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Nicolas Kiefer verpasste die Chance, in sein 20. ATP-Finale einzuziehen © getty

Seit zehn Jahren hat es kein Deutscher ins Stuttgarter Finale geschafft. Diesmal brachte Chardy das Aus für die Lokalmatadoren.

Stuttgart - Der Stuttgarter Weissenhof bleibt für die deutschen Tennisprofis 18 Jahre nach Michael Stichs Turniersieg weiterhin unbezwingbar.

Als letzter Deutscher scheiterte Nicolas Kiefer (Doppelschicht zu viel für "Kiwi") im Halbfinale mit 3:6, 5:7 am späteren Sieger Jeremy Chardy. Der Franzose hatte wenige Stunden zuvor im Viertelfinale auch Kiefers Davis-Cup-Doppelpartner Mischa Zverev mit 7:6 (7:4), 6:1 ausgeschaltet.

Letzter deutscher Finalist auf dem Weissenhof war Tommy Haas, der 1999 das Endspiel gegen den Schweden Magnus Norman verloren hatte.

"Das lässt für die US-Tour hoffen"

"Ich bin ein bisschen enttäuscht, dass es so zuende gegangen ist", sagte Kiefer, der bei leichtem Nieselregen und ungemütlichen Temperaturen vergeblich gegen das Bollwerk Chardy angerannt war.

Trotzdem konnte Kiefer, der erstmals seit 1997 wieder auf dem Weissenhof dabei war, der Stuttgarter Woche auch etwas Positives abgewinnen: "Ich habe drei Matches in Folge gewonnen und fühle mich in guter Verfassung. Das lässt für die US-Tour hoffen."

Chardy bezwang im Finale den Rumänen Victor Hanescu 1:6, 6:3, 6:4, feierte seinen ersten Titel auf der ATP-Tour und durfte sich über ein Sieger-Preisgeld von 71.700 Euro sowie ein Coupe des Hauptsponsors Mercedes freuen.

"Meine Beine haben 500 Kilo gewogen"

Der 21-jährige Mischa Zverev zeigte dagegen im Verlauf der Woche zwei Gesichter.

Im Achtelfinale schlug er nach einer bravourösen Leistung (Zverev überascht - Kohlschreiber enttäuscht) den an Nummer eins gesetzten Gilles Simon (Frankreich) mit 6:4, 6:2 und beeindruckte dabei durch sein druckvolles Spiel.

Linkshänder Zverev hatte keinerlei Respekt vor dem Weltranglisten-Siebten Simon, den er bereits auf dem Weg ins Masters-Viertelfinale von Rom besiegt hatte.

Vielleicht war es der eine Tag Pause, den das schlechte Wetter in Stuttgart am Freitag erzwang, der Zverev aus dem Rhythmus gebracht hatte. "Meine Beine haben 500 Kilo gewogen", sagte der Hamburger, der gegen Chardy immer einen Schritt zu spät war und nie richtig zum Ball stand.

Zverev im Doppel mit Stich

"Katastrophal" fand Zverev sein Spiel: "Da hat überhaupt nichts gepasst, nichts. Ich habe schon beim Einschlagen gemerkt, dass ich besser zuhause geblieben wäre."

Nach Hause durfte Zverev dann tatsächlich, für ihn steht ebenso wie für den in Stuttgart im Achtelfinale gescheiterten Philipp Kohlschreiber (Augsburg) das in diesem Jahr erstmals ohne Masters-Status durchgeführte Turnier in seiner Heimatstadt Hamburg (DATENCENTER: Alle Tennis-Ergebnisse) auf dem Programm.

Dort wartet auf Zverev eine ganz besondere Aufgabe. Gemeinsam mit dem 19 Jahre älteren Turnierdirektor Michael Stich tritt er im Doppel an.

"Das ist eine große Ehre für mich", sagte Zverev artig.

"Kiwi" weiß, "wie er zu spielen hat"

Kiefer wird in Hamburg fehlen, er bereitet sich auf die US-Hartplatz-Tour vor - nach wie vor alleine und ohne festen Trainer.

"Ich weiß, wie ich zu spielen habe. Um Dinge wie Bälle oder Handtücher kann ich mich allein kümmern. Im späteren Leben wird mir auch nicht alles abgenommen", sagte "Kiwi", der seit April auf eigene Faust unterwegs ist.

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