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Karl Altenburg folgte im November 2011 auf Georg Freiherr von Waldenfels © getty

Weltweit boomt das Tennis, doch Deutschland hinkt hinterher. Karl Altenburg will das als neuer DTB-Präsident ändern.

München - Karl Altenburg rechnet. Nicht mit kurzfristigem Erfolg, dafür kennt der Topmanager der Investmentfirma JP Morgan das Geschäft zu genau.

In seiner neuen Rolle als Präsident des Deutschen Tennis Bundes (DTB) kalkuliert Altenburg lieber mit handfesten Zahlen.

Mehr als 1,5 Millionen Mitglieder, mehr als 45.000 Plätze und mehr als 9500 Klubs machen den DTB zum größten Tennisverband der Welt.

Dem gegenüber stehen: Keine Weltstars, keine großen Turniere und eine überschaubare Medienpräsenz.

"Das Potenzial dieser Sportart verspricht einen Return", sagt Altenburg, der mittlerweile 100 Tage im Amt ist.

"Müssen Anschluss wiederfinden"

Mit "Return" bezeichnet Altenburg die Gegenleistung, die Unternehmen bekommen, die in den Verband investieren:

Mediale Aufmerksamkeit durch Grand-Slam-Titel wie zu ruhmreichen Zeiten von Boris Becker und Steffi Graf.

"Weltweit boomt das Tennis", sagt Altenburg, und Deutschland muss den Anschluss wiederfinden.

Investment in Marke Tennis

"Es geht um ein Investment in eine Sportart, um die Marke 'deutsches Tennis' wieder aufzubauen."

Dies ist ein weiterer Satz, den Altenburg nicht müde wird zu wiederholen. Für den Mann, der Georg von Waldenfels im November 2011 nach zwölf Jahren an der Verbandsspitze abgelöst hat, dreht sich die Tennis-Welt vor allem um "Konzepte".

Selbst seinem Vizepräsidenten Carl-Uwe Steeb, im DTB für den Leistungssport zuständig, kommt der 48-Jährige bisweilen "kühl und professionell" vor.

Steeb: "Er geht sehr strategisch vor und ist ein sehr erfahrener Manager. Sie müssen ihn aber mal erleben, wenn er Tennis guckt. Da entwickelt er so viel Leidenschaft."

Unglückliche Auftritte der Nationalteams

Diese Hingabe braucht Altenburg vor allem, um Investoren zu überzeugen, sich für die noch immer marode Marke "deutsches Tennis" zu engagieren (EXKLUSIV: Altenburg im SPORT1-Interview).

Die Auftritte der beiden Nationalmannschaften - Altenburg will diesen Begriff ausdrücklich für das Fed-Cup- und Davis-Cup-Team prägen - waren zuletzt unglücklich (DATENCENTER: Alle Ergebnisse).

Die Niederlagen gegen Tschechien (Bericht) und Argentinien (Bericht) trugen wenig dazu bei, den "Markenauftritt" zu polieren.

Charly Steeb weiß: "Erfolg braucht Zeit."

Damen überzeugen

Und mit jedem Turniersieg auf der Profi-Tour wird auch der DTB für mögliche Geldgeber attraktiver.

Seit geraumer Zeit schreiben die Damen positive Schlagzeilen, Angelique Kerber aus Kiel gewann sogar in Paris gegen Maria Scharapowa und schließlich das Turnier.

Porsche hat die Fortschritte mit einem Premiumvertrag honoriert - ein erster Schritt auf Altenburgs langem Weg, den Verband zu vergangenem Ruhm zurückzuführen.

Zehn Jahre keine Investition

"Wir haben zehn Jahre nicht mehr in diesen Sport investiert", sagt der Präsident.

Nun müsse die Hilfe für einen Neuanfang aus der Industrie kommen. Investmentbanker Altenburg weiß so gut wie kein Zweiter, dass die hochgesteckten Ziele kaum günstig zu erreichen sein werden.

Nachwuchskonzept stockt

Besonders der Nachwuchs fordert Mittel, die der Verband bislang noch nicht besitzt.

"Wir wollen ganz gezielt individuell fördern, aber auch die Zentren stärken", umschreibt Steeb das Konzept, das auf der DTB-Agenda weit oben steht und möglichst bald präsentiert werden soll. Anleihen aus der erfolgreichen Talentschulung des Fußballs sind daher kein Tabu. "Auch von anderen Nationen, wie zum Beispiel Frankreich, können wir viel lernen", sagt Altenburg.

Nach 100 Tagen im Amt hat er erkannt: Der Weg ist weit, um im DTB wieder mit der Größe "Erfolg" rechnen zu können.

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