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Boris Becker war zwölf Wochen die Nummer eins der Weltrangliste © getty

Boris Becker kritisiert einmal mehr seine Erben - lobt aber Kerber und Co. Er selbst fühlt sich unverstanden und plant ein Buch.

München - Seine Pokerleidenschaft bereitet Boris Becker derzeit eine Menge Freude, doch bei den Gedanken an die Situation im deutschen Tennis und sein Bild in der Öffentlichkeit kehrt schnell wieder Ernüchterung ein.

Tommy Haas und das "Fräuleinwunder" machen ihm Spaß, darüber hinaus sieht der 45-Jährigen wenig Licht am Horizont.

Vor allem das Nachwuchssystem und seine Nachfolger bei den Herren müssen Kritik einstecken.

"Die Grube, in die das deutsche Tennis gefallen ist, ist riesengroß. Da kommt man nicht in einem oder zwei Jahren raus. Das dauert viel länger", sagte Becker.

Keine Hoffnung auf Besserung

Hoffnung auf eine kurzfristige Besserung hat der dreimalige Wimbledonsieger vor allem bei den Herren nicht.

"Die sensationellen Erfolge sind derzeit Mangelware. Es geht ja schon seit einigen Jahren so, dass die Frauenriege deutlich stärker ist als die Männerriege", sagte der 45-Jährige:

"Da darf man natürlich auch das Hickhack um das Davis-Cup-Team mit dem Rücktritt von Patrick Kühnen nicht verschweigen."

Kohli "denkt ein bisschen mehr an sich"

Vieles hänge, so Becker, von den Führungspersönlichkeiten und deren Einstellung ab. "Das sind aber alles Einzelunternehmer. Gerade der Philipp (Kohlschreiber, Anm. d. Red.) denkt ein bisschen mehr an sich als an die Nationalmannschaft oder das Olympiateam", sagte Becker:

"Das ist schade, aber das muss jeder für sich selbst entscheiden. Bei den Damen ist das aber anders. Deswegen werden auch die Erfolge medial mehr wahrgenommen."

"Kleines Sportwunder" Haas

Explizit von seiner Kritik verschont blieben die deutschen Frauen um Angelique Kerber und der 35-Jährige Tommy Haas.

Er selbst habe Haas ein solches Comeback nicht zugetraut. Ein "kleines Sportwunder" sei der gebürtige Hamburger, der derzeit als bester Deutscher auf Platz 14 der Weltrangliste liegt (DATENCENTER: Alle Ergebnisse).

Lob für die Damen

Neben Haas machen Becker aber zumindest die deutschen Frauen Mut - vor allem die Weltranglistensechste Angelique Kerber.

"Angelique spielt fantastisch. Sie ist häufig die letzte Mohikanerin, die noch die Fahne hochhält. Nur durch sie weiß man, dass auch in Deutschland noch Tennis gespielt wird", sagte er.

Auch die immer wieder vom Verletzungspech gebeutelte Andrea Petkovic hat bei Becker Eindruck hinterlassen: "Ich hoffe, Andrea findet den Weg wieder zurück in die Top Ten."

Becker glaubt an Altenburg

Bei aller Kritik: In Schutz nahm der ehemalige Tennisprofi, der in seiner aktiven Zeit zwölf Wochen die Nummer eins gewesen war, den seit eineinhalb Jahren amtierenden Verbandspräsident Karl-Georg Altenburg.

"Ich glaube, wir haben den richtigen Präsidenten und das richtige Team, aber es dauert seine Zeit. Es wurden viele große Fehler gemacht", betonte er. Eine Zusammenarbeit zwischen Becker und dem DTB scheiterte jedoch vor kurzem (NEWS: Alles zum Tennis).

Fördersystem ein Auslaufmodell

Einen klaren Ansatzpunkt hat der gebürtige Leimener dennoch. Das föderalistische Fördersystem für den deutschen Nachwuchs sieht er als Auslaufmodell an.

"Wir haben viel zu lange an verkrusteten, alten Strukturen festgehalten", sagte er. Erfolgreiche Nationen verfolgten einen zentralistischen Ansatz: "Möglicherweise funktioniert das Tennis heute anders."

Neues Buch im Oktober

Den fehlenden Willen zu neuen Denkweisen beklagt Becker auch bei einem anderen Thema: seinem Image - vor allem in Deutschland.

"Ich war gerne der 17-jährige Leimener, mittlerweile bin ich aber 45. Was ich mit 20 oder 25 getan oder gesagt habe, hat nichts mehr damit zu tun, wie ich heute lebe", sagte der mittlerweile in London lebende Becker.

Auch deshalb plant er für Oktober ein neues Buch: "Wenn man immer wieder falsch angesprochen werde, nerve das irgendwann: "Man kann gerne kritisieren, was ich heute bin. Aber nicht, was ich vor zehn Jahren gemacht habe. Bei mir gibt es wohl immer Kritik - ganz egal was ich mache."

Bestes Pokerergebnis

Lob konnte Becker dagegen für sein Pokerspiel in den vergangenen Tagen einheimsen.

Bei der European Poker Tour in Berlin belegte er Platz 49, das beste Ergebnis seiner Karriere.

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