vergrößernverkleinern
Philipp Kohlschreiber erreichte 2008 das Finale der Gerry Weber Open © getty

Philipp Kohlschreiber gibt sich trotz der verhaltenen Erfolge der deutschen Tennis-Asse 2009 bei Sport1.de zuversichtlich.

Von Julian Ignatowitsch

München - Die Bilanz des Tennisjahrs 2009 fällt aus deutscher Sicht zugegebenermaßen ähnlich unspektakulär wie in den vergangenen Jahren aus.

Dass sowohl das ATP Masters Finale in London als auch das WTA Masters Finale in Doha einmal mehr ohne deutsche Beteiligung über die Bühne gingen, ist längst die Regel geworden.

Kein deutscher Spieler stand Dezember 2009 unter den Top 15 der Weltrangliste - von einem Grand-Slam-Titel ganz zu schweigen.

"Stehen besser da, als oft behauptet"

Dennoch muss man damit nicht automatisch bei den Namen Boris Becker, Steffi Graf und Michael Stich sowie einem Hochgesang auf die gute alte Zeit, als ein Wimbledon-Finale noch Volksereignis war, landen.

Bei aller Kritik gibt es Positives zu vermelden und Philipp Kohlschreiber hat gar nicht so unrecht, wenn er bei Sport1.de feststellt:

"Sicher leidet das deutsche Tennis darunter, dass wir derzeit keinen absoluten Top-Mann haben. Dafür sind wir jedoch sehr breit aufgestellt und haben talentierte junge Spieler. Wir stehen besser da, als oft behauptet."

"Habe mich gesteigert"

Für sich selbst resümiert Kohlschreiber bei Sport1.de: "Das Jahr 2009 war bis jetzt das Beste meiner Karriere."

Auch wenn es für den 26-Jährigen in diesem Jahr zu keinem ATP-Titel reichte, so "war meine Leistung insgesamt konstanter und ich habe mich insbesondere bei den großen Turnieren gesteigert."

Die Top 20 im Auge

Eine Jahresbilanz von 40 Siegen bei nur 25 Niederlagen und Erfolge gegen die Top-10-Spieler Novak Djokovic (6:3, 6:3, 6:3 bei den French Open), Fernando Verdasco (6:4, 6:2, 1:6, 2:6, 8:6 im Davis-Cup) und Jo-Wilfried Tsonga (6:7, 6:3, 6:3 beim World Team Cup) unterstreichen Kohlschreibers Fazit.

"Für die nächste Saison habe ich die Top 20 im Auge, mein großes Ziel ist ein Platz unter den ersten Zehn", blickt der Augsburger optimistisch in die Zukunft.

Haas wieder topfit

Damit würde er Tommy Haas als aktuelle deutsche Nummer eins ablösen. Der 31-Jährige meldete sich 2009 nach zahlreichen Verletzungen und mehreren Operationen an der rechten Schulter eindrucksvoll zurück und scheint wieder topfit zu sein.

Haas verbuchte in Halle einen von zwei deutschen Turniersiegen 2009 bei den Männern (im Finale 6:3, 6:7, 6:1 gegen Djokovic) und wurde von seinem Gegner anschließend über den Klee gelobt.

Den anderen deutschen Sieg holte sich Benjamin Becker ebenfalls auf Rasen in s'Hertogenbosch.

Federer fast besiegt

In Wimbledon konnte Haas den "Joker" erneut bezwingen und scheiterte erst im Halbfinale am späteren Sieger Roger Federer.

Auch bei den French Open sorgte Haas für Furore und hatte den Schweizer im Viertelfinale nach 2:0-Satzführung und Breakball im dritten Satz am Rande der Niederlage.

Haas verlor das Spiel zwar noch und Federer holte seinen lang ersehnten fehlenden Titel in Paris.

Dennoch glückte dem Hamburger damit das erfolgreiche Comeback, das Nicolas Kiefer nach einer erneuten Verletzungs-Odyssee in dieser Saison für das nächste Jahr zu wünschen ist.

Beck gelingt Sprung nach oben

Mit Andreas Beck schaffte in diesem Jahr auch endlich eines der viel gepriesenen Talente bei den Männern den Sprung nach oben.

Der 23-Jährige kletterte in einem Jahr von Weltranglistenposition 110 auf 39, gab sein Debüt im Davis-Cup und verpasste in Gstaad nur knapp seinen ersten ATP-Turniersieg (4:6, 6:7 gegen Thomaz Bellucci).

Hoffnungsträger Lisicki

Die größten Hoffnungen ruhen jedoch mittlerweile auf Sabine Lisicki.

Die 20-Jährige, deren selbst erklärtes Ziel die Nummer eins ist, startete in diesem Jahr bis auf Weltranglistenposition 23 durch und machte vor allem mit ihrer Viertelfinal-Teilnahme in Wimbledon, wo sie mit Swetlana Kusnetsowa und Caroline Wozniacki zwei Top-10-Spielerinnen besiegte, von sich Reden.

In Charleston gelang Lisicki auf Asche zudem ihr erster WTA-Turniersieg (6:2, 6:4 gegen Wozniacki), den zweiten verpasste sie zum Ende der Saison in Luxemburg nur knapp (2:6, 5:7 gegen Timea Bacsinszky).

Vergleich mit Steffi Graf

Fed-Cup-Chefin Barbara Rittner bemühte, ob der aggressiven Spielweise von Lisicki mit ihrem gewaltigen Aufschlag und der wuchtigen Vorhand, schon den Vergleich mit Steffi Graf.

Zu wünschen wäre es dem deutschen Tennis, damit die nostalgische Schwärmerei vielleicht wieder in gegenwärtige Tenniseuphorie umschlägt.

Sport1 Adventskalender: Preise im Wert von über ? 15.000!

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel