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Michael Stich stand auch bei den US- und French Open je einmal im Finale © getty

Stichs Zeitreise zurück ins Profileben ist nach zwei Sätzen an Zverevs Seite vorbei. Er muss einiges wegstecken - auch privat.

Hamburg - Nicht blamiert, aber auch keine echte Chance gehabt - das Comeback von Michael Stich als Spieler auf der ATP-Tour war Dienstagnacht um 23.17 Uhr wieder beendet.

Unspektakulär vor am Ende noch knapp 1000 Zuschauern verlor der 40-Jährige im Doppel an der Seite des 19 Jahre jüngeren Mischa Zverev 4:6, 2:6 gegen das Weltklassepaar Simon Aspelin/Paul Hanley (Schweden/Australien). (DATENCENTER: Alle Tennis-Ergebnisse)

"Doppel geht heute anders als früher", musste der Elmshorner mit Wohnsitz in der Hansestadt feststellen: "Es kommt jetzt viel mehr auf die Kraft und auf die Aufschläge an."

Rückkehr in die Gegenwart

Die Zeitmaschine ist wieder ausgeschaltet. Stich ist zurückgekehrt in die Gegenwart und die heißt nicht aktiver Profi, sondern Turnierdirektor der International German Open am Rothenbaum.

Sein selbst gewählter Job ist die Rettung des bedeutendsten deutschen Turniers, Sponsoren akquirieren, Zuschauer locken.

Und deshalb war die Versuchung so groß, den eigenen sportlichen Ehrgeiz mit der Aufgabe als Turnierverantwortlicher zu verbinden. "Das Spiel war kein PR-Gag", sagte der Hamburg-Sieger hinterher.

Auswüchse im Privat-TV

Nun ist der Wimbledon-Sieger von 1991 ja keinesfalls naiv. Er hat verstanden, wie man zusätzliche Aufmerksamkeit erregt und hat dies bei seinem Comeback selbstverständlich mit einkalkuliert.

Das Interesse war groß, 4000 Zuschauer immerhin saßen noch im gigantischen Stadion, als das Match weit nach 22 Uhr begann.

Ein privater TV-Sender, der nie Tennis überträgt, konnte der quotenträchtigen Versuchung nicht widerstehen, Stichs Ex-Frau Jessica im Stadion zu filmen und den Ex-Mann nach ihr zu fragen. Auch solche Auswüchse musste er erwarten.

Kritik hält sich in Grenzen

Mit großem Ehrgeiz spielte Stich das Spiel. Schonung der Gegner gab es nicht, einmal wurde er am Netz "abgeschossen". Er lamentierte mit dem Schiedsrichter, ärgerte sich über verspringende Bälle, verschlug zu viele Volleys und hatte Probleme mit seinem Return.

"Man kann nicht sagen, dass der Spaß überwogen hat", sagte Stich: "Die Frage nach einem erneuten Comeback stellt sich jedenfalls nicht."

Das Thema ist erledigt, und so hält sich auch die Kritik daran in Grenzen, dass sich der Turnierdirektor selbst eine Wildcard für das Hauptfeld gegeben und damit einem aktiven Profi vorenthalten hat.

Legendendoppel passt besser

Für Aspelin/Hanley war die Situation sicher nicht leicht zu bewältigen und der Druck groß. "Ich habe keine Kritik aus dem Umkleideraum gehört", sagte Stich, "aber man hat gesehen, dass die Gegner das Match ernst genommen haben."

Seit Mittwoch ist er nun ausschließlich Turnierdirektor. Michael Stich ist auf der Anlage überall präsent, er gibt Autogramme, lässt sich mit Fans fotografieren und kümmert sich um Spieler, Zuschauer und Sponsoren. (Brands gelingt die Sensation - "Kohli" muss kämpfen)

"Mit den ersten vier Tagen bin ich sehr zufrieden, und ich bin nicht hier, um mich zu entspannen, sondern um zu arbeiten", sagt er.

Am Abend stand er auch schon wieder auf dem Platz: Legendendoppel mit den Altstars Henri Leconte, Thomas Muster und Mansour Bahrami - das passte irgendwie besser.

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