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Andrej Golubew belegte vor dem Turnier den 82. Platz in der Weltrangliste © getty

Andrej Golubew setzt sich im Finale von Hamburg unerwartet gegen Favorit Jürgen Melzer durch und feiert seinen ersten Turniererfolg.

Hamburg - Der Kasache Andrej Golubew hat überraschend die German Open in Hamburg gewonnen.

Der 23-Jährige setzte sich im Endspiel vor 7500 Zuschauern nach 1:30 Stunden 6:3, 7:5 gegen den favorisierten Österreicher Jürgen Melzer durch und feierte damit den ersten Titelgewinn in seiner Karriere.

Er ist gleichzeitig der ersten Kasache überhaupt, der ein Turnier auf der ATP-Serie gewinnen konnte.

Dafür feierte er den größten Erfolg seiner Laufbahn eher zurückhaltend und riss nur kurz die Arme empor, als der Matchball nach einem Rückhandfehler von Melzer ins Aus segelte.

Melzer scheitert erneut im Endspiel

Golubew kassiert für seinen Triumph ein Preisgeld von 228.000 Euro und wird sich in der Weltrangliste von Platz 82 auf einen Rang unter den Top-50 verbessern.

Der Weltranglisten-15. Melzer verpasste den dritten Turniersieg seiner Karriere. Er unterlag bereits zum siebten Mal in einem Endspiel.

Melzer war am Samstag durch einen 6:4, 6:2-Erfolg gegen den Italiener Andreas Seppi ins Endspiel vorgedrungen.

"Mayer war Samstag kaputt"

Golubew hatte sich im Halbfinale 7:6 (8:6), 6:4 gegen Florian Mayer durchgesetzt und zerstörte den Traum der Fans und von Turnierdirektor Michael Stich vom ersten deutschen Finalisten seit 1993.

Aber schon der Halbfinaleinzug des Bayreuthers hat das Turnier aufgewertet. "Wenn ein Deutscher so weit kommt, hat das extreme Auswirkungen auf die Zuschauerresonanz", sagte Stich:

"Mayer war Samstag kaputt, aber er hat gekämpft und nicht aufgegeben, er war ein Vorbild. Wir hatten hier auch schon andere Auftritte von deutschen Spielern."

Davis-Cup-Nominierung in Reichweite

Insbesondere Mayers Viertelfinalsieg gegen Juan Carlos Ferrero am Freitag war Tennis der Extraklasse.

So schwang sich der 26-Jährige zum Publikumsliebling auf und unterstrich zudem seine Ambitionen auf einen Platz im deutschen Davis-Cup-Team, das vom 17. bis 19. September in Stuttgart auf Sand gegen Südafrika gegen den Abstieg aus der Weltgruppe spielt.

"Ich habe schon beim Aufstehen gemerkt, dass die Beine schwer waren", sagte Mayer, der in der Weltrangliste von Platz 57 ungefähr auf Rang 45 klettert:

"Mit der Turnierwoche bin ich natürlich super zufrieden. Das gibt viel Selbstvertrauen für den Rest des Jahres."

"Der Zuschauerzuspruch war gut"

Rund 60.500 Zuschauer waren in der Woche auf die Anlage geströmt, wichtige Einnahmen für Stich und seine Mitstreiter vom Veranstalter HSE.

"Der Zuschauerzuspruch war gut. Er könnte aber noch besser sein, und er muss auch in Zukunft noch besser sein", sagte Stich:

"Sportlich haben wir sehr gutes Tennis gesehen, das Problem ist, dass die Namen der Spieler nicht so bekannt sind."

Titelsponsor fehlt

Bei einem drittklassigen Turnier der 500er-Serie aber sind Topstars nicht zu bekommen, der Etat von 3,2 Millionen Euro ist eng geschnürt.

Noch immer fehlt ein Titelsponsor, und im kommenden Jahr fallen auch die 200.000 Euro der Stadt Hamburg weg.

Schon in diesem Jahr hat der Deutsche Tennis Bund (DTB) die Zahlung von rund 200..000 Euro nicht mehr geleistet, mit der er im Vorjahr noch sein einstiges Prestigeobjekt unterstützt hat.

Stadt und Verband zeigen an der Veranstaltung so wenig Interesse wie die deutsche Wirtschaft, obwohl das Finale am Sonntag in 45 Länder übertragen wurde.

Stich will weitermachen

DTB-Präsident Georg von Waldenfels zog den Besuch der Bayreuther Festspiele der Siegerehrung in Hamburg vor, ein Stadtvertreter ließ sich die ganze Woche nicht sehen.

Im kommenden Jahr wird Stich auf jeden Fall weitermachen, das sagt der Vertrag. Ob er danach die Option für weitere zwei Jahre zieht, steht noch in den Sternen:

"Wir werden die Herausforderung annehmen, die Aufgabe macht auch großen Spaß", sagt er: "Unser Ziel bleibt, das Turnier wieder fest zu etablieren, aber das ist alles kein Wunschkonzert."

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