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Georg Freiherr von Waldenfels ist seit 1999 Präsident des DTB © getty

Das Turnier in Hamburg soll nicht zweitklassig werden. Deshalb geht der DTB-Präsident gegen ein bestehendes Urteil in Berufung.

Hamburg - Der Deutsche Tennis Bund (DTB) hat den Kampf um den Hamburger Rothenbaum noch nicht aufgegeben.

Der Verband geht in die Berufung gegen das Urteil eines amerikanischen Gerichts vom 5. August, das die Degradierung der Traditionsveranstaltung in die "zweite Liga" der ATP-Turniere bestätigt hatte.

"Ich kann immer noch nicht begreifen, wie es zu diesem Urteil gekommen ist", sagte DTB-Präsident Georg von Waldenfels nach Eingang der schriftlichen Urteilsbegründung in der vergangenen Woche.

"Wir werden weiterhin alles tun, um den Wert des Turniers zu erhalten."

Allianz mit dem Weltverband

Seit ATP-Chef Etienne de Villiers erstmals bei den Australian Open 2006 seine Reformpläne inoffiziell vorgestellt hatte, kämpfte von Waldenfels hartnäckig um den Status Quo des Rothenbaums.

Er schmiedete eine Allianz mit dem Weltverband ITF, versuchte außergerichtliche Einigungen zu erzielen und beschritt schließlich den Weg der Klage.

De Villiers' Vertrag läuft zum Jahresende aus und wird nicht verlängert.

Unbekannter Nachfolger

Von Waldenfels hofft deshalb auf eine Einigung mit dem noch unbekannten Nachfolger: "Wenn ich so ein Amt antrete, dann würde ich doch erst einmal alle Brandherde beseitigen."

Ende 2008, Anfang 2009 könnte es zur nächsten Verhandlung ebenfalls in Delaware kommen.

Von Waldenfels macht sich insbesondere wegen der geänderten Zusammensetzung des Berufungsgerichts Hoffnungen.

Gang in die zweite Instanz

Dann urteilen drei Berufsrichter, im ersten Verfahren gab es nur einen Profi, aber acht Laien-Juroren.

"Wir denken, dass die kartellrechtlichen Fragen vor Gericht nicht richtig beurteilt wurden", so von Waldenfels, "die ATP ist ein geschlossener Markt, das wurde nicht gesehen."

Wenigstens Schadenersatz möchte der DTB bei seinem Gang in die zweite Instanz herausholen.

2,5 Millionen Anwaltskosten

Ohne einen Cent Kompensation wurden ihm von der ATP Status und Termin seiner wichtigsten Veranstaltung entzogen.

Die Millionen-Investitionen zum Ausbau der Anlage (Dach, Zuschauerkapazität) sollen doch wenigstens in Teilen erstattet werden.

2,5 Millionen Euro betragen zudem bislang die Anwaltskosten für den DTB, die ATP soll 15 Millionen Dollar aufgewendet haben.

Nur vier Top-Ten-Spieler in Hamburg

Auch da droht bei einer endgültigen Niederlage vor Gericht noch Ungemach. Möglicherweise wird die ATP den DTB auf Erstattung ihrer Kosten verklagen.

Fast zwei Monate hat das Gericht in Wilmington/Delaware gebraucht, um sein Verdikt gegen den DTB aufzuschreiben.

Wertvolle Zeit bei der Planung für die Zukunft. Der DTB geht deshalb davon aus, dass er vom 22. bis 26. Juli 2009 auf Sand ein so genanntes 500er-Turnier austrägt, bei dem nur vier Top-Ten-Spieler kommen müssen.

Finanziell nicht abgesichert

Der Antrag, auf Hartplatz zu spielen, wurde von der ATP abgelehnt, um das parallel stattfindende Turnier in Indianapolis zu schützen.

Finanziell abgesichert sind die neuen "German Open" allerdings noch nicht. Gespräche mit Sponsoren und der Stadt laufen.

Rund dreieinhalb Millionen Euro beträgt der Etat für ein 500er-Turnier mit einem Preisgeld von 1,2 Millionen Euro.

Nadal kostet 400.000 Euro

Gegenüber einem 1000er, bei dem alle Profis antreten müssen, wäre das ein um etwa zwei Millionen Euro niedrigeres Budget.

Um ausreichend Weltklassespieler zu bekommen, müsste allerdings Antrittsgeld gezahlt werden.

Rund 400.000 Euro ist derzeit der Tarif für Rafael Nadal.

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