vergrößernverkleinern
Nikolai Dawydenko stand beim Masters 2008 im Finale und verlor gegen Novak Djokovic © getty

Der erste russische Rothenbaum-Sieger kehrt zurück in die Top Ten. Auch Dawydenkos Lebenseinstellung hat sich gewandelt.

Hamburg - Das 15-Kilo-Ding packte er am Sonntagabend in den Kofferraum, und dann ging es auf der Autobahn zurück nach Düsseldorf.

Die Arbeitswoche in Hamburg hatte Nikolai Dawydenko äußerst erfolgreich beendet.

6:4, 6:2 im Finale der International German Open am Rothenbaum gegen Paul-Henri Mathieu (Frankreich), der 15. Turniersieg der Karriere.

"Da passt es ja, dass der Preis 15 Kilo schwer ist", sagte Dawydenko und grinste über die Schiffsschraube, die er neben dem Preisgeld von 228.000 Euro erhielt. (Am Rothenbaum siegt erstmals ein Russe)

Charme-Offensive für den Sieger

Der 28-Jährige hat in der Hansestadt die Gunst der Stunde genutzt und nicht nur durch den Turniersieg die Rückkehr in die Top-Ten der Weltrangliste perfekt gemacht. Er hat auch sein Image nachdrücklich verbessert.

Goodbye Tennis-Roboter, Hallo Prinz Charming!

Turnierdirektor Michael Stich hatte ja schon die ganze Woche Werbung für den Top-Spieler der Veranstaltung gemacht und nutzte die Siegerehrung anschließend zu einer weiteren Charme-Offensive.

Dawydenko spricht fließend Deutsch

"Niko ist ein ganz netter, lockerer Typ", sagte Stich: "Er wirkt auf dem Platz nur immer ganz anders."

1996, mit 15 Jahren, kam Dawydenko aus der Ukraine nach Salmtal in Rheinland-Pfalz, wo er bei Bruder Eduard wohnte.

Der betreibt inzwischen eine Tennis-Akademie in Mettmann bei Düsseldorf.

Seit 2004 lebt Dawydenko in Russland, spricht aber fließend Deutsch, trainiert etwa zwei Monate im Jahr bei seinem Bruder und hat deshalb eine ganz besondere Beziehung zu Deutschland.

Titelverteidigung ist geplant

"Ein Turniersieg in Deutschland ist etwas ganz Besonderes für mich", sagte Dawydenko. "Ich war in München schon erfolgreich, habe es in Stuttgart und Halle versucht und freue mich deshalb, dass ich nun in Hamburg gewinnen konnte."

Dass das Turnier nicht mehr zur ersten Kategorie der ATP-Turniere gehört sondern "nur" noch ein 500er ist, stört den Russen nicht: "Ich bin immer nach Hamburg gekommen und werde das auch in Zukunft tun."

"Man verliert alles"

Mit dem Erfolg meldete er sich wieder unter den Allerbesten auf der Tour zurück. Im April war er erstmals seit vier Jahren aus den Top-Ten gefallen, eine hartnäckige Fersenverletzung kostete ihn zu Beginn des Jahres drei Monate.

"Nach so einer Verletzung verliert man alles, physisch und psychisch", sagte er: "Jetzt aber nähere ich mich wieder den hundert Prozent."

"Es kann jeden Moment vorbei sein"

In dieser Woche schlägt er bereits wieder beim Turnier im kroatischen Umag auf, danach geht es in die USA zur Vorbereitung auf die US Open. (DATENCENTER: Alle Tennis-Ergebnisse)

"Ich werde jetzt jede Woche genießen, das habe ich aus der Verletzungspause gelernt. Es kann mit der Karriere jeden Moment vorbei sein."

Aber auch dafür sorgt er bereits vor. Mit Ehefrau Irina sucht er eine Wohnung in Moskau: "Das Preisgeld kommt mir da gerade recht", sagt er und lacht: "Moskau ist ein bisschen teurer als Hamburg."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel