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Mischa Zverev (r.) und Nicolas Kiefer gewan- nen in Düsseldorf alle drei Doppel © getty

Kiefer/Zverev behalten gegen Schweden die Nerven und führen Deutschland ins World-Team-Cup-Finale. Zuvor hatte Kohlschreiber ausgeglichen.

Düsseldorf - Mit Kampfkraft, Moral und einem Doppel auf Weltklasse-Niveau hat Gastgeber Deutschland beim World Team Cup in Düsseldorf zum siebten Mal das Finale erreicht, in dem am Samstag WM-Debütant Serbien der Gegner ist.

Im letzten Gruppenspiel gegen Schweden bogen der souveräne Philipp Kohlschreiber und das neue Paradedoppel Nicolas Kiefer/Mischa Zverev den 0:1-Rückstand noch zu einem 2:1 um.

"Wir wussten, dass wir die Chance haben, das Endspiel zu erreichen", sagte Teamchef Patrik Kühnen: "Jetzt sind wir sehr glücklich und sehr entspannt."

Deutschland gewann die Mannschafts-Weltmeisterschaft 1989, 1994, 1998 und 2005 und stand darüber hinaus 1993 und 2006 im Finale.

Ein Rückhand-Cross-Return, der "gar nicht geht"

"Das ist der größte Tag in meinem Leben", sagte der 21-jährige Mischa Zverev, in Moskau geboren und seit seinem zweiten Lebensjahr (fast) waschechter Hamburger: "Ich hatte auf dem Platz ein Gefühl, als ob sich die ganze Nation mit uns freut, das habe ich so noch nie erlebt."

Beim Stand von 11:11 spielte Zverev im Doppel gegen den aufschlagenden Lindstedt einen Rückhand-Cross-Return zum 12:11, der "eigentlich gar nicht geht", wie Kiefer anerkennend bemerkte: "Aber nur wer wagt, gewinnt auch."

Drei Spiele, drei Siege

Weniger emotional, dafür aber unwiderstehlich souverän hatte Kohlschreiber mit dem 6:1, 6:2 gegen Andreas Vinciguerra das 0:6, 0:6-Debakel von Rainer Schüttler gegen Robin Söderling zum 1:1 ausgeglichen.

"Philipp hat die ganze Woche bärenstark gespielt", sagte Kühnen. "Kohli" gewann seine drei Einzel gegen den Amerikaner Robby Ginepri, den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga und nun gegen Vinciguerra (DATENCENTER: World Team Cup).

Für die Entscheidung sorgten Kiefer und Zverev mit dem 7:6 (7:4), 4:6, 13:11 gegen Söderling und Robert Lindstedt.

Debakel für Schüttler

Ganz anders hatte sich tags zuvor Rainer Schüttler präsentiert. Mit einem 0:6, 0:6 gegen den grandios aufspielenden Robin Söderling hatte er den Final-Hoffnungen der deutschen Mannschaft einen herben Dämpfer verpasst (Debakel für Schüttler). "Ich weiß gar nicht, ob ich lachen oder weinen soll", sagte Schüttler mit einem schiefen Grinsen im Gesicht: "Ich glaube, ich muss das einfach mit Humor nehmen."

45 gnadenlose Minuten lang wurde Deutschlands Nummer eins auf dem Centre Court des Düsseldorfer Rochusclubs vorgeführt, Söderlings Vorhand zerschmetterte Spiel, Moral und Willen seines Gegners.

Fair-Play-Trophäe als Trost

Erst zum zweiten Mal in der Geschichte der Mannschafts-Weltmeisterschaft endete ein Einzel mit der "Doppel-Null": 1987 hatte der Stuttgarter Damir Keretic mit 6:0, 6:0 gegen den Australier Paul McNamee gewonnen.

Als Schüttlers letzte Vorhand beim Matchball gegen Söderling wieder einmal weit im Aus landete, "da hätte ich mich am liebsten fünf Meter tief vergraben". Das ging aber nicht, und so ging der Deutsche tapfer zum Netz und gratulierte dem Schweden. Als kleinen Trost bekam der "Shaker" zwei Stunden nach dem Match die Fairplay Trophy des Veranstalters überreicht.

Franzosen gehen unter

Mit einem 2:1-Sieg gegen Frankreich verabschiedeten sich die USA aus dem Rochusclub.

Die mit den beiden Top-Ten-Spielern Gilles Simon und Jo-Wilfried Tsonga angereisten Franzosen enttäuschten dagegen mit drei Niederlagen in drei Spielen.

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