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Richard Gasquet ist in der Weltrangliste auf Platz 25 abgerutscht © getty

Nach dem Verdacht des Kokainmissbrauchs meldet sich der Franzose zu Wort. Verbandspräsident und Teamkollegen sind überrascht.

Paris/München - Am Montag war auf der Website der Tennis-Profivereinigung ATP von dem Vorfall (Gasquet positiv auf Kokain getestet) noch keine Zeile zu lesen.

Was nicht sein darf, kann offenbar auch nicht sein.

Richard Gasquet (zum Profil) gilt schließlich als einer der Wechsel auf die Zukunft, ein Spieler aus der gleichen Generation wie Rafael Nadal und Andy Murray.

Das größte französische Talent seit Menschengedenken, bereits als Neunjähriger zierte er das Cover eines französischen Tennismagazins.

Provisorisch suspendiert

Am Sonntag musste der 22-Jährige eine positive Dopingprobe auf Kokain eingestehen. Ihm droht nun eine zweijährige Sperre.

Der Tennisweltverband ITF sprach am Montag eine provisorische Suspendierung aus, über die endgültige Strafe soll nach einer Anhörung des jungen Franzosen zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden.

Haarprobe ist negativ

Im März war Gasquet im Vorfeld des Masters-Turniers in Miami positiv getestet worden. Seitdem hat er alles abgesagt, offiziell wegen andauernder Schmerzen in der rechten Schulter.

Auch beim 1000er-Turnier in Madrid, das am Sonntag begann, fehlt sein Name natürlich in der Startliste.

Gasquet hat sich nach den positiven Proben eine Haarprobe entnehmen lassen, die angeblich keine Spuren von Kokain enthielt.

Natürlich beteuert er seine Unschuld: "Angesichts der Komplexität dieses Falles werde ich Beweise für meine Unschuld zusammentragen und zu einem späteren Zeitpunkt weitere Kommentare abgeben."

Präsident erwartet eine Erklärung

Das wird ihm sicher nicht so leicht fallen. Er muss beweisen, dass die Proben verunreinigt oder vertauscht worden sind.

"Ich erwarte eine Erklärung von ihm, dann werde ich handeln", sagte der Präsident des französischen Tennisverbandes, Jean Gachassin, "ich bin sehr traurig. Ich kenne seinen Charakter und bin sehr überrascht."

Santoro ist überrascht

Auch Fabrice Santoro, der die Entwicklung seines Landsmanns seit dessen frühester Jugend verfolgt, kann sich keinen Kokain-Missbrauch von Gasquet vorstellen: "Ich kenne seinen Lebensstil und bin extrem überrascht. Er ist einfach nicht der Charakter dafür."

Er habe mit Gasquet telefoniert und der sei laut Santoro "absolut schockiert".

Erster Sieg mit 15

Die wechselvolle Laufbahn von Gasquet hat damit einen Tiefschlag erhalten, von dem sich der Franzose möglicherweise nie mehr erholt.

Von seinem Vater, einem Tennislehrer, war Gasquet seit seinem vierten Lebensjahr auf eine große Karriere hintrainiert worden. (Die ATP-Weltrangliste)

2002 triumphierte er bei den Juniorenturnieren in Paris und Wimbledon und konnte mit 15 Jahren und zehn Monaten in Monte Carlo bereits sein erstes Match auf der ATP Tour gewinnen.

Absturz 2008

Er verfügt über ein unglaubliches Talent, kann alles mit dem kleinen gelben Ball und scheint doch den großen Erwartungen nicht gewachsen zu sein.

Gasquets bestes Ergebnis bei einem Grand-Slam-Turnier war das Halbfinale von Wimbledon 2007, es war gleichzeitig sein bestes Jahr, das er als Weltranglisten-Achter abschloss. (DATENCENTER: Alle Tennis-Ergebnisse)

Aber nie war er in der Lage, seine Form konstant zu bringen, 2008 ging es sogar wieder nach unten.

Erstmals seit 2004 konnte Gasquet kein Turnier gewinnen.

Spekulationen ums Privatleben

Über die Gründe für seine fehlende Konstanz gab es bereits zahlreiche Spekulationen, die bis weit ins Privatleben reichen.

Vielleicht ist er aber auch einfach zu labil für den knallharten Profisport.

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