren haben einige Vereine auch Zuwächse bei Kindern und Jugendlichen verzeichnet. Richtig ist aber: Wir müssen insgesamt aktiver auf die Jugend zugehen. Der gesamte Mix muss stimmen. Wichtig ist, was die Zielgruppe mit Tennis verbindet: altmodisch und verstaubt - oder cool? Unser fantastischer Sport hat sich nicht verändert. Wir müssen ihn aber in anderer Form darbringen.

Viele Jugendliche verabreden sich nicht mehr wie wir früher einfach um 15 Uhr im Klub zum Tennis. Wir können auch an anderen Orten Tennis spielen, zum Beispiel in der Schule, oder auch abends, da kann auch eine Party laufen. Street-Tennis etwa ist in Westfalen sehr erfolgreich. Dort gehen die Verantwortlichen raus aus dem Tennis-Klub und rein in die Einkaufsstraßen.

SPORT1: Welche Ihrer Erfahrungen aus der freien Wirtschaft bringen Sie ein, um die Strukturen des DTB zu professionalisieren?

Altenburg: Der DTB ist ein Sportverband mit einer gemeinnützigen Aufgabe. Diesen Status will ich nicht ändern. Der DTB wird nicht zu einem Unternehmen umfunktioniert. Aber wenn ein Verband ein großes Ziel erreichen will, muss er professionell arbeiten. Er muss in allen Bereichen möglichst viel Kompetenz aufweisen. Wir formulieren nun anspruchsvolle Ziele und bauen eine Vision auf. Die Arbeit wird dauern, denn wir haben großen Aufholbedarf. Aber die Herausforderung reizt mich.

SPORT1: Sehnen Sie sich nach einem neuen Boris Becker oder einer neuen Steffi Graf?

Altenburg: Danach sehnen wir uns alle. Aber viele Dinge müssen zusammenkommen und passen. Niemand kann so etwas versprechen. Durch eine exzellente Nachwuchsarbeit erhöhen wir aber die Wahrscheinlichkeit, große deutsche Tennis-Spieler- und Spielerinnen hervorzubringen.

SPORT1: Kann sich der DTB von anderen Nationen - wie etwa den erfolgreichen Spaniern - etwas abschauen?

Altenburg: Wir können in vielen Bereichen auf eine gute Nachwuchsarbeit verweisen, zum Beispiel in Bayern. Aber wir wollen auch von anderen Nationen wie den Spaniern und Franzosen lernen. Dort gibt es viele Ansätze im Nachwuchsbereich, an denen wir uns orientieren können.

SPORT1: Ihr Vertrauter und neuer Vize-Präsident ist Carl-Uwe Steeb. Welche Erwartungen stellen Sie an ihn?

Altenburg: Charly Steeb ist für den Bereich Leistungssport zuständig. Er soll seine Kompetenz aktiv einbringen. Wir müssen unseren Spielern die besten Rahmenbedingungen bieten: in der Ausbildung, im Training - bis hin zur finanziellen Unterstützung. Das zuständige Präsidiumsmitglied muss sich in der internationalen Tennis-Szene auskennen, wissen, wie die Profis denken und bei ihnen anerkannt sein. Charly Steeb bringt enorm viel Erfahrung mit. (BERICHT: Steebs Aufgabe: Qualität erkennen und aufbauen).

SPORT1: Auch Boris Becker wollen Sie einbinden?

Altenburg:...er ist der größte deutsche Tennis-Spieler aller Zeiten. Wir sind mit ihm in Kontakt getreten, um seine Meinung über unseren Weg zu erfahren. Wenn er uns einen Rat geben will, ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, ihm zuzuhören. (BERICHT: Mit Beckers Hilfe: DTB plant große Reformen).

SPORT1: Ist Ihnen ein deutscher Grand-Slam-Sieger lieber - oder höhere Mitgliederzahlen beim DTB?

Altenburg: Ein deutscher Grand-Slam-Sieger würde automatisch dafür sorgen, die Mitgliederzahlen zu steigern.

SPORT1: Dem Herren-Tennis fehlt es an Konstanz. Wo wollen Sie den Hebel ansetzen?

Altenburg: Auch die jetzigen Spitzenspieler haben beachtliche Erfolge erreicht. Wir können aber ihre Entwicklung nicht mehr prägen. Wir müssen ihnen die besten Rahmenbedingungen bieten, uns bei unserer Arbeit aber vor allem auf den Nachwuchs konzentrieren. (SERVICE: Die ATP-Weltrangliste).

SPORT1: Aushängeschild des deutschen Tennis sind die Damen. Was trauen Sie Petkovic und Co. künftig zu?

Altenburg: Ich traue einigen deutschen Damen den Sprung nach ganz oben zu. Sie sind beeindruckende Persönlichkeiten, die hart an sich arbeiten. Andrea Petkovic habe ich bereits persönlich kennengelernt. Sie kann Grand-Slam-Turniere gewinnen. Sie kann die Nummer eins der Welt werden. Aber natürlich gehört am Ende auch ein bisschen Glück dazu.

SPORT1: Sie kennen viele Investoren und Finanziers. Hat sich schon jemand bereit erklärt, dem DTB finanziell zu helfen? Sie beklagen ja, der DTB habe wenig Geld in der Kasse.

Altenburg: Natürlich besitze ich Kontakte zu Unternehmern, aber die haben nichts zu verschenken. Als DTB müssen wir zunächst eine Bestandsaufnahme vornehmen und ein Konzept ausfeilen. Danach müssen wir mit schlüssigen Konzepten überzeugen und um Unterstützung werben, um bei Firmen eine Chance zu erhalten. Meine Kontakte können ein Türöffner sein, aber das Konzept ist das Entscheidende. Sicher ist: Der Tennis-Markt bietet große und vielfältige Möglichkeiten.

SPORT1: Zahlreiche Landesverbände im DTB gelten als zerstritten und haben in den vergangenen Jahren Fehden und Intrigen ausgetragen. Wie gehen Sie mit dem "Haifischbecken" um?

Altenburg: Es wird ein wesentlicher Erfolgsfaktor unserer Arbeit sein, ob es dem Präsidium gelingt, die Landesverbände zu einen. Sie hinter unseren Weg zu bringen, ist eine große Herausforderung. Bei den Wahlen herrschte mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit bereits große Einigkeit. Wir arbeiten hart, um auch das andere Drittel vom Präsidium zu überzeugen. Die Unterstützung der Verbände erreichen wir nur, wenn sie überzeugt sind, dass sich unser Weg auch für sie lohnt.

SPORT1: Für wen schlägt Ihr Herz als Tennisfan beim ATP-Finale (täglich im LIVESTREAM und LIVE im TV auf SPORT1+) in London?

Altenburg: Ich drücke besonders Philipp Petzschner die Daumen, im Doppel weit zu kommen. Im Einzel ist Rafael Nadal mein Favorit.

SPORT1: Und welcher Spieler hat Sie früher begeistert?

Altenburg: Natürlich Boris Becker, aber auch John McEnroe. Er hat in der Generation vor Becker die begnadete Mischung aus Talent und Kampfeswillen besessen. Sein Volley-Stop war einzigartig. Seine Persönlichkeit und Ausstrahlung - mit allen Ecken und Kanten - hat mich begeistert.

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