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Nicolas Kiefer (l.) war im Januar 2000 Vierter der ATP-Weltrangliste © getty

Trotz der deutlichen Pleite im Endspiel des World Team Cups gegen Serbien überwiegen beim DTB-Teamchef die positiven Aspekte.

Düsseldorf - Nach dem verlorenen Finale gab es am Ende doch noch einen deutschen Sieg.

"Nicolas Kiefer und Mischa Zverev haben sich durch ihre Leistungen in dieser Woche definitiv für den Davis Cup empfohlen", sagte Teamchef Patrik Kühnen nach dem 1:2 gegen Serbien im Endspiel des World Team Cups.

Mit 7:5, 4:6, 10:7 hatten Kiefer und Zverev gegen das serbische Spitzenduo Nenad Zimonjic/Viktor Troicki gewonnen und damit den Ehrenpunkt gerettet (DATENCENTER: World Team Cup).

Obwohl es die Gastgeber durch zwei schwache Einzel von Rainer Schüttler und Philipp Kohlschreiber verpassten, als erste Mannschaft im Rochusclub zum fünften Mal den Titel zu gewinnen, überwog bei Kühnen die Zuversicht: "Wenn man die ganze Woche noch einmal Revue passieren lässt, haben wir viele positive Lichtblicke gesehen."

Weltklasse-Doppel Kiefer/Zverev

In erster Linie das Doppel, in dem der 21-jährige Mischa Zverev und der elf Jahre ältere Nicolas Kiefer prächtig miteinander harmonierten. Die beiden blieben in ihren vier Matches ungeschlagen und gewannen am Ende den von der "Rheinischen Post" ausgelobten Doppelpokal (DTB-Team auf dem "aufsteigenden Ast").

"Was Kiwi und Mischa hier gezeigt haben, war Weltklasse-Niveau", stellte Kühnen fest. Abgeklärt und routiniert spielten die beiden, gleichzeitig aber auch mit Herz und viel Leidenschaft.

Einpeitscher Zverev

Für die großen Emotionen war Linkshänder Zverev zuständig. Bei der Siegerehrung trug der in Moskau geborene Schlaks mit dem fröhlichen Charme eines großen Jungen stolz einen Deutschland-Schal um den Hals - Bekenntnis zur neuen Heimat, in der seine Eltern vor 19 Jahren sesshaft wurden.

Auf dem Platz personifiziert Zverev, in dessen Stimme nur ein winziger kehliger Hauch seine Wurzeln verrät, Spielfreude, Begeisterung und Risikobereitschaft - mit einem breiten Grinsen im Gesicht stellt er seine Freude über gelungene Aktionen offen zur Schau und reißt dabei das Publikum mit.

Siege über Ginepri und Tsonga

Zverev verkörpert ohne Zweifel die Zukunft im zuletzt nicht gerade erfolgverwöhnten deutschen Tennis, Philipp Kohlschreiber steht für eine solide, wenn auch nicht überragende Gegenwart.

Seine Siege gegen Robby Ginepri, Jo-Wilfried Tsonga und Andreas Vinciguerra, mit denen er Deutschland im Titelrennen gehalten hatte, wurden allerdings von dem schwachen Final-Auftritt gegen Janko Tipsarevic (2:6, 4:6) überlagert.

Mit Selbstvertrauen nach Paris

Dennoch verließ der 25-jährige Augsburger Düsseldorf mit einem deutlich gewachsenen Selbstvertrauen in Richtung Paris, wo am Sonntag die French Open begannen: "Dort geht es ja über drei Gewinnsätze, das kommt mir entgegen."

Eine bemerkenswerte Feststellung, hatte Kohlschreiber doch bei den Australian Open in Melbourne noch mit seiner Forderung nach einer Spielzeitverkürzung für viel Aufsehen gesorgt.

Nur ein starkes Match

Es gab aber in Düsseldorf auch Frust und Enttäuschung. Rainer Schüttler ließ bis auf sein gutes Match gegen Frankreichs Top-Ten-Spieler Gilles Simon viel von dem vermissen, was ihn einst so stark gemacht hat.

Den Tiefpunkt erlebte der sympathische Hesse beim 0:6, 0:6-Debakel gegen den Schweden Robin Söderling (Debakel für Schüttler) - ein Loch, aus dem er beim 4:6, 6:7 (5:7) im Finale gegen Viktor Troicki nur ansatzweise wieder rauskam.

Noch ein, zwei Jahre

Dass er möglicherweise schon die Vergangenheit im deutschen Tennis verkörpern könnte, wies der 33-jährige Schüttler dennoch weit von sich: "Ich hoffe schon, dass ich noch ein, zwei gute Jahre habe und ein paar gute Turniere spielen kann."

Es wäre ihm zu wünschen.

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