Neuer Teamchef Arriens: "Ein absoluter Topmann"
München - Bevor sich Carsten Arriens über seine Beförderung zum neuen Davis-Cup-Teamchef des Deutschen Tennis Bundes so richtig öffentlich freuen konnte, bekam er erstmal einen Maulkorb verpasst.
"Ich muss auf die PK am Freitag in Hamburg verweisen", ließ Arriens den SID auf Anfrage wissen: "Das haben wir intern so festgelegt."
Sein künftiger Co-Trainer Michael Kohlmann musste ebenfalls jegliche Stellungnahme ablehnen: "Wir haben intern vereinbart, dass wir vor Freitag um 11 Uhr keine Interviews geben."
"Die Qual der Wahl"
Zumindest bestätigte der DTB am Donnerstagmorgen mit zwölf Stunden Verspätung das, was schon am Mittwochabend öffentlich geworden war.
"Wir hatten unter mehreren sehr qualifizierten Kandidaten wirklich die Qual der Wahl. Letztlich haben wir uns für Carsten Arriens entschieden, der bereits seit Jahren als Trainer auch für den DTB erfolgreich tätig ist", ließ DTB-Präsident Karl Altenburg verkünden.
Genügend Zeit bis zum Debüt
Zu den prominenteren Kandidaten, die Arriens ausstach, gehören sein Ex-Schützling Alexander Waske und auch der ehemalige Weltranglisten-Fünfte Rainer Schüttler.
DTB-Vize Carl-Uwe Steeb, dessen Wunschkandidat Arriens war, ergänzte: "Mit dieser schnellen Entscheidung erhält Carsten Arriens die nötige Zeit, um sich auf seine neue Aufgabe und das Spiel in Argentinien entsprechend vorzubereiten."
Volle Unterstützung von Waske
Der Nachfolger des vor drei Wochen im Streit vom DTB geschiedenen Patrik Kühnen genießt in der Szene immerhin einen recht ordentlichen Ruf.
"Carsten ist ein absoluter Topmann", sagte Waske, zwischenzeitlich selbst als Davis-Cup-Kapitän gehandelt und drei Jahre mit Arriens als Trainer auf der Tour unterwegs: "Ich kenne ihn als ehrlichen Sportsmann, leidenschaftlichen Tennisspieler und hochmotivierten Trainer. Ich unterstütze ihn voll und ganz."
Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner wünscht dem neuen Kollegen vor allem "das richtige Händchen".
Kohlschreiber begeistert
Das hatte Kühnen längst nicht mehr, er war unter anderem auch am Votum der Spieler gegen seine Person gescheitert.
Dem neuen Mann auf der Bank garantieren die Protagonisten mit den kurzen Hosen dafür jede Unterstützung.
"Ich habe bei Kurhaus Aachen total gute Erfahrungen mit Carsten Arriens als Bundesliga-Teamchef gemacht", sagte Philipp Kohlschreiber: "Er ist ein guter Typ und ein guter Trainer."
Nicht nur "Kohli", sondern ein Großteil des deutschen Davis-Cup-Teams - Kohlschreiber, Mayer, Philipp Petzschner und Cedrik-Marcel Stebe - ist bei diesem Klub aktiv.
Mammut-Aufgabe Argentinien
Florian Mayer, der wie Kohlschreiber in der Münchner TennisBase Oberhaching trainiert, freut sich auch auf die Zusammenarbeit mit Michael Kohlmann: "Jetzt ist hoffentlich endlich die Grundlage dafür geschaffen, mit einem konkurrenzfähigen und starken Team im Febraur nach Argentinien zu fliegen."
Dort wird Arriens vom 1. bis 3. Februar 2013 seine Feuertaufe auf der deutschen Bank erleben, der Gegner ist auch ohne Spitzenspieler Juan Martin del Potro einer der schwersten überhaupt.
Zwei Jobs für Arriens
Arriens war acht Jahre lang zwischen 1991 und 1999 als Profi auf der ATP-Tour unterwegs, spielte sich bis auf Position 109 der Weltrangliste, nahm an vier Grand Slam-Turnieren teil und gewann einen ATP-Titel.
Er schloss die DTB-A-Trainerausbildung 2003 als Lehrgangsbester ab, gewann als Teamchef zweimal mit Kurhaus Aachen die deutsche Meisterschaft und ist bereits seit 2002 als Honorartrainer für den DTB tätig.
2013 betreut Arriens außerdem Tourspieler Matthias Bachinger (München) - eine Ämterdopplung, die nicht allen gefällt.
An Emotionen fehlt es nicht
Arriens lebt mit seiner Ehefrau und seinen beiden Töchtern in Köln, auf seiner Homepage (carsten-arriens.de) bietet er "Gesundheitscoaching und Personal Training im Raum Köln" an.
Obwohl er in der Domstadt lebt, sympathisiert Fußball-Fan Arriens mit dem Bundesliga-Rivalen Borussia Mönchengladbach. Er gilt als ausgesprochen emotionaler Typ, in seiner Zeit als Tennisprofi war er zwischenzeitlich der Spieler mit den meisten Disqualifikationen.
Schüttler angefressen
Der frühere Weltranglistenfünfte Rainer Schüttler, der zwischenzeitlich ebenfalls als heißer Kandidat für die Kühnen-Nachfolge galt, wollte sich zunächst nicht zu der Personalie Arriens äußern.
Auch der Frage, ob sich denn der DTB tatsächlich ernsthaft um ihn bemüht habe, wich Schüttler aus. Wenn er sich um jemanden bemühe, so ließ er immerhin ausrichten, "sieht das meistens anders aus."