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Vor dem Halbfinaleinzug in München war Daniel Brands 141. der ATP-Rangliste © getty

In München kann nur ein Nachwuchstalent überzeugen. Davis-Cup-Chef Patrik Kühnen zieht ein zwiespältiges Fazit "seines" Turniers.

Von Conny Konzack

München - Eine Woche vor dem World Team Cup in Düsseldorf und zwei Wochen vor dem zweiten Grand-Slam-Turnier des Jahres geht es dem deutschen Männertennis sportlich noch schlechter als im März, als man im Davis-Cup um ein hauchdünnes 3:2 gegen Österreich zittern musste.

Mit hohen Erwartungen ging erstmals die gesamte deutsche Tennis-Elite in die 94. Internationalen Bayerischen Meisterschaften in München (BMW Open) ? mit 450.000 Dollar nur in der untersten internationalen Kategorie eingestuft.

Und mit Ausnahme von Halbfinalist Daniel Brands (Brands: Finalchance "leichtfertig verschenkt") konnte der gesamte DTB-Kader inklusive der Ersatz- und Nachwuchsspieler nicht auf ganzer Linie überzeugen.

Kühnen atmete tief durch

Davis-Cup-Chef Patrick Kühnen, in Personalunion auch Turnierdirektor der BMW-Open, gab sogar zu: "Als schon am Donnerstagabend nur noch einer von elf gestarteten Deutschen im Feld waren, dazu auch noch das weltbeste Doppel, die Bryan-Zwillinge, in Runde eins ausgeschieden waren, musste ich erstmals ein paar Mal tief durchatmen."

Der 43-Jährige zog ein zwiespältiges Fazit: "Ich bin stolz auf mein Turnier (...), auch wenn aus deutscher Sicht der ein oder andere Leistungsträger die Erwartungen nicht erfüllen konnte. Aber bis zum Davis Cup in Spanien ist ja noch etwas Zeit."

Vor allem die Arrivierten Nicolas Kiefer, Rainer Schüttler und Philipp Kohlschreiber stehen im Visier der Kritiker. Ihr Auftreten in München endete schon in den Runden eins und zwei. (DATENCENTER: Alle Tennis-Ergebnisse)

Hinsichtlich der Zukunft des Davis Cup Teams betonte Kühnen allerdings, dass er "noch sieben Wochen Zeit hat, um das Team für Marbella aufzustellen. Und natürlich wird allein die Leistung entscheidend sein."

Kohlschreiber blamiert

Besonders Kohlschreiber, immerhin Sieger des Turniers 2007, hinterließ ratlose Minen ? und war nach der Blamage gegen den Kroaten Marin Cilic (0:6, 4:6) selbst fassungslos: "Dass ich mich vor meinen Landsleuten so schlecht präsentiere ist maßlos enttäuschend."

Der Augsburger wirkte konfus: "Beim Boxen hätte ich gewünscht, dass mir das Handtuch in den Ring geworfen wird. Ich habe einfach zu viele Dinge im Kopf, sobald ich den Tennisplatz betreten und muss dringend mit meinem Umfeld reden."

Dazu gehört auch sein neuer schwedischer Coach Tomas Hogstedt, ein knallharter Mann, der Kohlschreiber sofort das Doppelspiel verbot. Hogstedt spricht kaum Deutsch, Kohlschreiber kein Schwedisch ? und nur mäßig Englisch.

"Aber am Trainer liegt?s nicht", schob Kohlschreiber schnell nach, als er sich noch auf dem Platz zum schwierigen Verhältnis mit Hogstedt äußerte.

"Kiwi" kein Freund der Asche

Kiefer, der Held im Davis Cup gegen Österreich, kam in seiner ersten Saisonanalyse Anfang Mai gleich auf den Punkt: "Sandplätze und ich ? wir werden nie Freunde."

Und Rainer Schüttler, der zwar für das beste Comeback 2008 von der ATP geehrt wurde, konnte über sein enttäuschendes 3:6, 3:6 im Auftaktspiel gegen den Qualifikanten Thiemo de Bakker "nur noch lächeln" - und hofft nun auf das Turnier in Madrid (LIVESCORES) .

Denis Gremelmayr, Björn Phau, Dieter Kindlmann, Mischa Zverev, Sascha Kloer machte die Höhenlage Münchens und das entsprechend veränderte Ballsprungverhalten zu schaffen.

Drei DTB-Cracks in guter Verfassung

Bei den BMW Open zeigten nur drei Deutsche gute Form. (Die ATP-Weltrangliste)

Philipp Petzschner überzeugte trotz seines 2:6, 7:6, 6:7 (8:10) gegen den ehemaligen Weltranglisten-Ersten Lleyton Hewitt. Linkshänder Andreas Beck scheiterte erst im Tie-Break des dritten Satzes am früheren Top-Ten-Spieler Tomas Berdych, der in München ein überaus starkes Comeback feierte.

Daniel Brands, mit einer Wildcard angetreten, überraschte alle: "Mir fehlte im Halbfinale gegen Michael Youzhny nur etwas Erfahrung, bin aber mit der Münchner Woche absolut zufrieden." Der 21-Jährige drang bis ins Halbfinale vor und empfahl sich für höhere Aufgaben.

Kühnen versprach: "Wenn Brands die Form von München bestätigt, kann er auch mal eine Alternative für das Davis-Cup-Team werden." (Brands bekommt Halbfinale halb geschenkt)

Haas in München, aber nicht auf der Anlage

Letzterer enttäuschte in München vor allem die Sponsoren: "Wir haben nur gehört, dass er ständig in München war und auch bei der Players-Party mitgefeiert hat. Dann hätte er ja mal wenigstens vorbeischauen können", so ein Vertreter.

Haas hatte seine Teilnahme am Turnier kurzfristig abgesagt. "Aus sportlichen Gründen sei er nicht in der Verfassung" in München aufzuschlagen, so seine Stellungnahme.

Innerhalb von fünf Tagen muss sich das geändert haben. Denn statt in München im Hauptfeld zu spielen zog der gebürtige Hamburger es vor, sich beim Masters-Series-Turnier in Madrid mit einer Wildcard durch die Qualifikation zu quälen.

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