vergrößernverkleinern
Petzschner (l.) und Melzer (r.) gewannen im Juli die Doppelkonkurrenz in Wimbledon © imago

Er hat in Wimbledon gewonnen. Beim ATP-Finale tritt Philipp Petzschner an der Seite des Österreichers Jürgen Melzer im Doppel an.

München/London - Er ist ein Mann der leisen Töne, man muss schon sehr genau zuhören, wenn er spricht.

"Ich freue mich auf das Masters", sagt Philipp Petzschner: "Es ist für mich eine Riesenehre, dort dabeizusein." (DATENCENTER: Die ATP-Weltrangliste)

Er hat sich diese Ehre verdient, denn seit dem Sommer 2010 hat Deutschland wieder einen Wimbledonsieger.

Gemeinsam mit dem Jürgen Melzer gewann Petzschner im Allerheiligsten seines Sports den Titel im Herrendoppel.

"Das war sehr speziell", sagt er, und dabei klingt seine leise Stimme fast andächtig.

Bryan-Zwillinge warten

Nun tritt mit seinem österreichischen Freund beim Masters-Finale in London an. Zum Auftakt am Sonntag (ab 13.15 Uhr LIVESCORES) wartet mit Mark und Bob Bryan das wohl weltbeste Doppel auf die Wimbledonsieger.

Die weiteren Gegner in der Gruppe A sind die tschechisch-indische Kombo Lukas Dlouhy und Leander Paes sowie die beiden Polen Mariusz Fyrstenberg und Marcin Matkowski.

Die B-Gruppe bilden Daniel Nestor/Nenad Zimonjic (CAN/SRB), Lukasz Kubot/Oliver Marach (POL/AUT), Mahesh Bhupathi/Max Mirnyi (IND/BLR) und Wesley Moodie mit Dick Norman (RSA/BEL).

Schlampiges Genie

Philipp Petzschner bediente in seinen frühen Jahren lange Zeit das Klischee vom etwas anderen Tennisprofi. Er galt als schlampiges Genie, als einer, der sein riesiges Talent einfach so verschleuderte.

Er nahm sich eine Auszeit vom Tennis, um sich um die Familie zu kümmern, oder verschwand schon mal kommentarlos für ein paar Tage zum Surfen oder Abhängen. (GAMES: Jetzt Ballpoint spielen!)

"Manchmal wusste niemand, wo ich bin", sagt er, und irgendwie hat man das Gefühl, dass er das mittlerweile nicht mehr so machen würde.

Petzschner ist ruhiger geworden

Heute ist der Mann, der so gerne Rockstar geworden wäre, das, was man "angekommen" nennt.

Mit seiner Frau, deren mittlerweile neunjährigem Sohn und Familienhund Duke ("Der ist so schräg drauf wie ich") lebt er in einem schmucken kleinen Häuschen in Pulheim bei Köln.

"Wir sind schon sehr lange sehr glücklich miteinander", sagt er, und deshalb war der schönste Tag in seinem Leben auch der, an dem seine Freundin "Ja" zu ihm sagte.

Vorbereitung in Wien

Auf das so geliebte Familienfrühstück an einem geruhsamen Sonntagmorgen musste Petzschner zuletzt allerdings verzichten. Zehn Tage bereitete er sich in Wien zusammen mit Melzer auf das Saisonfinale in London vor.

Hundertprozentig fit ist "Petzsche" vermutlich nicht, ein doppelter Bänderriss im Knöchel Anfang September und eine OP am Weisheitszahn haben ihn zuletzt insgesamt zehn Wochen außer Gefecht gesetzt.

Trotzdem fühlt er sich bereit für den Showdown der Besten und blickt voller Stolz auf die Saison zurück: "Das war mit Abstand mein bestes und konstantestes Jahr."

In dem er dem Deutschen Tennis Bund (DTB) und dem Davis-Cup-Team nicht zur Verfügung stand: "Ich habe schon sehr früh gesagt, dass ich 2010 für mich haben wollte, und der Erfolg hat mir recht gegeben."

Davis Cup ist wieder ein Thema

Ab Januar ist er, falls gewünscht, wieder bereit für das Davis-Cup-Team, das einen wie ihn, in der Weltrangliste Nummer 22 im Doppel und Nummer 57 im Einzel, gut gebrauchen könnte.

Bis dahin wird er auch die Athletenvereinbarung mit der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) unterschreiben, um die es im Frühjahr viel Wirbel gab.

Was Petzschner nicht versteht: "Ich gehörte nicht zum A-Kader, habe nicht Davis Cup gespielt, deshalb habe ich dieses Schriftstück nie gesehen."

Ob es schon im März in Kroatien ein Comeback im zuletzt nicht gerade übererfolgreichen Davis-Cup-Team gibt, lässt Petzschner in Ruhe auf sich zukommen. "Das entscheidet allein der Teamchef", sagt er diplomatisch.

Flitterwochen müssen warten

Erstmal fliegt er nach dem Saisonfinale zusammen mit der Gattin in aller Ruhe in die Flitterwochen nach Mauritius.

Dort kann man sicher auch gut frühstücken.

Und Golf spielen, Petzschners zweite sportliche Leidenschaft: "Am liebsten erhole ich mich auf dem Golfplatz. Dafür ist man nie zu kaputt."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel