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Philipp Kohlschreiber verdiente in seiner Karriere 2,2 Mio. Dollar Preisgeld © getty

Philipp Kohlschreiber spricht im Sport1.de-Interview über seine rebellischen Anfänge und seine Ziele für die nächste Saison.

Von Martin Hoffmann

München - Ortstermin in der Tennis-Base Oberhaching, der sportlichen Heimat der deutschen Nummer eins, Philipp Kohlschreiber.

Das Tenniszentrum stellt Thomas Högstedt, den ehemaligen Coach von Nicolas Kiefer und Tommy Haas, als neuen Sportlichen Leiter vor.

Högstedt erfüllt nicht das Klischee vom schweigsamen Skandinavier, er redet viel und gerne. Über Kohlschreiber sagt er, dass er "grenzenloses Potenzial" in ihm sehe und ihm sogar zutraut, die Nummer eins der Welt werden zu können.

Da scheint auch der selbstbewusste Kohlschreiber, der neben ihm sitzt, etwas zu schlucken. Seine Ziele formuliert die aktuelle Nummer 28 des ATP-Rankings (zur vollständigen Rangliste) im Sport1.de-Interview etwas bescheidener.

Sport1.de: Herr Kohlschreiber, im vergangenen Jahr waren Sie noch der deutsche Aufsteiger. In das abgelaufene Jahr sind Sie als deutsche Nummer eins mit einer höheren Erwartungshaltung gestartet. Wie fällt Ihre Bilanz der Saison aus?

Philipp Kohlschreiber: Meine Erwartungen waren einen Tick höher, gerade nach dem tollen Start mit dem Turniersieg in Auckland. Aber ich habe alles getan, bin auch nicht zurückgefallen und habe mich trotz einiger Widrigkeiten - zwei Viruserkrankungen und ein Muskelfaserriss kurz vor Olympia - in der Weltrangliste von 32 auf 28 etwas nach oben gekämpft. Von daher sehe ich das Jahr immer noch positiv.

Sport1.de: Wünschen Sie sich kein schnelleres Vorankommen?

Kohlschreiber: Wenn ich jetzt noch sechs, sieben, acht Jahre weiterspiele und jedes Jahr vier Plätze gutmache, bin ich auch irgendwann Nummer eins (lacht). Aber im Ernst: Ich will in die Top 10, aber nicht unbedingt schon im nächsten Jahr, den Druck mache ich mir nicht.

Sport1.de: Im Davis Cup konnten Sie in diesem Jahr nichts gegen das Viertelfinal-Aus gegen Spanien ausrichten. Was haben Sie sich denn für 2009 dort vorgenommen?

Kohlschreiber: Das Heimspiel gegen Österreich in der ersten Runde ist in jedem Fall machbar - auch wenn die Österreicher nicht zu unterschätzen sind. Sie haben gute Spieler und der Ansporn, es uns "Piefkes" mal zu zeigen, ist bei ihnen groß. Aber wir wollen natürlich gewinnen und das Re-Match gegen Spanien.

Sport1.de: Ihre Erwartungen, wenn es klappt?

Kohlschreiber: Jeder weiß, dass da noch eine Rechnung offen ist. Wir hatten es sicher nicht verdient, da nach zwei Tagen schon 0:3 hinten zu sein. Wir hätten auf jeden Fall das Potenzial, die Partie diesmal zumindest enger zu machen.

Sport1.de: Das vergangene Tennis-Jahr wurde geprägt vom Duell zwischen Roger Federer und Rafael Nadal. Federer hat Platz eins verloren, trauen Sie ihm zu, dass er sie sich zurückholt?

Kohlschreiber: Roger hat Rückschläge erlitten mit den Finalniederlagen gegen Nadal in Paris und in Wimbledon. Vielleicht war das das erste Mal, dass es einen Knacks in Rogers Selbstvertrauen gegeben hat. Aber Roger ist immer noch verdammt gut und der auf jeden Fall kompletteste Spieler der Tour. Und es ist klar, dass er nicht die Nummer zwei bleiben will. Ich denke, er wird im nächsten Jahr nur noch gefährlicher zurückkommen.

Sport1.de: Sie selbst hatten nicht immer die beste Einstellung. Als Jugendspieler haben sie nach eigenen Angaben mal die Saiten ihres Schlägers angeritzt, damit er schnell kaputt ging und sie nicht mehr weitertrainieren mussten. Was hat denn den Wandel ausgelöst?

Kohlschreiber: Vor allem die Geduld der Trainer, die es mit mir ausgehalten haben. Ich habe meine Trainer viel Kraft gekostet und ich weiß nicht was gewesen wäre, wenn sie diese Kraft nicht gehabt hätten. Mir wurde inzwischen gesagt, dass ich kurz vor dem Rauswurf aus der Akademie stand.

Sport1.de: Wie haben Sie das denn dann abgewandt?

Kohlschreiber: Vielleicht ja durch meine nette Art (lacht). Ich habe viele Fehler gemacht, aber ich habe aus jedem davon gelernt - und inzwischen versuche ich selbst, den jungen Spielern zu helfen und ihnen vielleicht mal Tipps zu geben. Ich bin inzwischen ja fast ein 1A-Musterschüler, meine Schläger habe ich jedenfalls lange nicht mehr angeritzt.

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