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Juan Martin Del Potro konnte 2009 die US-Open gegen Roger Federer gewinnen © getty

Mit seinem Sieg gegen Söderling schickt Juan Martin Del Potro ein deutliches Signal an die Weltspitze. Sein Tief ist abgehakt.

Miami - Wieder hat er ein wichtiges Etappenziel auf dem langen Weg zurück geschafft.

Die Strecke ist lang, aber Juan Martin Del Potro geht sie beharrlich.

Mit dem glatten 6:3, 6:2-Sieg gegen den Schweden Robin Söderling gelang dem langen Argentinier beim Masters-Series-Turnier in Miami der erste Erfolg über einen Top-10-Spieler seit seinem Comeback (DATENCENTER: Ergebnisse der Herren aus Miami).

"Ich verbessere mich schneller, als ich es selbst erwartet habe", sagte Del Potro, "das ist ein gutes Signal für die Zukunft."

Erfolge - Schritt für Schritt

Die ersten Schritte zurück sind ihm mittlerweile glänzend gelungen. Dem Sieg ohne Satzverlust beim kleinen Turnier in Delray Beach folgte das Halbfinale vergangene Woche beim Masters in Indian Wells.

Erst der Weltranglisten-Erste Rafael Nadal erwies sich dort noch als zu stark. Vielleicht 20 Spiele, schätzte Del Potro, brauche er noch, um die ganz Großen herausfordern zu können. Es ging deutlich schneller.

"Es war ein langer Weg zurück"

"Zwei Monate lang habe ich in Argentinien hart gearbeitet", sagte er wie immer leise. Keine große Sache für ihn - nur die Grundlage, um bald wieder da zu stehen, wo er hingehört. "Es ist ein langer Weg zurück unter die Top 10, aber ich bin bereit, ihn zu gehen."

2009 stieß er wie ein Komet in die Weltelite vor. Sein Sieg bei den US Open war ein Triumph. Dieser lange Schlaks war in der Lage, in die Phalanx der großen Drei Roger Federer, Nadal und Novak Djokovic einzudringen.

Platz vier - dann kam die Verletzung

Bis auf Weltranglisten-Platz vier war er im Januar 2010 schon vorgedrungen - und dann kam die komplizierte Handgelenksverletzung.

Del Potro ist ein schüchterner Kerl. Die wenigen Sätze, die er sagt, klingen leise, sind langsam und bedacht. Das Flutlicht der großen Tennis-Courts scheint zu grell für solch einen introvertierten Menschen. Und so zog er sich über weite Teile des letzten Jahres zurück und die Gerüchte waberten.

Depressionen? Alkohol? Partys?

Er habe den Triumph nicht verkraftet, hieß es aus der einen Ecke. "Depressionen!", erklärten andere. "Er mag ein Problem mit dem Handgelenk haben, aber ein noch viel größeres mit dem Kopf", sagte Davis-Cup-Kumpel Juan Monaco, der wie Del Potro aus Tandil stammt, und heizte die Diskussionen damit weiter an.

Zu viel Alkohol und Partys mit schönen Frauen wurden als Rebellion gegen seinen gestrengen Vater gedeutet.

Aber Del Potro schwieg, er blieb zurückgezogen, besuchte nicht einmal mehr die Spiele seines heiß geliebten Fußballklubs Boca Juniors.

US-Open-Triumph hilft kaum

Was sollte er auch sagen. Del Potro glaubte immer, seine Worte würden nicht gehört. Er sei noch nicht stark genug, um im elitären Kreis der Top-10-Spieler mitzumischen.

Er fühlte sich seinen charismatischen Kontrahenten unterlegen. Es ist kaum zu verstehen: Selbst der Erfolg im Finale von New York über Roger Federer gab Del Potro nicht das Selbstvertrauen eines Grand-Slam-Champions.

Nach den Australian Open 2010 folgte dann die Zwangspause. Er versuchte sein Comeback im September und Oktober auf zwei Turnieren in Tokio und Bangkok und verlor jeweils in Runde eins. Wieder Pause, wieder Training.

Die Rückkehr nach dem Abrutsch

Bis auf Platz 485 rutschte er im Ranking ab. Im Verborgenen kämpfte Del Potro für mehr Selbstvertrauen und seine Rückkehr.

Seit Januar spielt er wieder regelmäßig - seit diesem Frühjahr ist er offenbar wieder richtig da.

"Ich brauche noch Zeit und Spiele, um die absoluten Topleute schlagen zu können", meint er jedoch, "aber in der zweiten Hälfte des Jahres kann es soweit sein."

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